Das Lächeln von Heinz Dätwyler verrät, dass er sich auf die Reaktion der Besucherin freut. Für sie wird er sogleich eine Wundertüte öffnen. «Einen Augenblick», sagt der Bözberger Gemeinderat, verschwindet – und kommt mit einer Holzkiste zurück, die er mühelos in seinen Händen hält. «Dabei ist eine Weinkiste doch schwer», denkt der Gast und staunt auch schon. «Mensch», sagt er spontan, worauf sich Heinz Dätwyler Lächeln vertieft. Die umgebaute Weinkiste birgt exakt
90 farbenfrohe 1.-August-Abzeichen.

«Das sind nicht alle, die es gibt», sagt der Bözberger Gemeinderat, «jene von 1923, 1924 und 1925 fehlen in meiner Sammlung. Aber es gibt Angebote.» Allerdings solche für dreistellige Beträge. «Das ist viel», sagt der einstige Bahnhofvorstand in Bad Zurzach und heutige Geschäftsführer Bahnhof SBB Bad Zurzach und Döttingen. Bloss ein Trio fehlt ihm zum absoluten Sammlerglück. Aber Dätwyler zweifelt nicht daran, dass er es irgendwann erwerben kann – sei es im Internet oder auf einem Flohmarkt. Beeilen muss er sich nicht; jene 90 Stück, die in Dätwylers Besitz sind, sind für ihn Freude pur.

Weshalb diese Leidenschaft für das 1.-August-Abzeichen, das seit 1923 von der Schweizerischen Stiftung Pro Patria herausgegeben wird? «Ich bin eben ein Sammlertyp», so Dätwyler, «und ich habe es einfach gerne, wenn etwas komplett ist.» Vor allem dann, wenn es so wenig Platz beansprucht wie die zum Abzeichen-Lager umfunktionierte Weinkiste. Natürlich habe er bereits als Bub fleissig Abzeichen verkauft, fügt Dätwyler hinzu. Sujets, aber auch Machart und Materialien der Abzeichen kennt er somit aus dem Effeff.

Ausdruck des Zeitgeistes

Zum Vergleich nimmt er das Abzeichen von 1926 in die Hand – ein Frauenkopf von hinten. «Das ist eine Plakette aus Metall und Seidenband.» Danach kommt das diesjährige Abzeichen an die Reihe: Eine Weltkugel, die den Auslandschweizern gewidmet ist. Es liegt federleicht in der Hand, da es aus Kunststoff gefertigt ist. Heinz Dätwyler wertet nicht, aber er stellt fest, dass die Abzeichen die Zeit genau spiegeln, in der sie produziert worden sind. «In ihrem Design und in der Auswahl von teureren oder billigeren Materialien sind sie Ausdruck des Zeitgeistes.» Die Besucherin wundert sich über einen roten, silbernen und goldenen Schmetterling. «Das sind die Abzeichen von 2002 bis 2004 – aus PET.» Anders verhält es sich mit dem 1.-August-Feuer von 1932 samt Schweizerwappen und Jahreszahl.

Die Plakette ist aus Metall und St. Galler Handstickerei. Wer sodann das Abzeichen von 1943, ein Band mit Wappen und 22 gestickten Kantonswappen zur Hand nimmt, will nur noch von Miniaturkunstwerken sprechen. Dazu zählen auch das winzige rote Schweizer Büchlein mit den Wappen aller Kantone (1975) sowie die Kunststoff-Rondelle mit der Schweiz und ihren vier Landessprachen als Balance-Spiel. All dies stimmt vergnügt: Gerade richtig, um den 1. August – mit Abzeichen – zu geniessen. Natürlich feiert auch Heinz Dätwyler «und zwar in Linn, unter der Linde.»