Kollektion

Zwillinge aus Guatemala stellen in Brugg Schweizer Souvenirs her

Javier (links) und Fernando Caxaj tragen ihre selbst hergestellten Souvenirs mit Bezug zu Aarau, Brugg oder Baden.

Javier (links) und Fernando Caxaj tragen ihre selbst hergestellten Souvenirs mit Bezug zu Aarau, Brugg oder Baden.

Die Guatemalteken Fernando und Javier Caxaj bedrucken und besticken in Brugg Kleider mit Schriftzügen von Kantonen und Städten.

Zugegeben: Ein richtiger Showroom ist es nicht, er verrät aber einiges über die grosse Leidenschaft von Javier und Fernando Caxaj. Die Rede ist von einem Atelier im Untergeschoss eines Einfamilienhauses im Brugger Westquartier. Auf dem Tisch in der Mitte des Raums und auf den Wandregalen sind Kapuzenpullover, T-Shirts, Caps und Mützen mit Schriftzügen von Schweizer Städten und Kantonen zu sehen. Unter dem Label «Xaman» (auf Deutsch: Schamane) betreiben die guatemaltekischen Zwillinge den Onlineshop xaman.ch für Kleider, die sie nach eigenen Ideen oder nach Kundenwünschen mit Siebdruck oder Stickereien aufwerten.

Fernando Caxaj trägt einen Hoody mit dem Brugger Wappen und eine Mütze mit dem Schriftzug «Aarau». Der 51-Jährige war letztes Jahr mit seiner Ehefrau Karin auf einer Reise in den Vereinigten Staaten. Dabei ist ihm aufgefallen, wie stolz viele Amerikaner ihre Herkunft auf einem T-Shirt in die Welt hinaus tragen. In der kleinen Schweiz ist das anders. Die Zwillinge möchten das nun ändern. «Wir haben hier so viele Naturschönheiten und eine gut funktionierende Infrastruktur. Strassen, Wasserversorgung und Gesundheitswesen sind topp. Viele sehen das als selbstverständlich an, ist es aber nicht», sagt Fernando Caxaj, der vor 24 Jahren mit seinem Bruder Javier nach Brugg kam.

Erste T-Shirts für Touristen in Antigua bedruckt

Die Zwillinge wuchsen in Antigua Guatemala auf. Ihre Mutter arbeitete als Schuhverkäuferin in der Markthalle der Kolonialstadt. Die Brüder erinnern sich noch gut, wie sie im Teenageralter eine internationale Messe in der Hauptstadt besuchten. An einem Stand einer japanischen Firma sahen sie zum ersten Mal, wie T-Shirts bedruckt werden, und waren begeistert. Das wollten sie auch ausprobieren. Die ersten Versuche machten sie mit wasserfesten Farbstiften. Da es kaum Literatur über Siebdruck oder entsprechende Kurse gab und das Internet noch nicht existierte, brachten sich Javier und Fernando Caxaj die Technik zum grössten Teil selber bei. Sie fertigten Schablonen an und stellten Holzrahmen her. «Als wir am Marktstand unserer Mutter zum ersten Mal drei T-Shirts aufhängten, wurden diese noch am gleichen Tag verkauft», erzählt Javier Caxaj.

Die T-Shirts verdrängten die Schuhe in der Markthalle zunehmend, Mutters Küche diente oft als Werkstatt und die Zwillinge hatten kaum mehr Zeit, um an die Universität zu gehen. Nach zwei Jahren brauchte es eine Lösung. Sie waren die Einzigen in Antigua, die T-Shirts für Touristen mit Sujets aus Guatemala in Handarbeit herstellten. Deshalb suchten die Zwillinge eine neue Verkaufsstelle an der Calle del Arco, der Strasse mit der wichtigsten Sehenswürdigkeit der Stadt: dem gelben Bogen von Santa Catalina. Schliesslich konnten sie nur eine Garage mieten, in der nachts Autos abgestellt wurden. Die rollbaren Verkaufsmöbel mussten sie täglich neu platzieren. Unter dem Label «Caxaj Siebdruck» lief das Geschäft – insbesondere während der bekannten Osterprozessionen – gut.

Bald gab es weitere Aufträge für Werbe-T-Shirts und -Banner. Produktionsstätte war weiterhin Mutters Küche. Für die Garage stellten die Brüder Verkaufspersonal an.

Zwei Bruggerinnen veränderten ihr Leben

«Zufälligerweise waren wir selber im Laden, als Denise und Karin bei uns T-Shirts kauften», erzählt Fernando Caxaj. Die beiden Freundinnen aus Brugg waren in Guatemala unterwegs und am Handwerk für die schönen T-Shirts interessiert. Also luden die Zwillinge die beiden Schweizerinnen nach Hause ein. Kurz zuvor hatten die jungen Männer einen Grossauftrag angenommen und standen unter grossem Zeitdruck. Unkompliziert packten Denise Waldner und Karin Telser die ganze Nacht durch mit an, die 2000 T-Shirts mit Werbung zu bedrucken.

Anschliessend erkundeten sie zu viert das Land und kamen sich dabei näher. Die Zwillinge wanderten kurz darauf in die Schweiz aus und gründeten in Brugg ihre Familien. Ihrer Leidenschaft und ihrer Branche sind die Guatemalteken treu geblieben – sowohl beim Hobby wie bei ihren Anstellungen.

«Unsere Kollektion wird jetzt laufend erweitert. Zum Siebdruck sind die Stickereien gekommen», sagt Fernando Caxaj und zeigt auf den Computerbildschirm, wo er die Kundenwünsche bearbeitet und neue Designs entwirft. Produziert wird immer noch selber, von Massenproduktion ist das Label weit entfernt. Je nach Nachfrage kann Fernando auf die Unterstützung von Javier zählen. Jetzt, wo fast alle Schweizerinnen und Schweizer ihre Sommerferien im Inland verbringen, sind solche Souvenirs vielleicht bei den Einheimischen auch bald im Trend.

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