Eggenwil/Widen
Achtung, hier wandern Frösche: Gemeinden sperren einige Strassen

Der jährliche Amphibienzug zu ihren Laichgewässern hat begonnen. Um den Tieren die Wanderung zu erleichtern, ergreifen die Gemeinden Massnahmen.

Verena Schmidtke
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Der Eggenwiler Gemeinderat Frank Bonnemeier zeigt den Gyrenweiher in Widen und die Signalisation der nächtlichen Strassensperrung.

Der Eggenwiler Gemeinderat Frank Bonnemeier zeigt den Gyrenweiher in Widen und die Signalisation der nächtlichen Strassensperrung.

Verena Schmidtke

Ein sicheres Zeichen, dass Frühling in der Luft liegt, ist es, wenn Frösche, Kröten und Molche wieder auf Wanderschaft gehen. «Das feuchte und milde Wetter in der letzten Zeit ist für Amphibien ideal», informiert Helen Sandmeier vom Schweizer Tierschutz auf Anfrage. Sobald die Temperaturen nachts über dem Gefrierpunkt liegen, zieht es die Tiere zu ihren Laichgewässern. Dafür begeben sie sich allerdings oft in Gefahr.

Gefährliche Wanderschaft

Um von ihrem Winterquartier zu den Gewässern zu gelangen, wo sie sich fortpflanzen, müssen Amphibien häufig mehrere hundert Meter Wegstrecke bewältigen. Dafür überqueren sie auch Strassen. Für viele endet das tödlich. Da Kröten und Frösche diese Wanderung oft im grossen Verband unternehmen, bieten einige Strassen am frühen Morgen mit vielen überfahrenen Tieren einen traurigen Anblick. Für die Population ist dieses massenhafte Sterben im Strassenverkehr schlimm. Seit Jahren setzen sich Amphibienfreunde darum für ihre Schützlinge ein – mit unterschiedlichen Ideen.

Vorbildliche Massnahmen

Damit die Kröten, Frösche und Molche in ihrem Gemeindegebiet einigermassen sicher den Weg zum Laichen antreten können, sperren die Gemeinden Eggenwil und Widen einige Strassen im Bereich des Gyrenweihers. Der Eggenwiler Gemeinderat Frank Bonnemeier informiert: «Seit dem 7. März werden die Zufahrtstrassen zum Gyrenweiher in der Zeit von 19 Uhr bis 5 Uhr gesperrt.» Dabei weist er auf die Hinweisschilder am Strassenrand. Für Anwohner seien die Strassen natürlich frei. Da die Strecke im Waldgebiet eine beliebte Abkürzung zwischen den Orten sei, betreffe die Massnahme dann allerdings doch einige Autofahrer. «Von der Bevölkerung wird die Sperrung aber gut angenommen. Es hat sich noch niemand beschwert.»

Am Gyrenweiher leben der Bergmolch, der Fadenmolch, der Grasfrosch, die Erdkröte, der Feuersalamander und andere Arten.

(Quelle: Freiwillige Helfer aus Eggenwil)

Zustande gekommen sei das Vorhaben auf eine Initiative von Freiwilligen Eggenwilern. «Im Jahr 2010 haben sie sich dafür eingesetzt, um den Amphibien die Wanderung zu erleichtern. Die Gemeinden Eggenwil und Widen stimmten dem Vorhaben zu. Seitdem werden im Frühjahr die Strassen gesperrt, wenn die Temperaturen auf fünf Grad ansteigen», berichtet Bonnemeier. «Die nächtlichen Sperrungen sind nicht die einzige Massnahme, es gibt zudem eine Barriere, dort werden die Amphibien von Freiwilligen eingesammelt und sicher über die Strasse gebracht.» Diese Freiwilligen halten auf Anfrage fest: «Gesamthaft pro Zugsaison bewegen wir uns zwischen 1500 und 2600 Tieren. Am Gyrenweiher leben der Bergmolch, der Fadenmolch, der Grasfrosch, die Erdkröte, der Feuersalamander und andere Arten.»

TIPPS VON EXPERTEN

Langsam fahren nützt meistens nichts

Wenn es im Frühjahr wärmer wird, sollte man sich als Autofahrer bewusst sein, dass man in der Nähe von Gewässern Tiere überfahren könnte», klärt Helen Sandmeier von der Medienstelle Schweizer Tierschutz auf. Um die Amphibien auf ihren Zügen zu ihren Laichgewässern zu schützen, gebe es unterschiedliche Massnahmen wie beispielsweise die Reduktion der Geschwindigkeit, das Sperren von Strassen und Amphibienzäune.

Zu den Hinweisschildern, die an vielen Amphibienzugstellen aufgestellt werden, erläutert Bruno Schelbert, Abteilung Landschaft und Gewässer beim Kanton: «Sie sollen vor allem die Leute schützen, die sich in der Dunkelheit um die wandernden Tiere kümmern.» Allerdings sei es eine Illusion, dass niedriges Tempo die Amphibien schütze. «Selbst wenn man die Tiere nicht überfährt, sondern sie zwischen den Rädern bleiben, werden sie getötet, sobald man über 30 km/h fährt», so der Experte. «Das Einzige, was etwas bringt, sind Strassensperrungen. Aber das ist nicht überall möglich.»

Bei grösseren Strassen seien Durchlaufstellen für Amphibien sinnvoll, da benötigen die Tiere auch keine Unterstützung mehr von Menschenhand. «Wir haben da einen sehr guten Kontakt zum Tiefbau, der uns über Sanierungsmassnahmen informiert und nachfragt, ob in der Nähe Zugstellen bekannt sind», so Schelbert. Im Freiamt seien solche Durchlaufstellen zwischen Merenschwand und Unterrüti sowie zwischen Waltenschwil und Hermetschwil im Zuge von Sanierungen eingeplant.

Amphibien wandern laut dem Experten einen grossen Teil des Jahres, die Laichzüge fallen aber besonders auf, da sie konzentriert seien.

Wer Amphibien auf ihrer gefährlichen Wanderschaft helfen möchte, findet auf www.lepus.unine.ch/zsdb/index.php und www.karch.ch Informationen. Die Seite wird von der Koordinationsstelle für Amphibien- & Reptilienschutz in der Schweiz (Karch) betreut. (vsm)

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