Bremgarten

Adventsausstellung: Die Schönheit der Menschen einfangen

Fotograf Dominique Andereggen erklärt vor seinen Bildern die Ziele seines Projektes für Menschen mit Albinismus in Mosambik. Verena Schmidtke

Fotograf Dominique Andereggen erklärt vor seinen Bildern die Ziele seines Projektes für Menschen mit Albinismus in Mosambik. Verena Schmidtke

Die St. Josef-Stiftung eröffnete im Klösterli eine etwas andere und sehr berührende Adventsausstellung.

Kurz vor 19 Uhr füllt sich das Klösterli der St. Josef-Stiftung in Bremgarten zusehends. Die Besucher streifen durch die Gänge, um die Bilder von «Sons of the Moon» und Ausstellungsstücke von «Glanz und Glimmer» zu betrachten. Besonders die Fotos regen zu Gesprächen an. Zu sehen sind Menschen mit Albinismus in Mosambik, fotografiert von Dominique Andereggen. «Gerade in Ländern mit hauptsächlich dunkelhäutiger Bevölkerung fällt diese Pigmentstörung auf, die ausserdem häufig mit Vorurteilen besetzt ist», informiert der Fotograf. Mit dem Projekt «Sons of the Moon» wollen er und seine Mitstreiter daran etwas ändern und auch praktisch helfen.

Thomas Bopp, Leiter der St. Josef-Stiftung, freut sich über die gemeinsame Ausstellung: «Es ist eine schöne Tradition, dass die stiftungseigene Tagesstätte ihre kunstvoll angefertigten Schmuckstücke vorstellt. Eine ebenso schöne Tradition ist es, dass wir immer wieder Künstler aus der Region finden, die ihre Werke gleichzeitig mit der Tagesstätte präsentieren.» In diesem Jahr sei dieser Künstler Dominique Andereggen aus Bremgarten, Inhaber der Galerie Flussreif.

Viele sterben an Hautkrebs

Von 2006 bis 2012 lebte der Fotograf und Sportlehrer in den Ländern Tansania und Mosambik. Dort wurde er für die Schwierigkeiten sensibilisiert, mit denen Menschen mit Albinismus konfrontiert sind. Durch ihre helle Haut, Haare und Augenfarbe seien die Betroffenen in einer dunkelhäutigen Gesellschaft sehr auffällig. Das Problem sei, dass die Pigmentstörung mit Aberglauben behaftet ist. Da gebe es beispielsweise Vorstellungen, dass Körperteilen von Menschen mit Albinismus heilende Kräfte innewohnen. Oft werden die Betroffenen auch dämonisiert und von ihren Familien weggesperrt. «Dazu kommt der gesundheitliche Aspekt», führt Andereggen aus, «denn die Haut der Menschen mit diesem Gendefekt ist extrem empfindlich. Sonnencreme ist in diesen Ländern aber für die meisten unerschwinglich teuer. Deswegen sterben viele bereits sehr früh an Hautkrebs.»

So entstand die Idee zum Fotoprojekt «Sons of the Moon», das 2012 lanciert wurde. Mit dieser Aufklärungskampagne wollten Andereggen und seine ehemalige Partnerin, Solange dos Santos, Vorurteile abbauen und die Problematik auch in anderen, besonders in europäischen, Ländern bekannter machen. «Sons of the Moon» ist der Ausdruck, mit dem sich Menschen mit Albinismus in Mosambik selber bezeichnen.

«Wir wollten zeigen, dass diese Menschen ganz normal sind, ihre Schönheit und ihre Besonderheit.» Unterstützung gab es dabei von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit sowie der norwegischen Botschaft. Verschiedene Ausstellungen sorgten dafür, dass auch die Unicef auf die Kampagne aufmerksam wurde. Der Fotograf dazu: «Menschen mit Albinismus wurden zum Schutz in die Unicef-Charta aufgenommen.» Das Projekt habe besonders in Mosambik dazu beigetragen, Vorurteile zu bekämpfen. In Tansania gäbe es kleine Fortschritte. «Unsere Bilder werden dort von der Schweizer Botschaft für eine Aufklärungskampagne verwendet. Dennoch ist die Situation nach wie vor schwierig.»

«Menschen wie du und ich»

Was den gesundheitlichen Aspekt betreffe, da konnte die Firma Ultrasun AG helfen. «Die Firma hat uns mehr als 100 000 Tuben Sonnencreme gespendet. Die Schwierigkeit ist nur der kostspielige Transport nach Afrika», erklärt der Fotograf. Darum sei «die Hälfte des Erlöses aus dem Verkauf unseres Buches und den Bildern für den Transport der Sonnencreme gedacht.» Und so teilen sich die liebevoll angefertigten adventlichen Kunstwerke der St. Josef-Tagesstätte die Ausstellungsräume mit den eindrücklichen Fotografien aus Mosambik. Thomas Bopp ist sich bewusst, dass die Betrachtung dieser Bilder auch eine Herausforderung sein kann. Manch einer werde fragen, wo der Bezug zum Advent sei. Da sei es wichtig, sich die Botschaft Jesu, der alle Menschen lieb hatte, in Erinnerung zu rufen. Der Stiftungsleiter betont: «In diesem Sinne muntere ich Sie auf: Freuen Sie sich auf die Begegnungen mit diesen Menschen auf den Bildern, lassen Sie sie berühren, inspirieren. Es sind Menschen wie du und ich.»

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