Eine Perspektive trotz Coronavirus

Mit ihrer Firma kümmert sich Helene Hartmann um Langzeitarbeitslose – sie kann weiterhin Erfolge vermelden.

Larissa Gassmann
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Helene Hartmann sorgt für den erfolgreichen Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Helene Hartmann sorgt für den erfolgreichen Wiedereinstieg ins Berufsleben.

Bild: zVg/alphafoto.com

Tag für Tag verlieren Menschen auf Grund der Coronakrise ihren Job. Ende März wurden im Kanton Aargau 11396 Personen als arbeitslos gemeldet. Nicht wenige davon dürften irgendwann auf Helene Hartmann treffen. Im Auftrag von dreizehn Aargauer Gemeinden kümmert sich ihre in Wettingen ansässige Firma Hartmann Arbeitsintegration & Coaching um langzeitarbeitslose und von der Sozialhilfe abhängige Menschen. Dank Schnupper- oder Lehrstellen sowie Praktika werden ausgesteuerte Personen wieder an den Arbeitsmarkt herangeführt.

Selbst wenn zur Zeit kaum Vorstellungsgespräche und Schnuppertage möglich sind, geht ihr die Arbeit nicht aus. «Noch immer reichen wir bei uns bekannten Firmen Dossiers ein. Alles, was wir im Moment erledigen können, wird aufgegleist», sagt Hartmann. Gezielt geht ihr Team auf Firmen zu, die in Zeiten der Pandemie personell gefordert sind. So ist es ihr gelungen, eine Klientin an ein Altersheim zu vermitteln, in dem diese mit Option auf Festanstellung als Reinigungskraft einspringen kann. Fruchtend ist auch die Zusammenarbeit mit langjährig bekannten Firmen, die Hartmann aus Diskretionsgründen nicht mit Namen nennt. Selbst in Zeiten wie diesen werden noch Verträge unterschrieben. So konnte ein 52-Jähriger nach einem bezahlten Praktikum in der Baubranche einen auf den 1.Mai datierten Festvertrag unterzeichnen. Glück hatte auch die 28-jährige Marie (aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes wird auf eine vollständige Namensnennung verzichtet). Obwohl die vom Bund getroffenen Massnahmen eine Schnupperwoche verunmöglicht haben, darf die alleinerziehende Mutter im Sommer eine Lehre bei einem Detailhändler antreten. «Gerade als alle Läden zumachen mussten, hätte meine Schnupperwoche stattgefunden. Nachdem diese abgesagt werden musste, habe ich fest damit gerechnet, dass alles ins Wasser fällt», sagt Marie. Umso überraschender kam die vor zwei Wochen erhaltene Zusage. Im vor der Coronakrise stattgefundenen Vorstellungsgespräch konnte Marie derart überzeugen, dass ihre künftige Ausbildnerin über die fehlende Schnupperlehre hinwegsah.

Persönliche Coachings stärken die Klienten

Zu verdanken hat Marie dies nicht zuletzt Helene Hartmann. Immer wieder hatte diese ihr in den wöchentlich stattfindenden Gesprächen den Rücken gestärkt. Statt vor Ort werden die se persönlichen Coachings nun per Telefon oder Skype durchgeführt. Auch sonst haben die Coaches immer ein offenes Ohr. Nicht nur in dieser aussergewöhnlichen Situation wird sichtbar, wie wichtig Ansprechpersonen sind. «Wir merken, dass bei den Klienten nach der Aussteuerung und in dieser wirtschaftlich schwierigen Zeit vieles hervorbricht. Negative Erlebnisse und Ängste, die sie mit sich tragen und nicht verarbeitet haben», sagt Hartmann.

Oft finden die Sozialhilfebezüger nur mit Unterstützung eine Anstellung. Eine fehlende Grundausbildung oder fortgeschrittenes Alter erschweren die Stellensuche. Trotz Krise hofft Hartmann, dass auch kleinere Firmen weiterhin mit ihr zusammenarbeiten. Schliesslich dürfte die Anzahl ihrer Klienten kaum abnehmen. Selbst wenn die Taggelder auf Grund der aussergewöhnlichen Situation für anspruchsberechtigte und beim RAV gemeldete Personen um weitere 120 Tage verlängert wurden, wird der eine oder andere wohl in die Sozialhilfe abrutschen. «Wer kurz vor der Aussteuerung stand, hat jetzt noch ein bisschen Zeit, aber wir werden sicherlich mehr Anfragen bekommen. Uns wird die Arbeit nicht ausgehen.»

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