Waltenschwil

Adieu Goldrute und Berufkraut: Naturschützerin kämpft gegen Problempflanzen im Wald

Die Goldrute in den Sack und den Abfall am Boden ins Velokörbli: Die Naturschützerin Corinne Müller im Einsatz.

Die Goldrute in den Sack und den Abfall am Boden ins Velokörbli: Die Naturschützerin Corinne Müller im Einsatz.

Die Waltenschwilerin Naturschützerin Corinne Müller kämpft mit unzähligen Mails gegen die invasiven Neophyten im Wald. Dass die Problempflanze langsam aber sicher aus der Gemeinde verschwindet, ist ihr zu verdanken.

«Oh, da hat es ja gar keine Neophyten mehr», stellt Corinne Müller erstaunt fest und lacht laut. Die engagierte Naturschützerin steht im Waltenschwiler Wald, an einem Ort, wo bis vor wenigen Wochen alles mit Neophyten überwuchert war.

«Dann gehen wir sie suchen», kündigt sie an und steigt auf ihr Velo. Es folgt eine rasante Fahrt durch den Wald, es geht hinauf, steil hinunter und dann auf eine lange Gerade. Erst nach langem Suchen wird sie endlich fündig. Rechts am Wegesrand stehen sie, die Neophyten. «Eine Goldrute», ruft sie und hält die Pflanze triumphierend vor die Kamera.

Die Idee zieht immer weitere Kreise

Dass die Neophyten schwer zu finden sind im Waltenschwiler Wald, das ist unter anderem das Verdienst von Corinne Müller. Als aktives Mitglied des Natur- und Vogelschutzvereins ist es ihr ein Anliegen, dass die invasiven Pflanzen sich nicht weiterverbreiten und wenn immer möglich aus dem Wald entfernt werden. Bisher tat sie dies auf eigene Faust, unterstützt von ihrem Ehemann Hans-Rudolf Müller, der in Waltenschwil Vizeammann ist. «Wenn wir auf unseren Spaziergängen Neophyten sahen, haben wir sie ausgerissen», beschreibt sie ihre Ausflüge in den Wald.

Kürzlich war die begeisterte Hundehalterin im Wohler Wald unterwegs. «Was ich da sah, das hat mich aus den Schuhen gehauen», erzählt sie mit strahlenden Augen. Die Gemeinde Wohlen macht mit einer Infotafel auf die Neophyten aufmerksam und fordert die Spaziergänger auf, aktiv mitzuhelfen. In mehreren Waldstücken liess die Gemeinde jeweils einen grossen Sack aufstellen, in dem die Spaziergänger die invasiven Pflanzen deponieren können. «Das ist der Hammer», kommentiert ­Corinne Müller die Idee der Nachbargemeinde.

Beim Natur- und Vogelschutzverein Waltenschwil rannte sie mit der Idee offenen Türen ein. Präsident Markus Meier und die Vorstandsmitglieder wurden gleich aktiv. «Bereits nach wenigen Wochen standen Säcke im Wald und mit Infotafeln wurde auf die Neophyten hingewiesen», erzählt sie. Der geplante Aktionstag musste zwar wegen Corona abgesagt werden, dennoch wurden zahlreiche Waldbenutzer aktiv und beteiligten sich begeistert an der Aktion. Das wiederum beflügelte Co­rinne Müller. Sie beschloss, das Projekt im ganzen Kanton bekannt zu machen. In einem Mail, das sie an alle Gemeinden im Kanton sandte, stellte sie das Projekt vor.

Siglistorf wird das Projekt ebenfalls umsetzen

Und siehe da: Innerhalb kurzer Zeit meldeten sich rund vierzig Gemeinden und bedankten sich für den Hinweis. «Das hätte ich nicht erwartet, dass die Resonanz so gross sein würde», freut sie sich. Die meisten Fragen drehten sich um die Kosten und den Arbeitsaufwand. Die zuständige Gemeinderätin aus Siglistorf sagte letzte Woche sogar zu, die Aktion in ihrer Gemeinde umzusetzen.

Der Natur etwas zurückgeben

«Die Natur gibt mir alles», antwortet Corinne Müller auf die Frage nach ihrer Motivation und fügt an, «und nun will ich dem Wald etwas zurückgeben.» Eine Krankheit bremste sie in den letzten Jahren zwar etwas aus, doch für die Anliegen der Natur setzt sie sich immer wieder gerne ein.

Das sei für sie eine Selbstverständlichkeit, sagt sie, bückt sich und klaubt das gefühlt hundertste Papierchen vom Waldboden auf und deponiert es im Velokorb. «Das sind doch alles Grüsle», kommentiert sie lachend, setzt sich aufs Velo und braust davon.

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