Petra Prévôt
Diese 39-Jährige ist der einzige weibliche Feuerwehrinstruktor im Aargau: «Man weiss nie, was einen da draussen erwartet»

Petra Prévôt hat sich ganz der Sache der Feuerwehr verschrieben. Neu ist sie auch Chef Maschinisten der Ortsfeuerwehr Gebenstorf-Turgi mit 95 Freiwilligen. Brände sind nur noch ein Teil der Arbeit.

Ursula Burgherr
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Petra Prévôt aus Windisch wurde zum Chefmaschinisten der Feuerwehr Gebenstorf-Turgi ernannt. Fotografiert am 20. Januar 2021.

Petra Prévôt aus Windisch wurde zum Chefmaschinisten der Feuerwehr Gebenstorf-Turgi ernannt. Fotografiert am 20. Januar 2021.

Sandra Ardizzone

In voller Ausrüstung steht Petra Prévôt vor dem roten Tanklöschfahrzeug. Brandschutzhose und Jacke tragen das Emblem der Feuerwehr Gebenstorf-Turgi, die Stiefel sind mit Stahlkappen verstärkt. Beinahe zierlich wirkt sie vor dem massigen Fahrzeug, umso deutlicher spürt man die Kraft und Entschlossenheit der 39-Jährigen, die sich ganz der Sache Feuerwehr verschrieben hat. Prévôt ist Chef Maschinisten der Ortsfeuerwehr Gebenstorf-Turgi mit 95 Freiwilligen (davon 13 Frauen). Die studierte Juristin ist zudem der einzige weibliche Feuerwehrinstruktor im Kanton Aargau.

Sprachlich gesehen ist die Feuerwehr maskulin, Frauen nutzen die gleichen Bezeichnungen wie ihre männlichen Kollegen. Instruktor Petra Prévôt hält nichts von der Frauenquote und macht das auch deutlich:

Ich mache meinen Job, weil ich ihn liebe.

Als sie 2007 auf den Bözberg zügelte, trug man ihr bei einem Quartierfest an, der Feuerwehrsanität beizutreten. «Das mit den Schläuchen und Leitern sagte mir nichts», erinnert sie sich schmunzelnd, «aber den Grundkurs musste ich machen - natürlich mit Schläuchen und Leitern». Von der Materie fasziniert, fing sie bald mit der Weiterbildung an: Atemschutz, Gruppenführer, Offiziersausbildung. 2018 wurde sie Schweizerischer Feuerwehrinstruktor bei der Aargauischen Gebäudeversicherung.

Bild von Petra Prévôt in der Instruktoren-Kleidung vor dem Magazin der Feuerwehr Brugg 2017.

Bild von Petra Prévôt in der Instruktoren-Kleidung vor dem Magazin der Feuerwehr Brugg 2017.

Sandra Ardizzone

Von der Staatsanwaltschaft zur Feuerwehr

Petra Prévôt studierte Jura in Basel, arbeitete als Untersuchungsrichterin beim Bezirksamt Aarau und als Assistenz-Staatsanwältin bei der Staatsanwaltschaft Lenzburg-Aarau. Mittlerweile ist sie stellvertretende Generalsekretärin der «Feuerwehr Koordination Schweiz» (FKS), die als eigene öffentlich-rechtliche Körperschaft für das hoheitliche Feuerwehrwesen der Schweiz und des Fürstentums Liechtenstein zuständig ist.

Sie vertritt einerseits die gemeinsamen Interessen der kantonalen Feuerwehrinstanzen gegenüber Bundesstellen. Andererseits schafft sie die Grundlagen für die Zusammenarbeit der Kantone in allen Feuerwehrbelangen von gesamtschweizerischem Interesse. Dies wird dadurch erreicht, dass die FKS die Feuerwehrinstruktoren für die ganze Schweiz und das Fürstentum Liechtenstein ausbildet. Die FKS stellt mit ihren Reglementen und Handbüchern auch die Ausbildungsgrundlage für alle Feuerwehrleute zur Verfügung.

Petra Prévôt in Vollmontur.

Petra Prévôt in Vollmontur.

Sandra Ardizzone

Brände sind nur noch ein Teil der Arbeit

Statistisch gesehen machen Brände nicht mehr das Kerngeschäft aus. Verkehrs- oder Chemieunfälle, Katzen im Baum, Wasser im Keller, Fehlalarme; was auch immer hinter einem Alarm steckt: «Wir kommen», bekundet Prévôt. Während der Schneefälle Mitte Januar befand sich die Feuerwehr Gebenstorf-Turgi 16,5 Stunden pausenlos im Einsatz. Bei Brandeinsätzen war sie oft selber dabei. Auch als Oberleutnant lässt sie sich noch gerne in die Mannschaft einteilen. Sie sagt:

Ich will die Praxis nicht verlieren.

Mit dem Tod war sie in ihrer neuen Funktion noch nicht konfrontiert, anders als in ihrem ehemaligen Job bei der Staatsanwaltschaft.

Petra Prévôt ist aktuell der einzige weibliche Chef Maschinist im Kanton. In ihrer Funktion trägt sie die Verantwortung, dass das Maschinistenteam gut ausgebildet ist. «Mein Vorgänger Philipp Herzog hat mir eine tadellose Abteilung hinterlassen», stellt Prévôt fest. Das grössere Problem ist derzeit die Corona-Pandemie:

Wir durften lange nicht üben und müssen nun gewisse Automatismen wieder trainieren. Im Ernstfall hängen Leben davon ab.

Mittlerweile durfte die Feuerwehr ihre Übungen wieder aufnehmen. „Man weiss nie, was einen da draussen erwartet“, sagt Petra Prévôt und scheint für alles gerüstet.

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