Windisch

Zwei Verbindungsmitglieder der «Habsburger» bekennen: «Damals war Alkoholkonsum ein Muss»

Beim «Tech» in Windisch kommen Erinnerungen hoch: Richard Thaler v/o Gallo (links) und Jörg Kleinert v/o Sandy.

Beim «Tech» in Windisch kommen Erinnerungen hoch: Richard Thaler v/o Gallo (links) und Jörg Kleinert v/o Sandy.

Die erste Aargauer Studentenverbindung «Die Habsburger» wird dieses Jahr 50 Jahre alt – und hat mehr Altherren als Aktive. Zwei Verbindungsmitglieder der ersten Stunde schwelgen für die az in Erinnerungen an feucht-fröhliche Abende, Streiche und Prüfungsfrust zurück.

Wenn Gallo und Sandy erzählen, tut sich eine völlig andere Welt auf. Eine Welt, die die Studenten von heute so kaum noch kennen; oder zumindest nur sehr wenige von ihnen.

Gallo und Sandy heissen mit bürgerlichen Namen Richard Thaler und Jörg Kleinert. Die Vulgos führen auf ihre Zugehörigkeit zu einer Studentenverbindung zurück. Sie sprechen von Bierfamilien, quasi Untergruppen der jeweiligen Studentenverbindung, erzählen von Farben, gemeint sind das Band und die Couleur (Mütze), die zeigten, zu welcher Verbindung die Studenten gehören.

Wir treffen Gallo und Sandy in der Cafeteria Platane bei der Klosterkirche Königsfelden, unweit von der Fachhochschule für Technik, von Gallo und Sandy fast liebevoll «s Tech» genannt.

Gallo ist heute 89 Jahre alt. Er war Präsident der Gründungskommission der Studentenverbindung «Die Habsburger» der damaligen Hochschule für Technik (HTL). Er erinnert sich gerne an diese Zeit, immer wieder huscht ein Lächeln über sein Gesicht, wenn er von den Streichen und den feucht-fröhlichen Runden erzählt.

Verbindung war das soziale Netz

Ursprünglich stammt Richard Thaler aus Gossau, für das Studium – er studierte Elektroingenieur im Bereich Starkstromtechnik – zog es ihn nach Burgdorf, wo er der Studentenverbindung «Die Ruithonen», einer Sektion des Schweizerischen Studentenvereins (STV), beitrat.

Richard Thaler wurde 1966 beauftragt, im Aargau die erste Studentenverbindung des STV zu gründen: «Die Habsburger». «Diese Studentenverbindungen waren für uns wichtig, sie waren die beste Möglichkeit, auf sozialer Ebene Beziehungen unter den Studenten zu knüpfen», sagt Thaler, der heute in Unterentfelden wohnt.

Jörg Kleinert, ehemaliger Consenior und OK-Mitglied für die Fahnenweihe, ergänzt: «Die Studentenverbindung ist vergleichbar mit der Plattform Xing von heute.» Dank der Verbindung habe man ein soziales Netzwerk aufbauen können. Das sei hilfreich gewesen bei der Jobsuche nach dem Studium. «Die Mitgliedschaft war eine Investition in die Zukunft», sagt Jörg Kleinert.

Von der Bevölkerung wurde die Verbindung geduldet, auch wenn der Alkohol manchmal reichlich floss. «Der Freitag war jeweils Farbentag, dann wurde die Uniform getragen», erklärt Kleinert. «Und am Abend traf man sich im Stammlokal.»

Er gibt zu: «Da wurde sicher ab und zu ein Bier über den Durst getrunken, auch, um die manchmal harte Woche oder eine verunglückte Klausur zu vergessen. Aber wenn man am Samstag eine Prüfung hatte, hielt man sich zurück.»

Richard Thaler ergänzt: «Der Alkoholkonsum war damals ein Muss. Er half uns, in eine lockere Stimmung zu kommen und spontaner zu sein.» Der Alkoholzwang sei mittlerweile längst abgeschafft. Das sei, nebst der Öffnung der Verbindung für die Frauen, eine der wesentlichen Änderungen in den 50 Jahren.

Studenten spielten Streiche

Aus den Bierlaunen entstanden Aktionen, die einigen Bürgern heute noch in Erinnerung sein dürften: So mauerten die Studenten einmal während einer Burschenprüfung die Personenunterführung beim Bahnhof mit Backsteinen zu. Jörg Kleinert betont: «Auch wenn wir manchen Streich gespielt haben, wir haben nie etwas beschädigt und haben immer wieder selber aufgeräumt.»

Ein Blick in das Liederbuch der Studentenverbindung von Sandy. Diese Bücher hatten absichtlich leere Seiten, um Fotos, Sprüche (nicht immer jugendfreie) oder andere Erinnerungen einzukleben und festzuhalten.

Ein Blick in das Liederbuch der Studentenverbindung von Sandy. Diese Bücher hatten absichtlich leere Seiten, um Fotos, Sprüche (nicht immer jugendfreie) oder andere Erinnerungen einzukleben und festzuhalten.

So unterhaltsam die Anekdoten klingen: Die Studentenverbindung kämpft heute mit Mitgliederschwund. Sechs Personen sind noch bei den Aktiven. Bei den Altherren sind es mit rund 110 Mitgliedern wesentlich mehr.

An der Spitze der Aktiven ist aktuell mit Eliane Cadosch v/o Sari (29) sogar eine Frau, eine Pädagogin. Sie hat Mathematik, Chemie, Physik, Biologie und Informatik studiert. Heute ist sie Reallehrerin in Aarau Rohr. Diesbezüglich erstreckt sich die Studentenverbindung längst nicht mehr nur auf die Fachhochschule für Technik.

«Wir hatten bereits in den Siebzigerjahren eine Baisse, waren zeitweise sogar inaktiv», erinnert sich Kleinert. «Diese Krise konnten wir überwinden. Darum glaube ich, dass wir es auch dieses Mal wieder schaffen.»

Fahnenweihe und Jubiläumsfeier zum 100. Semester der Studentenverbindung «Die Habsburger» am 17. September um 14 Uhr in der Klosterkirche Königsfelden. Mehr Infos auf www.habsburger.ch

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