EM 2020
Am Ende siegt der Stolz über die Enttäuschung: So erging es den Schweizer Fans in Baden

Die Schweizer Nati kämpfte bis zum Schluss gegen Spanien - und so auch ihre Fans am Public Viewing in Baden. Am Schluss flossen sogar ein paar Tränen, aber: Ein Sommermärchen, war es dennoch ein bisschen.

Zara Zatti
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Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.
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Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.
Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.
Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.
Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.
Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.
Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.

Fans beim Public Viewing zum Viertelfinalspiel Schweiz - Spanien an der Euro 2020, am 2. Juli 2021 in der Triebguet Frischluftbar Baden.

Severin Bigler / ©

Am Ende flossen die Tränen und es herrschte riesengrosse, bittere Enttäuschung. Als die Spanier den letzten Penalty versenken, gibt es einen kurzen Moment der Ruhe am Public Viewing in der Frischluftbar in Baden. Die Fassungslosigkeit lässt sogar die Rufe der Enttäuschung verstummen. Zu gross war die Hoffnung, welche die Schweizer Mannschaft den Fans in den zwei Stunden Spiel gegeben hatte. Dennoch wird es ein unvergesslicher Abend bleiben – nicht nur in Baden.

Schon den ganzen Tag lag eine gewisse Spannung in der Luft. Zum ersten Mal seit 67 Jahren standen die Schweizer wieder in einem Viertelfinal. Bereits Stunden vor dem grossen Spiel sah man in Baden weiss-rot: Fahnen, T-Shirts, Masken mit dem Schweizer Logo überall. Weil sich niemand alleine freuen wollte, falls man denn tatsächlich ins Halbfinal einziehen sollte, versuchten viele in einem Public Viewing unter-
zukommen. Doch diese waren schon Tage im Voraus ausgebucht.

Wer nicht reserviert hatte im Public Viewing, der hatte keine Chance

Um 15 Uhr hatte sich vor dem Biergarten schon eine Schlange gebildet, obwohl dieser noch nicht einmal geöffnet war. «Die Nervosität hält sich noch in Grenzen», sagte die 22-Jährige Aline aus Brugg. Weil sie keinen Tisch reserviert haben, kamen sie und ihre Freunde extra früh, um noch einen Platz zu ergattern.

Die Gruppe zeigte sich, wie die meisten Befragten, vorsichtig optimistisch: «Nach Frankreich haben sie Blut geleckt, jetzt wollen sie mehr», sagte der 28-jährige Dami aus Niederrohrdorf. Doch die Schweizer Fans blieben noch zurückhaltend: Sie wissen, dass auch Spanien ein starker Gegner ist.

Dieses Mal halten die Fans zur Nati

Kaum hat das Spiel begonnen, es sind erst acht Minuten gespielt, stockt den Zuschauern in der Frischluftbar zum ersten Mal der Atem: Die Spanier legen mit dem 1:0 vor. Doch anders als beim Spiel gegen Italien bleiben die Schweizer Fans zuversichtlich, glauben an ihre Mannschaft. Der grosse Kampf gegen die Franzosen ist noch allgegenwärtig, die Menschen wissen jetzt: Die Schweizer Nati, die kann beissen.

Als es zur Halbzeit in die Pause geht, haben die Fussballer in St. Petersburg nicht aufgegeben, und genauso wenig die Zuschauer in Baden. «Bis zur 85. Minute sind wir nicht hoffnungslos», sagt der 24-jährige Luca aus Wettingen. Ganz so überzeugend wie gegen Frankreich würden sie zwar nicht spielen, aber es sei noch nicht vorbei: «Was sie jetzt brauchen, ist mehr Selbstvertrauen und vor allem mehr Ballbesitz.» Die Stimmung ist auch bei Ramon aus Baden getrübt. «Ich glaube, sie sind nervös», sagt der 33-Jährige, «was mir noch fehlt, ist dieses Gefühl: Wir haben nichts mehr zu verlieren.»

Ramon aus Baden gibt sich in der Halbzeit nicht geschlagen.

Ramon aus Baden gibt sich in der Halbzeit nicht geschlagen.

Severin Bigler / ©

Hoffen, Bangen und ein Becherwurf bei den Fans

In der zweiten Halbzeit gibt die Nati den Fans die Hoffnung zurück: Shaqiri schiesst das Tor zum Ausgleich. Die Emotionen kochen hoch und ein Fan
in der Frischluftbar wirft einen Trinkbecher nach vorne. Das Resultat des Gefühlsausbruchs: Der Bildschirm ist für einige Minuten schwarz, und in der zweiten Halbzeit bleibt die linke Bildschirmseite verpixelt. Der Fan zeigt sich reuig, steht auf und entschuldigt sich für das Missgeschick. Dieses ist denn auch schnell vergessen, denn das Spiel entwickelt sich zu einer Zitterpartie.

Als es in die Verlängerung geht, liegen die Nerven der Fans blank. Doch noch immer überwiegt die Hoffnung: «In der Verlängerung können wir das Spiel zu unseren Gunsten kippen», sagt Marco aus Villmergen. Der 24-jährige ist ein Fan mit vollem Körpereinsatz. Als die Schweiz im Achtelfinal am Montag gegen Frankreich 1:3 im Rückstand liegt, gibt er ein Versprechen ab: Sollte die Schweiz weiterkommen, will er sich die Haare platinblond färben - so wie Xhaka und Akanji. Marco musste sein Versprechen einlösen.

Die Fans kurz vor der ersten Halbzeit. In der Mitte im Zuber-T-Shirt ist Marco mit den blonden Haaren zu sehen.

Die Fans kurz vor der ersten Halbzeit. In der Mitte im Zuber-T-Shirt ist Marco mit den blonden Haaren zu sehen.

Severin Bigler / ©

In der Verlängerung können sich viele Fans nicht mehr auf dem Stuhl halten, mehrere Male dreht sich jemand weg, weil er die Spannung nicht mehr aushält. Der grosse Star der Verlängerung ist der Goalie Yann Sommer: Bei jedem gehaltenen Ball der Spanier brandet Applaus unter den Zuschauern auf, irgendwann stimmen sie sogar ein Sommer-Liedchen an.

Am Ende gibt es Tränen bei den Fans in Baden

Zum Schluss hat alles Hoffen und Bangen nichts gebracht: Die Schweizer fliegen beim Elfmeter-Schiessen aus dieser EM 2020. In Baden fliessen tatsächlich ein paar Tränen. Doch dieses Mal bleiben die Fans der Nati treu: «Ich bin unglaublich stolz», sagt der 35-jährige Kim aus Wettingen.

«Natürlich habe ich gehofft, dass wir noch eines oder zwei Spiele vor uns haben, aber es war dennoch ein Sommermärchen.»
Enttäuscht aber stolz: Kim aus Wettingen direkt nach dem Aus der Nati.

Enttäuscht aber stolz: Kim aus Wettingen direkt nach dem Aus der Nati.

Severin Bigler / ©

Auch in der Badener Altstadt mischt sich die Enttäuschung mit dem Stolz der Fans: «Es ist sehr schade, aber wir haben es dennoch allen gezeigt», sagen zwei Fans im roten Trikot. Und etwas trotzig:

«In einem Jahr sind wir zurück und können uns beweisen.»

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