Energiezukunft
Aargauer Firma leistet unverzichtbaren Beitrag, aber: «Fernwärme-Potenzial ist weitestgehend ungenutzt»

In einer neuen Werkhalle von Brugg Rohrsysteme in Kleindöttingen warben Spitzenvertreter der Firma sowie der kantonalen und der nationalen Politik für mehr umweltfreundliche Fernwärme. Ihr Potenzial liege noch zur Hälfte brach. Wenn man sie mehr nutze, trage das sehr zur Energiewende bei.

Mathias Küng
Merken
Drucken
Teilen
Stephan Wartmann, CEO von Brugg Rohrsysteme, der Aargauer Landammann Stephan Attiger, der Schwyzer Ständerat Othmar Reichmuth (von links) in einer Werkhalle von Brugg Rohrsysteme in Kleindöttingen.

Stephan Wartmann, CEO von Brugg Rohrsysteme, der Aargauer Landammann Stephan Attiger, der Schwyzer Ständerat Othmar Reichmuth (von links) in einer Werkhalle von Brugg Rohrsysteme in Kleindöttingen.

Alex Spichale

Das Fernwärme-Potenzial in der Schweiz ist weitestgehend ungenutzt. Dies ist die Hauptbotschaft einer Medienorientierung, vorgetragen am Standort einer Firma, die einen unverzichtbaren Beitrag für mehr Fernwärme leisten kann: Brugg Rohrsysteme in Kleindöttingen. Gut isolierten Rohren, welche die Energie möglichst ohne Verluste transportieren, kommt bei der Fernwärmeversorgung nämlich eine Schlüsselrolle zu. Die Brugg Group tue sich hier mit besonderen Innovationen hervor, sagte dazu Stephan Wartmann, CEO von Brugg Rohrsysteme.

«Weltweit beste Wärmeleitfähigkeit»

So weise etwa ihr Calpex Pur-King Rohrsystem «die weltweit beste Wärmeleitfähigkeit auf und trägt so zur Reduktion von CO2 bei». Die prozessübergreifende Software Ritune schliesslich, ein Produkt der Brugg-Tochterfirma Rittmeyer, sorge für ein ständig optimiertes Lastmanagement und eine intelligente Speicher- und Pumpenbewirtschaftung.

So werden die Rohre produziert.

Simone Morger

Bis 40 Prozent Stromeinsparung bei den Prozessabläufen

Damit könne bei den Prozessabläufen von Grossanlagen bis zu 40 Prozent Stromeinsparungen sowie wesentliche Betriebsmittelreduktionen erzielt werden. Je nach Szenario können demnach durch Fernwärme so bis zu drei Millionen Tonnen CO2 eingespart werden, wurde in Kleindöttingen vorgerechnet. Mit diesen Innovationen «made in Switzerland» trage man also wesentlich zu den Klimazielen der Schweiz bei, und damit auch zur energieeffizienten Wärmeversorgung.

Beispiel für Fernwärmeausbau (hier in Sion).

Beispiel für Fernwärmeausbau (hier in Sion).

Brugg Rohrsysteme

Ständerat Othmar Reichmuth (Die Mitte/SZ), Präsident des Verbandes Fernwärme Schweiz, legte dar, wie das Potenzial erschlossen werden könne und warum das für eine CO2-neutrale Wärmeversorgung wichtig ist. Weniger als zehn Prozent trage Fernwärme heute zum gesamten Wärmebedarf der Schweiz bei, sagte Reichmuth.

Schweiz weit hinter Ländern wie Schweden oder Dänemark

Damit liegt die Schweiz im Vergleich mit Ländern wie etwa Dänemark oder Schweden weit hinter den Möglichkeiten, die diese Form der Wärmeversorgung bietet. Nicht nur lassen sich mit Fernwärme grosse Mengen an CO2 einsparen, auch in Bezug auf Wirtschaftlichkeit und Kosteneffizienz schneide die Nutzung von Ab- und Prozesswärme, sehr gut ab.

Fernwärme aus Kehrichtverbrennungsanlagen, Fabriken oder Kläranlagen, schneide sehr gut ab. Sie gehöre zu den wichtigsten Pfeilern effizienter Energieversorgung in. Um das Fernwärme-Potenzial der Schweiz zu erschliessen und das grosse Ziel einer komplett CO2-neutralen Wärmeversorgung bis 2050 zu erreichen, brauche es entsprechende gesetzliche Rahmenbedingungen, forderte Reichmuth:

«Mit dem CO2-Gesetz, über das wir am 13. Juni abstimmen, erhielte der Wärmesektor jene Bedingungen, die er braucht, um die Wärmeversorgung in der Schweiz erneuerbar und emissionsfrei zu gestalten.»

Fernwärme sei darüber hinaus ein Beispiel, wie die Schweizer Industrie von Massnahmen gegen den Klimawandel profitiere. Stephan Wartmann sagt: «Der Klimawandel ist eine enorme Herausforderung, die für die Wirtschaft aber auch Chancen bietet. Wir stellen uns dieser Herausforderung, indem wir intelligente Lösungen entwickeln, die zur Dekarbonisierung beitragen. In der Schweiz und vielerorts auf der Welt.»

Attiger: Für Ziel Netto Null bis 2050 braucht es weitere Massnahmen

Der Aargauer Landammann und Umweltdirektor Stephan Attiger stimmt in diese Aussage ein: «Klimapolitik heisst, Investitionen für die Zukunft zu tätigen – und ist somit nicht nur Umwelt-, sondern auch Innovations-, Energie- und Wirtschaftspolitik.»

Deshalb wolle die Aargauer Regierung kantonale Massnahmen zur Reduktion der Treibhausgase und zur Anpassung an den Klimawandel umsetzen und als Chance für Innovationen nutzen. Um das «Ziel Netto Null bis 2050» zu erreichen, seien aber weitere Anstrengungen nötig.