Südwestumfahrung Brugg

Zwischen Baustelle und Bahngleis vergessen: Quartier-Anwohner in Windisch wehren sich

Leben auf der Baustelle Südwestumfahrung Brugg: Bewohner fühlen sich von der Gemeinde Windisch und vom Kanton im Stich gelassen.

Das kleine Wohnquartier an der Unterwerkstrasse in Windisch – eingeklemmt zwischen Bahnlinie und Habsburgwald – wurde letzte Woche in der AZ erwähnt, weil das Clubhaus der Guggenmusik Schwellbaumschränzer brannte. Da der direkte Weg via Habsburgbrücke zum Brandort aufgrund der Baustelle Südwestumfahrung Brugg gesperrt ist, musste die Feuerwehr Windisch-Habsburg-Hausen via Aarauerstrasse durch Brugg fahren und an der Barriere beim Bahnübergang sogar noch warten.

«Uns geht das seit Monaten so und wohl noch für weitere zwei Jahre», schrieb René Schätti daraufhin der AZ. Er kann ein Lied davon singen, wie sich das Leben für die Bewohner der sieben Haushaltungen an der Unterwerkstrasse seit dem Spatenstich für den Bau der Südwestumfahrung Brugg im April 2019 verändert hat. Kein direkter Zugang mehr zur Gemeinde Windisch. Ausfahrt nach Brugg über Schotterwege. Im Haus lüften unmöglich, weil überall Staub von der Baustelle ist. Autowaschen täglich wegen Baustelle, Wasserabschaltungen, Stromausfälle. «Und warum dies vor allem? Weil die Gemeinde Windisch dem Kanton sagte: Jenseits der Habsburgbrücke seien keine Windischer Bürger betroffen», so René Schätti. Das war wohl falsch. Post bekommen die Anwohner zwar von Brugg, Internet auch, aber Steuern zahlen sie nach wie vor in Windisch.

Die Brücke war weg und der Schulweg zehnmal länger

Wie unzufrieden die Bewohner mit der Situation sind, wird bei einem Augenschein vor Ort deutlich. Angefangen haben die Diskussionen mit der Projektleitung schon vor einem Jahr, als die Habsburgbrücke einfach gesperrt und zurückgebaut wurde. Der Schulweg für die Kinder führte über Brugg und war zehnmal länger. Einen zusätzlichen Busstopp gab es nicht. Erst nach unzähligen Telefonaten mit der Bauleitung, der Gemeinde und dem Kanton, wo sich niemand zuständig fühlte und jeder dem anderen den Schwarzen Peter zuschob, hatte Schätti mit seiner Intervention Erfolg – beim Strassenverkehrsamt. Innert weniger Stunden gab es grünes Licht für die Fahrt mit dem Auto über die Baupiste Richtung Habsburgbrücke. Zudem wurde ein provisorischer Steg für Fussgänger über die Bahnlinie eingerichtet.

Seither wurde das Verkehrsregime laufend der Baustelle angepasst. Die korrekte Signalisation erfolgte oft erst nach Intervention durch die Anwohner. Aktuell fahren Lastwagen der Muldenzentrale über die Quartierzufahrt, auf der sonst Kinder spielen, zu ihrem Stammplatz. Denn seit Anfang April ist die direkte Zufahrt nach Windisch über die Baupiste aus sicherheitstechnischen Gründen erneut nicht mehr möglich, auch am Wochenende nicht, wenn die Baustelle ruht. Für den Langsamverkehr gibt es einen schmalen Weg. Das Velo muss allerdings gestossen werden.

Zehn Minuten an der Barriere warten

«Wir haben keine Ahnung, wann wir mit dem Auto wieder nach Windisch fahren können», sagt Schättis Nachbar Beat Märki. Stattdessen müssen die Bewohner den Umweg über Brugg fahren. Im Notfall stellt der Bahnübergang ein zusätzliches Hindernis dar. «Im schlimmsten Fall muss man an der Barriere zehn Minuten warten. Jemand könnte sterben, wenn der Krankenwagen oder die Feuerwehr deswegen zu spät bei uns eintrifft», sagt Beat Märki. Er, René Schätti und zwei Nachbarn sagen, sie fühlten sich von der Gemeinde im Stich gelassen.

Darauf angesprochen teilt Windischs Gemeindepräsidentin Heidi Ammon mit, die Südwestumfahrung Brugg sei ein Projekt des Kantons mit einer Projektleitung, die im Auftrag des Kantons arbeite. Für Verkehrserschliessung, Information – auch an Blaulichtorganisationen – sowie Signalisation sei die Projektleitung zuständig. Der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung wüssten bezüglich sich ändernder Zufahrtsmöglichkeiten nicht mehr als die Anwohner. Über mangelnde Kommunikation habe die Gemeinde schon öfters bei den zuständigen Stellen interveniert.

Der Brand im Clubhaus hat mit der Baustelle zu tun

In Absprache mit dem Projektleiter teilt die Sprecherin vom Departement Bau, Verkehr und Umwelt (BVU) mit, dass bei der Brücke Mitte April Aushubarbeiten starteten. Anfang Juni seien die Bauarbeiten zwischen Brücke und Unterwerkstrasse umgestellt worden, damit die Leitungen durch die Regionalwerke erstellt werden können. Laut BVU-Sprecherin werden danach die Strassenbauarbeiten vorgezogen, wodurch eine Verbindung für die Motorfahrzeuge voraussichtlich Ende August wieder bestehen werde. Dass die Zufahrt für die Blaulichtorganisationen aktuell nur über den Bahnübergang möglich ist, sei derzeit nicht vermeidbar.

Zurück zum Brand im Clubhaus von letzter Woche: Wie Sprecher Bernhard Graser von der Kantonspolizei Aargau mitteilt, konnte die Brandursache eindeutig geklärt werden. «Ein Baggerführer erfasste auf der angrenzenden Baustelle versehentlich das Stromkabel. Durch den Zug löste sich das Kabel beim Gebäudeanschluss von den Klemmen. Dies verursachte Funken und damit den Brand.»

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