Windisch
Zwischen Nervosität und Dankbarkeit: Das Impfzentrum nimmt den Betrieb auf - ihren Piks können viele kaum erwarten

Auf dem Areal Königsfelden in Windisch nimmt das Kantonsspital Baden das Impfzentrum in Betrieb – ein Augenschein.

Michael Hunziker
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Locker bleiben, lautet die Devise. Zu spüren sei kaum etwas von der Spritze, versichern die Impfwilligen. Lukas Wopmann ist Standort­leiter des Impfzentrums. 350 Personen pro Tag können derzeit am Standort Windisch geimpft werden.
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Lukas Wopmann ist Standort­leiter des Impfzentrums.
350 Personen pro Tag können derzeit am Standort Windisch geimpft werden.

Locker bleiben, lautet die Devise. Zu spüren sei kaum etwas von der Spritze, versichern die Impfwilligen. Lukas Wopmann ist Standort­leiter des Impfzentrums. 350 Personen pro Tag können derzeit am Standort Windisch geimpft werden.

Bilder: Alex Spichale

Eine gewisse Anspannung ist zu spüren, eine gewisse Nervosität, aber auch eine grosse Dankbarkeit: Den Termin für die Covid-19-Impfung haben viele herbeigesehnt. Diese Woche ist das Impfzentrum in Windisch eröffnet worden – als dritter Standort neben Baden und Aarau.

Auf dem Areal Königsfelden herrscht ein reges Kommen und Gehen an diesem Freitagvormittag. Einige Impfwillige treffen deutlich vor dem vereinbarten Zeitpunkt ein, nehmen im – beheizten – Zelt vor dem Pavillon 6 Platz. Die hilfsbereiten Angehörigen des Zivilschutzes sind mit dem Sicherheitsdienst zuständig für die Eingangskontrolle, haben den Überblick, wer wann an der Reihe ist. Denn auch hier gilt: Nur mit einem reservierten Termin gibt es eine Impfung.

Durch den Gang werden die Besucherinnen und Besucher in eines der beiden Zimmer geführt, die mit «Administration» bezeichnet sind. In diesen werden die Personalien überprüft, Geburtsdatum und Adressen oder die Angaben zur Krankenkasse. Im Raum nebenan bereitet derweil der impfverantwortliche Arzt Markus Wopmann zusammen mit einer Helferin die Impfdosen in der gefragten Zahl vor.

Die ganze Prozedur dauert maximal 20 Minuten

Insgesamt acht Plätze stehen in den vier Impfzimmern zur Verfügung. Es heisst, Ärmel hochkrempeln und locker bleiben. Ein Piks, ein Pflaster, fertig ist die Coronaimpfung. Maximal 20 Minuten dauert die ganze Prozedur. Sie sei erleichtert, sagt eine Frau gut gelaunt nach ihrem Besuch. Ob sie viel gespürt habe von der Spritze? Überhaupt nicht, da sei sie sich anderes gewohnt.

Im Ruheraum schliesslich nehmen die frisch Geimpften für eine Viertelstunde Platz – eine Vorsichtsmassnahme, sollten ungewollte Reaktionen auftreten. Dieser Fall sei bisher aber nicht vorgekommen, sagt Lukas Wopmann, Standortleiter des Impfzentrums Königsfelden.

Dieses hat das Kantonsspital Baden (KSB) am Mittwoch zusätzlich in Betrieb genommen, um die Kapazitäten erhöhen zu können. Mit dem Start ist Wopmann zufrieden. Nach ein paar Feinjustierungen da und dort habe alles reibungslos funktioniert. Geimpft worden sind am ersten – «lockeren» – Tag 227 Personen, sagt Wopmann. «Wir haben bewusst Reserven eingebaut.» Tags darauf kamen bereits 33 Personen mehr dazu, gestern waren dann 350 Impfungen geplant.

Bei Freiwilligen besteht ein grosses Interesse

Geimpft wird von Montag bis Freitag. Der erste Besucher ist um 8 Uhr an der Reihe, der letzte um 17 Uhr. Anwesend sind jeweils 25 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. 11 gehören – zu erkennen sind sie an den weissen Oberteilen – zum medizinischen Personal. Unter diesen Freiwilligen befindet sich die Apothekerin genauso wie der pensionierte Arzt, die Krankenschwester oder der Rettungssanitäter. Das Interesse an einem solchen Einsatz sei gross, freut sich Wopmann. «Wir sind in der glücklichen Lage, zurzeit über einen Pool von rund 300 Personen zu verfügen. «Das sind Topleute. Alle sind hoch motiviert.» Die 14 Angehörigen des Zivilschutzes kümmern sich um die Administration und Einweisung. «Für uns ist das eine riesige Entlastung», sagt Wopmann. Im leuchtend gelben T-Shirt sticht er heraus im geschäftigen Treiben, steht geduldig Red und Antwort.

Die zentrale Lage sowie der Pavillon, der über die geeignete Infrastruktur verfügt, seien beste Voraussetzungen für das Impfzentrum, sagt der Standortleiter. Die Kapazitäten in Windisch könnten problemlos weiter ausgebaut werden, fügt er an. Es bestehe die Möglichkeit, einen weiteren Trakt in Betrieb zu nehmen oder eine Sechs-Tage-­Woche einzuführen. Auf diese Weise könnten dann täglich bis zu 1000 Personen geimpft werden – was diesen Impfstandort zum grössten im Aargau werden liesse. Allerdings, so Wopmann, könne derzeit nur so vielen Interessierten ein Termin angeboten werden, wie auch Impfstoff vorhanden sei. Dieser stammt von Hersteller Pfizer/Biontech. Gut möglich sei, sagt der Standortleiter, dass in ein paar Tagen derjenige von Moderna verwendet werde.

Einer brachte Nussgipfel für das ganze Team mit

Den Impfwilligen indes scheint dies egal zu sein. Sie sind in erster Linie froh über den Termin. Einer habe gleich für das ganze Team Nussgipfel vorbeigebracht, sagt Wopmann. «Die gute Stimmung ist ansteckend, die Leute machen es uns einfach.» Diese Aussage bestätigen David Henzmann, Gesamteinsatzleiter, sowie Nico Süss, Einsatzleiter in Windisch, von der Zivilschutzorganisation (ZSO) Brugg Region. «Es kommt sehr viel zurück.» Als Angehörige des Zivilschutzes hätten sie sich gefreut auf diesen Einsatz. Es bestehe die Gelegenheit, eine sinnvolle Aufgabe zu erfüllen und Teil zu sein eines nicht alltäglichen, fast schon geschichtsträchtigen Ereignisses.

In der Mittagspause kehrt für kurze Zeit etwas Ruhe ein im Pavillon, der Parkplatz hinter der Dorfturnhalle leert sich. Diesen stellt die Gemeinde übrigens als temporäre Lösung kostenlos zur Verfügung, bis eine quartierverträgliche Lösung für die Erschliessung und die Parkierung gefunden und installiert werden kann.