Horner

Das lange Warten am «Horner»

Die Hendschiker Daniel Lüem (links) und Paul Baumann haben das Lachen noch nicht verlernt.

Die Hendschiker Daniel Lüem (links) und Paul Baumann haben das Lachen noch nicht verlernt.

Ein Gerücht besagt: Die Barriere am «Horner» in Hendschiken bleibt pro Tag 18 Stunden geschlossen. «Der Sonntag» machte sich selbst ein Bild. Die Barriere am «Horner» zwischen Lenzburg und Hendschiken scheint fast konstant geschlossen

Ein Selbstversuch während der Hauptverkehrszeiten brachte Folgendes zutage: Zwischen 16.45 und 17 Uhr fuhren drei Güterzüge und ein Personenzug am «Horner» vorbei. Die Barriere war währenddessen im Minimum zur Hälfte der Zeit geschlossen.

«200 bis 300 Züge passieren diesen Bahnübergang pro Tag. Die meisten davon – etwa 140 – sind Güterzüge, die zwischen 21 Uhr abends und 4 Uhr morgens durchfahren», versucht Lea Meyer, SBB-Mediensprecherin, einen Einblick zu geben. Zu Hauptverkehrszeiten fahren zudem rund 8 Personenzüge stündlich vorbei, zu Nebenverkehrszeiten sind es deren 4. Doch wie lange bleibt die Bahnschranke geschlossen, wenn ein Zug durchfährt?

«Wie lange eine Schranke unten bleibt, ist gesetzlich geregelt. Dabei steht die Sicherheit an erster Stelle», erklärt Meyer. Konkret heisst das: Ein Zug hat einen langen Bremsweg. Daher braucht es für den Lokführer ein «Vorsignal», welches ihm zeigt, was am dazugehörenden Hauptsignal signalisiert ist. Ein solches Vorsignal ist meist mehrere hundert Meter vom Hauptsignal entfernt – je nach Topografie. So vergehen insgesamt 23 Sekunden, bis der Bahnübergang vollständig gesichert ist. Folgen zwei Züge kurz hintereinander, bleibt die Barriere während der ganzen Zeit unten. So bleiben die Schranken bis zu 10 Minuten am Stück geschlossen.

«In der Nacht wartet man schon mal 25 Minuten, bis sich die Schranken wieder öffnen», sagt Daniel Lüem, FDP-Grossrat und Gemeindeammann von Hendschiken. Er selber habe es sogar schon mal erlebt, dass er 35 Minuten an der Barriere stehen musste, meint der Unternehmer. Er besitzt einen Getränkemarkt am «Horner». «Für ‹Gewerbler›, die jeden Tag über diesen Bahnübergang fahren müssen, ist die ganze Situation mühsam. Aber die meisten Hendschiker wollen keine Über- oder Unterführung», so der Gemeindeammann. «Wenn wir eine Unterführung hätten, gäbe es Mehrverkehr für Hendschiken, und das will niemand», bestätigt Paul Baumann, Besitzer des Restaurants Horner.

Wer nun meint, die Autos stauen sich wegen des häufig geschlossenen Bahnüberganges zurück bis nach Lenzburg, der sieht sich getäuscht. «Die Autofahrer sehen schon von weitem, ob die Barriere geschlossen ist. So können sie die Situation über Dintikon umfahren», so Lüem. Zu Stosszeiten geraten die Autofahrer dafür in den Stau am Dintiker Kreisel. Denn auf der Strecke Lenzburg-Wohlen fahren täglich rund 25000 Autos durch. «Durch Hendschiken ist es nur etwa ein Zehntel, also rund 2000 Fahrzeuge», fügt Baumann an.

Dass sich die Lage am Horner Bahnübergang in nächster Zukunft ändert, ist unwahrscheinlich. «Dem Infrastruktur-Verantwortlichen sind keine Beschwerden bekannt, auch nicht von politischer Ebene. Daher sind keine Änderungen geplant», schaut Meyer nach vorne. So werden die Schranken auch in Zukunft häufig geschlossen bleiben. 18 Stunden sind zwar nicht ganz realistisch, aber bis zu 10 Stunden pro Tag sind durchaus denkbar – je nachdem, wie viele Güterzüge unterwegs sind. «Es ist kein Geheimnis, dass immer mehr Züge fahren», sagt Meyer abschliessend. «Viele Hendschiker sind glücklich mit der Barriere, denn dank dieser gibt es keinen Querverkehr durchs Dorf», kann Lüem der Situation aber doch noch Positives abgewinnen.

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