Heimplatz

«Faire Lösung» für zügelnde Heimbewohner im Aargau

Nach Ansicht des Spreitenbacher Gemeinderates kann nur eine regionale Spitex die stetig steigenden Anforderungen erfüllen.KEYSTONE

Nach Ansicht des Spreitenbacher Gemeinderates kann nur eine regionale Spitex die stetig steigenden Anforderungen erfüllen.KEYSTONE

Ausserkantonales Zügeln Pflegebedürftiger in teurere Kantone manchmal nicht möglich. Der Aargau trennt bei der Pflege klar zwischen KVG-Leistungen und den nicht KVG-pflichtigen Betreuungs- und Pensionskosten.

«Pflegebedürftige dürfen nicht wohnen, wo sie wollen» titelte die Aargauer Zeitung am Mittwoch. Und brachte ein konkretes Beispiel aus Zürich Wiedikon, wo ein Pflegeheimleiter schon mehrere Aargauer abweisen musste, weil man aus dem Aargau für die Zusatzkosten gegenüber dem Herkunftskanton keine Kostengutsprache erhielt.

Meist wechseln Pflegedürftige das Heim aus persönlichen Gründen, um ihren nächsten Angehörigen näher zu sein. Oder wenn sie in eine Pflegestufe kommen, für die das angestammte Heim weniger eingerichtet ist. Wenn jetzt Pflegebedürftige innerhalb des Kantons Aargau zügeln, ist das überhaupt kein Problem, sagt Urs Niffeler, stellvertretender Leiter Gesundheitsversorgung im Departement Gesundheit und Soziales (DGS).

Schwieriger wird es beim Zügeln in ein Heim in einem anderen Kanton, wenn dort die Kosten höher sind als im Herkunftskanton. Wenn sie gleich hoch oder sogar tiefer sind, ist auch das kein Problem. Wenn sie aber höher sind (wie beispielsweise im Kanton Luzern), entrichtet der Aargau beziehungsweise die Herkunftsgemeinde die Kosten, wie sie in einem Aargauer Heim anfallen. Genauso wie bei der neuen Spitalfinanzierung.

Pochen auf Rechtsgleichheit

Der Aargau trennt bei der Pflege klar zwischen KVG-Leistungen und den nicht KVG-pflichtigen Betreuungs- und Pensionskosten. Das wird nicht überall gleich gehandhabt. Es gehe nicht, dass man an ein Heim im Kanton Zürich womöglich gar Betreuung und Pension mitfinanziere, die die Pflegeheimbewohner im Aargau selbst tragen müssten, so Niffeler: «Das könnten wir gegenüber den Tausenden Menschen, die in einem Heim im eigenen Kanton bleiben aus Gründen der Rechtsgleichheit nicht vertreten.»

Die Kantone agieren unterschiedlich. Einige – darunter ZH, GE, TI – stützen sich mit Bezug auf die Niederlassungsfreiheit auf das Zivilgesetzbuch (ZGB), das heisst Wohnsitznahme am Ort des Heimes. Andere – darunter der Aargau – verweisen klar auf das Bundesgesetz über Ergänzungsleistungen zur Alters-, Hinterlassenen- und Invalidenversicherung (ELG). Hier behält man den Wohnsitz der Herkunftsgemeinde vor Heimeintritt.

Dies ist aus Sicht des Kantons eine «konsequente und faire Regelung», die im Rahmen einer vom Aargau einberufenen interkantonalen Arbeitsgruppe grossmehrheitlich gestützt wird. Aufschlussreich: Die Erfahrung zeigt offenbar, dass Kantone, die sich strikt am ZGB ausrichten, tendenziell zu wenig Pflegeplätze haben, weil die Gemeinden in diesem System stärker belastet werden und ein kleineres Interesse haben, ausreichend Plätze bereitzustellen.

Deutlich mehr Zu- als Wegzüger

Der Aargau scheint im Pflegeheimbereich attraktiv. 2009 wohnten 323 Aargauerinnen und Aargauer in Heimen in Nachbarkantonen, und umgekehrt 465 Zuzüger aus Nachbarkantonen im Aargau. Besonders attraktiv ist unser Kanton offensichtlich für Zürcher. 207 der ausserkantonalen Zuzüger in Aargauer Heimen waren Zürcherinnen und Zürcher, während 86 Aargauerinnen und Aargauer in Zürcher Heimen wohnten.

Verwandte Themen:

Meistgesehen

Artboard 1