Landwirtschaft
Ein Fricktaler Obstbauer wendet sich der Whiskybrennerei zu

Die Landwirtschaft ist ein hartes Pflaster. Das musste auch Ruedi Käser erfahren. Aus wirtschaftlichen Überlegungen kehrt der Aargauer der Schnapsbrennerei den Rücken zu und stellt jetzt Whisky her.

Roman Schenkel
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Der Whiskybrenner

Der Whiskybrenner

Aargauer Zeitung

Wer in der Schweiz Whisky brennt, der muss ein glühender Fan des schottischen Nationalgetränks sein. Nicht so der Schnapsbrenner Ruedi Käser (52). «Eigentlich bin ich gar kein Whiskyfan», gibt er unumwunden zu. Zum Whiskybrenner sei er vor allem aus einer wirtschaftlichen Überlegung geworden.

Ursprünglich hatte sich der gelernte Obstbauer auf die klassischen Schweizer Schnäpse spezialisiert – Birnen, Zwetschgen und Äpfel. Es gibt nicht viele Obstsorten, welche der Schnapsbrenner nicht zu Hochprozentigem verwandelt hat. 1998 wurde er zum besten Schnapsbrenner der Schweiz erkoren, 2002 zum besten Edelbrenner Europas. Bis jetzt hat ihm dies kein anderer Schweizer nachgemacht.

Obstbrand weniger gefragt

Doch der Markt für die klassischen Schnäpse in der Schweiz wird kleiner: «Die Obstbrand-Generation in der Schweiz stirbt langsam aus», sagt Käser. Immer weniger Leute würden Zwetschgen oder Williams trinken. Diese Entwicklung zeige sich auch im Detailhandel, wo die Verkaufsfläche für Obstbrand immer kleiner wird. Globus zum Beispiel habe die betreffende Fläche innert kurzer Zeit um mehr als 70 Prozent reduziert.

Auf der Suche nach einem neuen Produkt sei er auf Whisky gestossen. Das schottische Nationalgetränk lasse sich gut vermarkten. «Whisky ist bei den Leuten sehr gefragt», so Käser. Und auch die Wertschöpfung sei viel höher als bei anderen Destillaten. Seit dem Jahr 2002 brennt Käser Whisky – er war einer der ersten Schweizer, die sich daran versuchten. Dass es nicht schon länger Schweizer Whisky gibt, hat einen einfachen Grund: Erst seit 1999 ist es in der Schweiz erlaubt. Zuvor war es aufgrund eines Gesetzes aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs verboten, Getreide – für Whisky wird Gerste verwendet – und Kartoffeln zu brennen.

Heute, zehn Jahre nach der Liberalisierung, werden in der Schweiz gegen 60000 Liter Whisky hergestellt – immer noch wenig im Vergleich zu den rund 45000 Hektolitern importiertem Whisky. Neben Käser stellen etwa 20 Obstbrenner hierzulande Whisky her.

Ein Whiskeyschloss im Aargau

In Elfingen im aargauischen Fricktal hat sich Käser eine kleine Destillerie aufgebaut – das «Whisky Castle». In den kupfernen Brennkesseln brennt Käser inzwischen 18 verschiedene Whiskysorten, die im Keller in alten Eichenholz-, Sherry- oder Portweinfässern lagern. «Wir haben viel in den Aufbau unserer Marke investiert.» Mit Erfolg: Kürzlich war Käser auf dem Titelbild einer amerikanischen Fachzeitschrift abgebildet. Selbst die «New York Times» hat schon über ihn berichtet. Und auch die Verkaufszahlen stimmen: «Wir haben einen Whiskyboom erlebt», sagt Käser.

Seit einem Jahr ist Käser mit einem Laden in der Markthalle im Viadukt in Zürich präsent. «Langsam fassen wir Fuss», so Käser. Der Whisky und die Delikatessen aus der Provinz –Teigwaren, Gemüse, Senf, Essig und Wein – kämen bei der urbanen Kundschaft sehr gut an. Selbst im Ausland wird der Aargauer Whisky inzwischen verkauft. In Deutschland, China und Holland vertreibt Käser seinen Whisky via Partner. «Allerdings macht das Auslandgeschäft zurzeit keine Freude.» Der starke Franken erschwere den Verkauf des starken Getränks.

Trotz der Schwierigkeiten im Export: Für Ruedi Käser besteht die grösste Herausforderung darin, das Wachstum – im ersten Halbjahr 2011 waren es bis zu 50 Prozent – in den Griff zu bekommen. Käser ist deshalb froh, seine Söhne Michael (23) und Raphael (21) mit an Bord zu haben. «Die nächste Generation bringt ihre Sichtweise ein und bestimmt die Zukunft mit.» Beide sind gelernte Winzer, die schon ihren eigenen Wein kreiert haben. Mit dem Einbezug der beiden Junioren ist auch das Fehlen des Whiskyfans aus der Welt geschafft. «Mein Sohn Raphael ist ein richtiger Whiskypajazzo», sagt Käser.

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