Niederwil
9 Millionen geboten: Gmeind lehnt Verkauf des Elektrizitätswerk ab

Das Elektrizitätswerk Niederwil bleibt im Besitz der Einwohnergemeinde - und das trotz des Kaufangebots von 9 Millionen Franken von der AEW Energie AG.

Lukas Schumacher
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Wuchtiges Nein in der gut gefüllten Mehrzweckhalle Niederwil; 199 der 1849 Stimmberechtigten besuchten die Sommergmeind.

Wuchtiges Nein in der gut gefüllten Mehrzweckhalle Niederwil; 199 der 1849 Stimmberechtigten besuchten die Sommergmeind.

Lukas Schumacher

Das Elektrizitätswerk (EW) der Gemeinde Niederwil wird nicht verkauft. Wuchtig sprach sich die Sommergmeind gegen die Veräusserung des Werks an die AEW Energie AG aus. 158 Dorfbewohner sagten Nein, 34 waren für den Verkauf und 7 Versammlungsteilnehmer enthielten sich der Stimme. Bei einem Ja hätte das Energieversorgungsunternehmen des Kantons Aargau das EW per 1. Januar 2016 zum stolzen Preis von 9 Mio. Franken erworben. Das schriftliche Kaufangebot der AEW Energie AG wird somit hinfällig.

«Viele Emotionen im Spiel»

Mit Ernüchterung reagierte Gemeindeammann Walter Koch aufs klare Abstimmungsergebnis: «Schade, der Verkauf hätte der Gemeinde finanziell gutgetan, bekanntlich steht die kostspielige Investition in die Erweiterung und Modernisierung unserer Schulanlage an.» Viele Emotionen seien im Spiel gewesen, zudem habe sich die Gegnerschaft mit Herzblut, teils auch mit fragwürdigen Zahlenspielereien gegen die Veräusserung gewehrt, sagte Koch. Nichtsdestotrotz respektiere die Gemeindebehörde selbstverständlich den unerwartet deutlichen Entscheid der Sommergmeind.

«Wir hätten das Geld sehr gut verwenden können, denn in den nächsten Jahren winken nicht nur Investitionen in die Schule», gab der sichtlich enttäuschte Gemeinderat Valentino Benvenutti, der Vorsteher des Finanzressorts, zu verstehen. Schulden anzuhäufen sei ungleich einfacher, als diese wieder abzubauen. Immerhin verspricht aus Sicht der Gemeinde ein Landverkauf im Gebiet Geeren finanziell Linderung. Das Gemeindeland soll zum Preis von rund 4,5 Mio. Franken an die in Künten domizilierte Firma Taracell verkauft werden. Über den Landverkauf stimmen die Einwohner Niederwils im November an der Wintergmeind 2015 ab. Bei einem Verkauf muss das Gewerbeland von der Arbeitszone in die Industriezone umgeteilt werden.

Strompreis kontra Steuerfuss

Vor der Abstimmung zum EW-Verkauf fand eine einstündige Debatte statt. Dabei vernahm man wenig Argumente, die nicht schon mehrfach in Leserbriefen, auf Flugblättern und an einem vorgängigen Informationsanlass der Gemeinde geäussert wurden. Die Diskussion drehte sich um zwei Fixpunkte des Deals: Bei einem Verkauf steigt der sehr günstige Strompreis in Niederwil und sinkt der künftige Gemeindesteuerfuss um 2 Prozentpunkte. Bei einem Nicht-Verkauf bleibt der Strompreis tief und steigt der Steuerfuss um 5 Prozentpunkte.

Ein paar Voten aus der Diskussion: Urs Zimmermann sprach von einer «einmaligen Chance für die Gemeinde zu einem tollen Verkaufspreis». Thomas Peterhans plädierte für die Veräusserung, weil sie «nachhaltig einen tieferen Steuerfuss generiert, was längerfristig die unterdurchschnittliche Steuerkraft in Niederwil verbessert». Kurt Seiler sagte, «das rentable Werk, das seit über 100 Jahren der Gemeinde gehört, sollte nicht verscherbelt werden». Andreas Gratwohl warnte vor «deutlich steigenden Strompreisen». Die weiteren Versammlungsgeschäfte kamen an der Sommergmeind deutlich durch.

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