Fischbach-Göslikon

Alles vom Gemeindehaus ist zu haben – ausser das F und das G

Das alte Gemeindehaus kann am 7. April aus- und abgeräumt werden.

«Holen Sie sich ein Stück Gemeindehaus!» steht mit Marktschreierattitüde im neuen Mitteilungsblatt von Fischbach-Göslikon. Auf der Website der Gemeinde kann man sich einen Teil der zur Verfügung stehenden Gegenstände schon mal anschauen – keiner kauft ja gerne die Katze im Sack.

Das alte Gemeindehaus ist ein wahres Eldorado für Jäger und Sammler. Das fängt an beim Wandschmuck, einer «photo-graphischen Collage» von karibischen Pfahlbauten, die das Fernweh oder mindestens die Ferienlaune wecken, und geht weiter über Tische, Stühle, Garderoben, Lampen, Korpusse bis hin zu ganzen Türen, Treppen und Geländern.

Im Fernsehen haben Kunst-und-Krempel-Sendungen derzeit Hochkonjunktur. Beim Zappen durch die Kanäle findet man kaum mehr einen Sender, der nicht irgendeine Antiquitäten-Show, ein Trödel-Quiz oder eine Schnäppchenjagd ausstrahlt. So fühlt man sich auch beim Gang durch das altehrwürdige Gemäuer, Baujahr 1906. Da finden sich Relikte fast jeder Stilrichtung, die seit der Einweihung des damaligen Schulhauses mit integrierter Gemeindekanzlei einmal in Mode war.

Sessel aus den 70ern

Im Sitzungszimmer zum Beispiel stehen zehn Sessel. Sie sind aus Kunststoff und mit einem hellorangen Stoff überzogen. Was das Auge zwar beleidigt, schmeichelt dafür dem Hintern. In der Sendung «Bares für Rares» (ZDF neo, Servus TV) geriete der beliebteste Fernsehschnauz Deutschlands, Horst Lichter, garantiert ins Schwärmen, wenn er sich auf einen dieser 70er-Jahre-Stühle fläzen dürfte. Ob die Antiquitätenhändler allerdings viel dafür böten, bleibe dahingestellt.

Es geht der Gemeinde auch nicht in erster Linie darum, Profit aus ihrem alten Mobiliar zu schlagen. Aber man möchte möglichst wenig wegwerfen. Gemeindeschreiber Lukas Jansen erklärt die Spielregeln: «Die Leute können ihr Interesse der Gemeindeverwaltung schriftlich, per E-Mail oder Brief, unter Angabe eines allfälligen Kaufgebotes mitteilen. Wenn es für ein Objekt mehrere Interessenten gibt, wird es dem Meistbietenden verkauft. Wenn sich nur einer dafür interessiert, wird es unentgeltlich abgegeben.»

Der grosse Tag kommt am 7. April. Dann öffnet sich das alte Gemeindehaus von Fischbach-Göslikon noch einmal der ganzen Bevölkerung. «Jeder kann sich an diesem Morgen holen, was ihm wertvoll oder nützlich erscheint», sagt Jansen. «Diejenigen, die sich für eines der publizierten Stücke beworben haben, werden vorgängig informiert, ob sie ihr Objekt der Begierde an diesem Tag mit nach Hause nehmen können.»

Das Einzige, wovon sich die Gemeindeverwaltung auf gar keinen Fall trennen will, das sind die kunstvoll geschmiedeten Initialen von Fischbach-Göslikon, die über der Eingangstür des alten Gemeindehauses prangen. Die sollen im neuen Gemeindehaus einen würdigen Platz finden. Der Umzug vom alten ins neue Haus findet am 28. März statt.

Mauerstücke als Fanartikel

Für das eine oder andere der Erinnerungs- und Sammlerstücke braucht man allerdings schon ein sehr belastbares Transportmittel. Wer sich etwa für die Holztreppe mit ihrem gedrechselten Geländer interessiert oder wer einen der zwei gusseisernen Radiatoren mit den floralen Verzierungen aus der Frühzeit des 20. Jahrhunderts ergattern möchte, der ist für Ausbau und Abtransport selber zuständig. Alles, was am 7. April noch im Haus ist, gehört denen, die es haben wollen. «Das gilt auch für die Parkettböden und für die Mauern», sagt Jansen.

«Vielleicht sind ja unsere Mauerstücke hier plötzlich genauso gefragt wie seinerzeit die aus Berlin», schmunzelt der Gemeindeschreiber. «Aus all den Mauerbrocken, die da verkauft wurden, hätte man ja locker eine zweite Mauer bauen können.»

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