Lockerungen
Die Aargauer Gastronomen sind enttäuscht, den Kinos fehlen die Filme und ein kleines Theater in Baden freut sich zu spielen

Der Bundesrat stellte diverse Lockerungsmassnahmen in Aussicht. Gastronomen und Kinobetreibern bringen die geplanten Öffnungen zunächst einmal wenig. Und auch in der Kultur bleibt das grosse Aufatmen aus.

Zara Zatti
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Vielleicht darf man bald wieder ins Kino: Doch ob dann auch etwas läuft, ist nicht sicher.

Vielleicht darf man bald wieder ins Kino: Doch ob dann auch etwas läuft, ist nicht sicher.

Sandra Ardizzone

An der Medienkonferenz von heute Nachmittag stellte der Bundesrat weitere Lockerungsschritte in Aussicht, doch ist unklar, wann diese in Kraft treten. In einem nächsten Schritt sollen Restaurants und Bars ihre Terrassen aufmachen dürfen. Auch im Sport- und Kulturbereich wurden Lockerungen präsentiert: Im Freien, etwa an Fussballspielen oder Open-Air-Konzerten, sollen 150 Personen zusammenkommen dürfen. Im Innenraum, zum Beispiel in Kinos, Theatern oder an Konzerten sollen neu wieder bis zu 50 Personen zugelassen sein. Dabei gilt eine Sitzpflicht, die Maske muss immer getragen, und der Abstand eingehalten werden.

Gesundheitsminister Alain Berset betonte vor den Medien, dass die beschriebenen Lockerungen noch nicht feststehen: «Die Lage ist sehr fragil und verändert sich schnell.» Wenn es die epidemiologische Situation erlaube, sollen die Lockerungen bereits am 22. März in Kraft treten. Die vorgeschlagenen Lockerungen gehen jetzt in die Konsultation bei den Kantonen, in einer Woche will der Bundesrat definitiv entscheiden, wann und wie es weitergeht.

«Die Pressekonferenz von heute gibt mir null Planungssicherheit»

Bundesrat Guy Parmelin mahnte zur Geduld. Doch die Geduld ist bei Willy Nyffenegger vom Seehotel in Hallwil am Ende. Er glaubt nicht daran, dass die Terrassen schon am 22. März wieder aufgehen können. Und auch wenn, sei es nur ein Zückerchen, das nichts bringt: «Die Skisaison ist vorbei und der Sommer noch nicht wirklich da. Da bringt es den Gastronomen wenig, wenn sie die Aussenbereiche öffnen dürfen.» Er fühlt sich vom Bundesrat im Stich gelassen: «Die Pressekonferenz war wieder sehr unklar, das gibt mir null Planungssicherheit und die Arbeitslosenzahlen steigen immer weiter.»

Auch Stefan Villiger von der Alpwirtschaft in Horben ist enttäuscht von der Aussicht des Bundesrates: «Ich habe gehofft, dass wir nach Ostern den Betrieb unter Restriktionen wieder aufmachen können. Doch nach der Pressekonferenz von heute glaube ich nicht mehr daran.» Ob sie ihre Terrasse öffnen, wenn sie dann dürfen, weiss Villiger noch nicht. Doch auch wenn: «Kostendeckend wird das auf jeden Fall nicht sein, da kann man genau so gut zu bleiben.»

Kinos haben keine Filme, die sie zeigen können

Ab dem 22. März sollen auch Kinos ihre Türen wieder öffnen dürfen, jedoch gilt eine Beschränkung auf maximal 50 Personen und maximal einen Drittel des Veranstaltungsortes. Es gilt eine Sitzpflicht und die Maske muss immer getragen werden. Zwischen den Besucherinnen und Besuchern muss jeweils ein Abstand von 1,5 Meter eingehalten oder ein Sitz freigelassen werden.

Bruno Arnold und seine Frau Isabelle sind Geschäftsführer des Kinos Cinepol in Sins. «Grundsätzlich freuen wir uns natürlich darüber, dass wir wieder aufmachen und arbeiten können», sagt Bruno Arnold auf Anfrage. Doch der mögliche Schnellstart in zehn Tagen bringe ihnen nicht viel: «Das Problem sind nicht die Beschränkungen oder die Abstandsregeln, sondern dass wir so kurzfristig gar keinen Film haben, den wir zeigen könnten.»

Bruno Arnold, Geschäftsführer des Cinepol Sins.

Bruno Arnold, Geschäftsführer des Cinepol Sins.



Eddy Schambron

Der Schweizer Markt sei klein und von Deutschland und Österreich abhängig: «Erst wenn die beiden Länder ihre Kinos wieder aufmachen, kommen die Produktionen rein. Das heisst, dass wir die ersten zwei bis drei Wochen nur alte Filme zeigen können, die wir im Herbst bereits gezeigt haben.» Frühestens in den ersten zwei Aprilwochen könne man mit neuen Filmen rechnen.

Für die Theater gelten die gleichen Spielregeln wie für Kinos. Die Säle dürften also nicht gefüllt werden. Stella Palino betreibt das Teatro Palino in Baden. Maximal kann sie 50 Gäste bespielen, unter den neuen Voraussetzungen wären es dann noch etwa 15. Ihre Erleichterung über die in Aussicht gestellten Lockerungen ist zwar nicht riesig, doch sie würde sich trotzdem über die Möglichkeit freuen, wieder öffnen zu dürfen: «Wir spielen auch für 15 Personen.» Auch wenn noch unklar ist, wann sie wieder öffnen dürfen, haben sie bereits für April Vorstellungen geplant.