Mühlau

Aargauer Konstrukteur will Windräder effizienter und günstiger machen

Urs Giger, Maschinenbauer und Windanlagen-Konstrukteur, in seiner Werkstatt in Mühlau.

Urs Giger, Maschinenbauer und Windanlagen-Konstrukteur, in seiner Werkstatt in Mühlau.

Maschinenbauer und Techniker Urs Giger will Windkraftanlagen effizienter und kostengünstiger machen. Denn die Produktion von Windstrom dürfe die Schweiz nicht einfach in die Nord- und Ostsee delegieren, findet er.

Was in der Werkstatt von Urs Giger in Mühlau brummt, könnte das Potenzial haben, die Windenergienutzung zu
revolutionieren. Und nebenbei verkauft der Maschinenbauer, wie er sich selber nennt, auch noch ein spezielles Elektrovelo, weil er es logisch findet, nicht nur umweltfreundlich Strom zu produzieren, sondern ihn auch für die Mobilität zu verwenden.

Computersimulationen sind nicht sein Ding. Der gelernte Maschinenbauer, der später das Technikum in Muttenz absolvierte, will in der Praxis erproben, was in Zukunft laufen soll.

Das sind Windräder, die mehr Leistung bringen und kostengünstiger zu betreiben sind. Deshalb hat Urs Giger, seit der Lehre bei der Waggonfabrik in Schlieren und seiner Berufstätigkeit bei Zahnrad Maag, Zürich, sozusagen verliebt in technische Präzisionsarbeit, an seinem Wohn- und Arbeitsort in Kestenberg nicht nur eine Werkstatt, sondern auch einen Prüfstand eingerichtet.

Mit seinem Start-up-Unternehmen, der GDC Urs Giger GmbH, hat er nichts weniger im Sinn, als die Produktion von Strom aus Wind effizienter zu machen und möglichst Windparks in der Schweiz zu realisieren.

«Wir dürfen die Nutzung erneuerbarer Energie nicht einfach in die Nord- und Ostsee delegieren», sagt Giger. Weil der Wind hierzulande aber nicht so häufig und so stark bläst wie dort, müssten die Windräder optimiert werden.

Generatoren aus dem Autobau

Giger macht das, indem er bis zu zwölf Kleingeneratoren pro Windrad verbaut. Diese Generatoren, die aus dem Elektroautomobilbau stammen, können einzeln geschaltet werden und bringen so einen höheren Wirkungsgrad.

Um geringere Luftströme in Strom umsetzen zu können, müssen die Windanlagen höher werden. Das wiederum wirkt sich bei der Wartung kostenintensiv aus, weil teure Kräne in den Einsatz kommen.

Mit seiner Knickturbine können dieses Krankosten – bis 120 000 Franken pro Tag! – umgangen werden: Die Turbine kann abgeknickt und an dicken Seilen in einem halben Tag für die Wartung auf den Boden gelassen werden.

«Hier kommen mir meine Erfahrungen bei einem Seilbahnbauer zugute», sagt Giger. Schliesslich baut er seine Knickturbine so kurz, dass für die Wartung, anders als bei herkömmlichen Windanlagen, genügend Platz in der Gondel bleibt.

Das macht Wartungsarbeiten 100 Meter über dem Boden kostengünstig, und Austauschteile können im geschützten Turminnern witterungs-unabhängig herabgelassen werden.

Weiter optimiert er, ganz der handwerkliche Maschinenbauer, die Lager. Rotorblätter oder andere Bestandteile einer Windanlage produziert er nicht, sondern überlässt es den erfahrenen Anbietern.

«Ich erfinde das Rad nicht neu», sagt Giger, «ich setze altbewährte Technik und Maschinenbauwissen optimal ein.» Deshalb genügen ihm auch Computersimulationen nicht, er muss die Teile in der Praxis laufen sehen.

Drei Patente

Aus einer Werkstatt kommt nicht einfach warme Luft, Giger ist kein Bastler, sondern ein Techniker mit grossem Know-how und viel persönlicher Energie. Drei Patente hat er schon inne. Die Zusammenarbeit mit namhaften Herstellern, zum Beispiel mit der Brusa Elektronik AG, Sennwald, die Antriebssysteme für Hybrid- und Elektrofahrzeuge herstellt, läuft, und das Interesse ausländischer Windanlagen-Betreiber ist gross.

Verfolgt werden seine Entwicklungen auch von der AEW Energie AG, die zusammen mit anderen Investoren auf dem Lindenberg einen Windpark realisieren will.

«Die Maschinenindustrie blickt in der Schweiz auf eine lange, erfolgreiche Tradition zurück», betont Giger. Er beruft sich, nicht nur wegen seiner beruflichen Wurzeln in der Waggonfabrik und bei Maag, auf den Geist eines Max Maag (1883–1960), einem der Technik-Pioniere jener Zeit, dem es gelang, mit der Entwicklung eines neuen Verzahnungssystems Zahnräder von bis heute unerreichbarer Qualität herzustellen.

«Letztlich müssen wir heute da anknüpfen, damit wir mit der Entwicklung nicht nur Schritt halten, sondern einen Vorsprung herausarbeiten können», betont Giger.

Investoren gesucht

Sein Unternehmen bietet diese Qualität, davon ist Giger überzeugt. Wie zum Beweis nimmt er seinen Prüfstand in Betrieb. Modernste Elektronik, Präzisionswerkzeuge, alte Werkbänke und Aktenschränke noch von der Maag AG, die man wegwerfen wollte, vereinen sich in seiner Werkstatt. Jetzt muss der Unternehmer nur noch Investoren überzeugen, Geld für eine vielversprechende Zukunft lockerzumachen.

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