Wohlen
Aargauerin des Jahres und legendäre Chäber-Wirtin Irma Koch ist 87-jährig verstorben

Irma Koch ist am Mittwochmorgen im Alter von 87 Jahren verstorben. Über ein halbes Jahrhundert wirtete sie im Restaurant Chäber in Wohlen. Ihr Stammtisch war Treffpunkt für alle, von Prominenten bis Randständigen. 2014 wurde sie zur Aargauerin des Jahres gewählt.

Andrea Weibel
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Irma Koch (1929–2017)
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Irma Koch anlässlich der Wahl zur Aargauerin des Jahres 2014.
Landammann Urs Hofmann beim ersten Landammann-Stammtisch der Saison zu Gast im Restaurant Weber Chäber in Wohlen bei der Aargauerin des Jahres Beizerin Irma Koch.
Irma Koch («Chäber») kurz nach ihrem 85. Geburtstag im Herbst 2014 in ihrem Restaurant, das sie seit über 50 Jahren führt. Archiv/az
Landammann Urs Hofmann beim ersten Landammann-Stammtisch der Saison zu Gast im Restaurant Weber Chäber in Wohlen.
2016: Irma Koch stösst sowohl mit ihren alten Stammtischlern als auch mit ihren neuen Mitbewohnern im Casa Güpf auf den Stammtisch an.
Irma Koch (85) hat an ihrem Geburtstag den Kulturpreis für ihr Lebenswerk erhalten.
Irma Koch ist Aargauerin des Jahres 2014 Irma Koch nimmt anlässlich der feierlichen NAB-Gala vom 22. November 2014 von Peter Bühlmann, CEO der NEUEN AARGAUER BANK, den NAB-Award entgegen.
Irma Koch anlässlich der Wahl zur Aargauerin des Jahres 2014
Bei Irma Koch am "Chäber"-Stammtisch.
FDP-Grossrat Thierry Burkart übergibt Irma Koch einen Batzen für die Chäber-Gäste.

Irma Koch (1929–2017)

AZ

Sie war eine Frau, die man in ganz Wohlen und darüber hinaus kannte und gern hatte. Irma Koch, besser bekannt als Chäber, hat ihr Restaurant an der Bremgartenstrasse 4 über ein halbes Jahrhundert lang geführt. Jeden Abend kamen die Stammtischler in wechselnder Formation bei ihr vorbei, und zu Weihnachten und Silvester waren ihre Tische für all jene gedeckt, die sonst niemanden hatten, mit dem sie feiern konnten. Am Mittwochmorgen ist Irma gestorben. 87 Jahre alt ist sie geworden. Sie hinterlässt eine grosse Lücke bei all jenen, die sie auch heute noch regelmässig im Seniorenzentrum Casa Güpf in Wohlen besucht haben. Aber sie hinterlässt auch viele schöne Erinnerungen.

«Chäber» statt Grotto

Mit 33 Jahren hat sie das Restaurant Weber in Wohlen übernommen. Ihr Plan wäre es eigentlich gewesen, ein Grotto im Tessin zu führen, denn dort hatte sie einige Zeit gearbeitet. «Doch dann riefen mich zwei Freunde an und erzählten, die Beiz wäre zu verkaufen. Sie wollten mich wieder daheim in Wohlen haben. Da musste ich nicht lange überlegen», erzählte Irma ihren Gästen, als sie 2014 den Wohler Kulturpreis verliehen bekam. Am Morgen sei sie rasch aus dem Tessin angereist, hätte den Vertrag unterschrieben, sei zu ihren Eltern essen gegangen und nachmittags wieder zurück zur Arbeit. «Mein dortiger Chef wollte mich nicht gehen lassen und sagte, wenn er gewusst hätte, dass ich nach Wohlen fahre, um einen Vertrag zu unterzeichnen, hätte er mir das Auto nicht gegeben.»

«Das Wohnzimmer von Wohlen»

Seit damals, über 50 Jahre lang also, wirtete Irma Koch im «Chäber», bis sie vor gut einem Jahr aufhören musste und ins Casa Güpf zog. Sie war eine Institution in Wohlen. Im Buch, das zu ihrem 80. Geburtstag erschienen ist, schrieb Bundesrätin Doris Leuthard im Vorwort über das Wirtshaus Chäber, es sei das «Wohnzimmer von Wohlen». Neben der Bundesrätin bediente Irma Koch verschiedene andere Prominente wie die jeweiligen Landammänner Roland Brogli und Urs Hofmann, doch ebenso liebevoll behandelte sie auch viele Leute aus Wohlen und «Randständige». Letztere erhielten bei Irma ganz selbstverständlich kostenlos etwas zu essen oder zu trinken.

Sie hatte Menschen gern, das betonte Pascal Gregor, der damalige Geschäftsführer der Stiftung Integra und gute Freund des Chäbers. Dem würden wohl alle zustimmen. Den Übernamen Chäber hatte ihr ihr Vater schon gleich nach der Geburt gegeben. «Chäber» steht für Marienkäfer, für Glückskäfer, und ein solcher war Irma Koch für viele Menschen ein Leben lang.

Auszeichnung fürs Lebenswerk

Legendär waren auch die vielen Jazzkonzerte im winzigen Schankraum des «Chäbers». Sie rundeten das grosse Engagement von Irma Koch ab, der «bescheiden lächelnden, äusserlich kleinen, innerlich aber grossen Frau mit den strahlenden Augen und dem festen Händedruck», wie sie az-Redaktor Mathias Küng 2014 treffend beschrieb. Damals, im Alter von 85 Jahren, wurde sie neben dem Wohler Kulturpreis auch mit der Wahl zur Aargauerin des Jahres ausgezeichnet. Eine Laudatio hielt damals ihr langjähriger Stammgast und Kantilehrer Urs Senn. Irma Koch war sichtlich gerührt, sagte aber mit ihrem ganz eigenen Witz: «Jetzt habe ich das hinter mir, für mich braucht niemand mehr eine Grabrede zu halten, besser kann das sowieso niemand.»