«Adieu Heimat»
Zwei Freiämterinnen und ihr Tiergnadenhof in Ungarn im Fokus der Fernsehkameras

Am 15. April, startet die siebte Staffel von «Adieu Heimat – Schweizer wandern aus» auf dem TV-Sender 3+. Mit dabei sind die beiden Dottikerinnen Esther und Fabienne Frey, die vor knapp anderthalb Jahren nach Ungarn auswanderten, um dort einen Gnadenhof für Tiere zu gründen. Mit welchen Problemen sie zu kämpfen hatten, davon berichtet die Serie.

Nathalie Wolgensinger
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Selbst ist die Frau: das Ehepaar Fabienne (links) und Esther Frey bei der Arbeit auf ihrem Gnadenhof Tanya Szivárvány.

Selbst ist die Frau: das Ehepaar Fabienne (links) und Esther Frey bei der Arbeit auf ihrem Gnadenhof Tanya Szivárvány.

zvg

Wovon viele träumen, haben Esther (50) und Fabienne (35) Frey in die Tat umgesetzt. Im November vor zwei Jahren wanderten sie gemeinsam mit ihren sieben Hunden von Dottikon nach Ungarn aus. Dort, in Ruzsa, einer 2800-Seelen-Gemeinde, fanden die beiden Frauen ihr ganz persönliches Glück.

Ihr Traum war es, dem dicht bepackten Terminplan ihrer Hundepension und Hundeschule mit den vielen Verpflichtungen ein für alle mal Adieu zu sagen und das Leben zu geniessen. Auf dem ehemaligen Einsiedlerhof mit 6000 Quadratmetern Land wollten sie ein einfaches Leben fernab von allem führen. Das war der Plan. Doch es kam anders, wie so vieles im Leben.

An Weihnachten des vergangenen Jahres berichtete die AZ erstmals über die beiden Freiämterinnen, die dem Tierleid in ihrer nächsten Umgebung nicht tatenlos zuschauen wollten und aus ihrem Anwesen kurzerhand einen Gnadenhof für verwaiste Tiere machten.

Angemeldet und schnell wieder vergessen

Dass sie mit diesem Vorhaben perfekt in die Auswanderer-Serie «Adieu Heimat» von 3+ passen, konnten die beiden noch nicht ahnen, als sie sich für die Teilnahme anmeldeten. Damals gingen sie noch davon aus, dass sie ein ruhiges, zurückgezogenes Leben auf ihrem Hof führen würden.

Angemeldet hatten sie sich, weil sie Fans der Sendung «Bauer, ledig, sucht ...» sind. Esther Frey erzählt:

«Da sahen wir erstmals den Aufruf, dass Leute gesucht werden, die auswandern. Wir dachten, dass unser Projekt vielleicht interessieren würde, und meldeten uns spontan an.»

So schnell die Idee in die Tat umgesetzt war, so schnell war sie auch wieder vergessen. Als sich dann die Verantwortlichen von 3+ meldeten und ihr Interesse bekundeten, waren die beiden Frauen überrascht. Dennoch beschlossen sie, sich auf das Wagnis einzulassen. Denn mittlerweile war die Hofgemeinschaft um sieben Hühner, Güggel Theo, zwei Schafe, zwei Geissen, zwei Hunde und zwei Katzen angewachsen.

Im Fokus der TV-Kameras

Und so kam es, dass ein Schweizer Fernsehteam ganz in den Süden Ungarns reiste, um die Abenteuer der beiden Frauen filmisch festzuhalten. Fabienne Frey erzählt:

«Anfänglich war es schon komisch, dass einen die Kamera auf Schritt und Tritt verfolgt. Aber wir haben uns schnell daran gewöhnt und merkten bald nicht mehr, dass sie überhaupt dabei sind.»

Im Winter zeigten Fabienne und Esther Frey ihren Hof im Video.

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Der Besuch fand letztes Jahr statt. Das Team beobachtete die beiden dabei, wie sie innerhalb weniger Wochen ein Gehege für drei Hängebauchschweine realisierten, um sie damit vor dem Schlachthof zu bewahren. Ob es gelungen ist, dürfen sie nicht verraten. Man wird ihnen ab dem 15. April jeweils um 20.15 Uhr gemeinsam mit weiteren Protagonisten bei ihren Erfolgen und Misserfolgen in der neuen Heimat zuschauen können. Esther Frey erzählt:

«Wir sind gespannt, wie unsere Geschichte erzählt wird und wie sie bei den Zuschauern ankommt.»

Dass sie auch mit Kritik rechnen müssen, dessen sind sie sich bewusst. Diese Erfahrung machten sie im Dezember des vergangenen Jahres, als sie an die Öffentlichkeit gelangten und um Spenden für eine Solaranlage für die Heizung der Hundehütten nachfragten. Esther Frey erzählt:

«Wir erlebten eine unglaubliche Welle der Solidarität. Das Geld für die Solaranlage hatten wir innerhalb eines Tages zusammen.»

Doch die Sympathie-Welle rief auch Kritiker auf den Plan, die vermuteten, dass die beiden das Geld nicht für die Tiere, sondern für sich verwenden würden. Fabienne Frey, ehemalige Polizistin, nimmt diese Behauptungen gelassen: «Unsere Buchhaltung kann man jederzeit einsehen, wir haben uns nichts zu Schulden kommen lassen.»

Ein grösserer Hof soll noch mehr Tieren Platz bieten

Sowieso haben die beiden Frauen derzeit alles andere im Kopf als ihren Fernsehauftritt. Bereits stecken sie mitten in ihrem neuesten Projekt. Weil ihr Gnadenhof aus allen Nähten platzt, machten sie sich auf die Suche nach einem geeigneteren Hof. Es fehlt auf ihrem derzeitigen Hof vor allem an Lagermöglichkeiten für Stroh und Futter. Innerhalb kürzester Zeit fanden sie das ideale Objekt für ihr Vorhaben.

Nun muss es aber erst noch klappen mit dem Kauf. Denn die ungarischen Mühlen der Bürokratie mahlen nicht nur langsam, sie sind für Schweizerinnen auch undurchsichtig. Aber wer die beiden kennt, der weiss, dass sie sich so schnell nicht geschlagen geben werden.

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