Asylwesen
Das Kantonsspital Aarau wollte keine Asylbewerber

Bereits im Mai sprach sich das Kantonsspital Aarau gegen eine Asylunterkunft aus. Vor allem die sehr schlechten Erfahrungen von 2001 und 2002, als das KSA bereits einmal eine Unterkunft stellte, führten zu dieser Einstellung.

Adrian Hunziker
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Hier in der Gops würden die Asylbewerber im Notfall unterkommen. ahu

Hier in der Gops würden die Asylbewerber im Notfall unterkommen. ahu

Anfang September wurde bekannt, dass der Kanton ein Notfallszenario vorsieht, wenn die Aufnahmekapazitäten in den bestehenden Flüchtlingsunterkünften ausgeschöpft sind: Die dem Kanton neu zugewiesenen Asylbewerber werden in der geschützten Operationsstelle des Kantonsspitals Aarau (KSA), kurz Gops, untergebracht. Das KSA wusste schon länger von den Plänen des Kantons. In einem Brief an Mark Burkhard, Generalsekretär des Departements Gesundheit und Soziales, zeigte die Spitalleitung bereits im Mai 2011 auf, wieso in ihren Augen eine Asylunterkunft in der Gops nicht vertretbar sei.

Die Gops war bereits 2001 und 2002 als Asylunterkunft genutzt worden. Vor allem die sehr schlechten Erfahrungen von damals verleiteten die Spitalführung zum Brief an den Kanton. «Lärmimmissionen und Verwüstungen sind das eine. Vollzogene und versuchte Vergewaltigungen, unzählige Bedrohungen und Belästigungen sowie Einbrüche und Diebstähle hingegen sind Delikte, die wir auf unserem Areal nie wieder erleben wollen», hiess es in dem Brief.

Noch kein Zaun vorhanden

Zudem wurde moniert, dass die Asylbewerber nicht genügend von den Mitarbeitenden des KSA und den Patienten abgegrenzt seien. So würden sich ohne Zaun sowie mit einer permanenten Überwachung und einer rigiden Zutrittskontrolle die Zustände von vor zehn Jahren wiederholen. «Eine Inbetriebnahme der Gops würde auch unserem guten Ruf als KSA schaden», schrieb die Spitalleitung. Denn eine Asylunterkunft brächte Unsicherheit und Angst in einen Bereich, der es am wenigsten brauchen könne.

Auch die Wohnsituation rund um die Gops hat sich in den letzten zehn Jahren stark verändert. Damals existierten die Wohngebäude gegenüber dem Gops-Eingang noch nicht. «Der Zugang zur Gops ist heute noch stärker in das Wohnquartier und die Spitalzone eingebettet», erklärte die Spitalleitung.

Zu guter Letzt machte die Spitalleitung im Brief auf bauliche Massnahmen aufmerksam. Die Abschirmung des Areals, die Outdoor-Küche und andere Massnahmen würden ein Baubewilligungsverfahren notwendig machen.

24-Stunden-Sicherheitsdienst

Der Brief fruchtete bisher nicht. Der Kanton behält sich weiterhin vor, die Gops im Notfall als Asylunterkunft zu benutzen. Auf eine Anfrage zur aktuellen Situation antwortete das Kantonsspital Aarau mit einer Stellungnahme. Auf direkte Fragen könne und wolle man beim KSA derzeit nicht eingehen, hiess es.

Das KSA liess verlauten, dass für die Unterbringung und Betreuung der Asylsuchenden sowie für den Unterhalt und die Bewirtschaftung der Räumlichkeiten der Kantonale Sozialdienst (KSD) zuständig sei. Aufgrund der Erfahrungen von 2001/2002 sei zwischen dem KSA und dem KSD eine detaillierte Vereinbarung geschlossen worden. «So wird für die Sicherheit der Mitarbeitenden, Patienten, Angehörigen, Besucher und umliegenden Anwohner durch einen 24-Stunden-Sicherheitsdienst, Absperrungen, Personenkontrollen etc. gesorgt werden», hiess es in der KSA-Stellungnahme weiter.

Sicherheitsfragen, die den Betrieb der Unterkunft, das Spitalareal sowie die angrenzenden Quartiere betreffen, würden gemeinsam mit der Polizei und Dritten geklärt.

Zu weiteren Anliegen wollte sich das KSA nicht äussern. Zudem sei zum heutigen Zeitpunkt ja noch nicht klar, ob und wann das KSD die Gops als Asylunterkunft benötige, hiess es abschliessend.