Niederwil

Als der Weihnachtsbaum auf einmal in Flammen stand

Seit ihr letzter Christbaum in Flammen aufging, hat Elsa Widmer keinen eigenen mehr.

Seit ihr letzter Christbaum in Flammen aufging, hat Elsa Widmer keinen eigenen mehr.

Elsa Widmer erinnert sich an brenzlige Weihnachtsfeiern und an Bescherungen im Kinderheim.

Die 69-jährige Elsa Widmer sitzt im Rollstuhl in der Cafeteria des Pflegeheims Reusspark in Niederwil und trinkt einen Punsch. Sie lacht viel und laut, reisst Witze und erzählt Geschichten aus ihrem Leben, als wäre sie eine professionelle Geschichtenerzählerin.

Ohne grosse Umschweife beginnt sie, von ihren Weihnachtserinnerungen zu erzählen: «Ein Weihnachtshighlight war für mich das Guetzle», sagt sie. Schon Mitte November begann sie jeweils damit. «Einer Kollegin, die ein Café hatte, habe ich stets 30 Kilo Guetzli gebacken.»

Sie stand tagelang von morgens bis abends in der Küche, 40 verschiedene Sorten buk sie. Für die gelernte Konditorin kein Problem. Sie liebt Guetzli: «Das ist für mich eine richtige Leidenschaft, oder besser gesagt, eine Sucht.»

Ein zweites Weihnachtshighlight, sagt Widmer, war, dass sie mit ihrem Mann von ihrem Wohnort Bremgarten aus nach Zufikon fuhr, um dort einen Christbaum auszusuchen. «Dort haben wir dann immer noch eine Wurst grilliert, dazu gab es Kaffee, Tee und Wein. Ich rieche die Wurst noch heute, die war ganz wunderbar!»

Eine Löschdecke und eine Busse

Nun hat Widmer jedoch keinen eigenen Baum mehr. Dafür gibt es einen bestimmten Grund: «Das letzte Mal haben wir einen Baum vom Coop geholt», erzählt sie, «und nicht mehr aus Zufikon.» Sie habe den Baum geschmückt – unter anderem mit echten Kerzen.

Der Baum ging in Flammen auf. Widmers konnten den Brand selbst löschen, jedoch entstand ein grosser Sachschaden und sie mussten eine Busse zahlen. «Aber wir haben dafür eine Löschdecke bekommen!», sagt Widmer und lacht laut. Seither hat das Ehepaar keinen weiteren Christbaum mehr gekauft.

Ein drittes Weihnachtshighlight, erzählt sie, war, dass ihr Mann das Haus mit Lichtern schmücken musste. Sie hat dabei ganz genau aufgepasst, dass nichts schief hängt. «Und vor allem das Küchenfenster musste dekoriert sein.»

Zu Essen gab es für Widmer, ihren Mann und ihren Sohn an Heiligabend Fondue chinoise, das habe ihr nicht viel Arbeit gemacht, erzählt sie. «Uns war wichtig, dass wir drei zusammen sein und diskutieren konnten. Wir liessen das Jahr Revue passieren und sprachen über das, was uns beschäftigt hat.» Gross beschenkt habe man sich nicht: «Das ist doch nur Geldmacherei», sagt Widmer.

Kinder bastelten Weihnachtsgeschenke selbst

Auch früher, als Elsa Widmer noch ein junges Mädchen war, habe sie nie viele Geschenke bekommen. Sie erzählt: «Als ich etwa 12 Jahre alt war, liessen sich meine Eltern scheiden. Die Mutter hatte danach nichts mehr mit uns zu tun, und der Vater musste Geld verdienen.

Also kamen wir ins Kinderheim in Gais im Appenzellerland.» Dort blieb sie, bis sie 17 Jahre alt war. «Weihnachten im Kinderheim war friedlich. Wir haben den Baum geschmückt, es gab ein feines Essen und wir haben Lieder gesungen – ich hatte eine gute und hohe Stimme», sagt sie. Um die Geschenke kümmerten sich die Kinder selbst.

«Da hat sich jemand Mühe gegeben.»

Jedes musste ein Lösli ziehen, auf dem der Name eines anderen Kindes stand und diesem dann ein Weihnachtsgeschenk basteln. «Sie häkelten und schnitzen. Ich bastelte mal einen hübschen Kerzenständer aus Messing und Kupfer», erzählt Widmer. «Egal, was mir ein anderes Kind geschenkt hat, ich wusste, da hat sich jemand Mühe gegeben.»

Heute feiert Elsa Widmer im Pflegeheim Reusspark Weihnachten. Hier gefalle es ihr sehr, sagt sie. Sie freut sich vor allem auf das Weihnachtsessen ihrer Station, zu dem sie zwei Angehörige mitnehmen darf: «Meinen Mann und meinen Sohn.»

Und sie freut sich darauf, dass das Pflegepersonal an der Weihnachtsfeier jeder Bewohnerin und jedem Bewohner ein individuelles Weihnachtsgeschenk überreichen wird.

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