Geschichte

Als es auf dem Hasenberg noch eine Sprungschanze gab: Eine Dokumentation mit vielen Trouvaillen

Josef Monn hat historisches Material zum Hasenberg gesammelt und daraus eine Dokumentation gemacht. Darin finden sich auch Fakten zum alten Turm, dem Kurbetrieb im «Chalet Hasenberg» – und vergangenen Zeiten.

Als es auch im Freiamt noch regelmässig viel Schnee gab, wurden auf dem rund 750 Meter über Meer gelegenen Hasenberg von 1946 bis 1960 regelmässig Skitage mit viel beachteten Wettbewerben ausgetragen. Es gab sogar eine richtige Sprungschanze. Ihr Anlauf befand sich wenige Meter neben dem geplanten Standort des neuen Aussichtsturms. Dessen Plattform soll auf 35 Metern zu liegen kommen. Das ist lediglich ein Meter weniger als der einstige Schanzenrekord von 36 Metern.

In der Dokumentation, die Josef Monn zusammengestellt und 2005 erstmals präsentiert hat, finden sich noch viele andere Trouvaillen. Zum Beispiel über historische Aufnahmen, die den ehemaligen Gasthof, das «Chalet Hasenberg», und den nebenstehenden Wohnturm zeigen. In diesem Turm gab es vier Wohnungen für das Personal des Kurhauses und zuoberst eine Aussichtsplattform.

Erbaut worden sind Chalet und Wohnturm 1904 vom Badener Tierarzt Adolf Meier, der die Liegenschaft mit dem vormaligen, offenbar noch deutlich kleineren Restaurant 1892 gekauft hat. Von den Zeiten des Hasenbergs als Luftkurort berichtet ein 1990 im «Mutsch» – dem einstigen Mutscheller Publikationsorgan – erschienener Artikel, der ebenfalls Teil von Josef Monn Hasenberg-Dokumentation ist.

Kurerfolge zum Spottpreis

«Hier grünt und blüht es im Frühling, Sommer und Herbst, wie nicht bald in einer Gegend der Schweiz. Ein herrliches Fleckchen Erde. In verstecktem Winkel auf dem ca. 750 m hohen Hasenberg, von der Station Berikon in 15 Minuten zu erreichen, steht, umgeben von uralten Tannenwäldern, das Restaurant und Chalet Hasenberg», wurde laut «Mutsch» auf einem Prospekt geworben, den Fritz Lüthi herausgegeben hat. Ihm haben Chalet und Turm von 1914 bis 1918 gehört.

Zu Fuss in 15 Minuten vom Bahnhof Berikon-Widen bis zum Hasenberg – damit haben die Verfasser im erwähnten Prospekt wohl leicht über-, beziehungsweise untertrieben. Und vermutlich auch die zu erwartenden Kurerfolge etwas gar schönfärberisch dargestellt: «Der staub- und mikrobenfreien Höhenlage wegen eignet sich Kurort, Chalet und Pension Hasenberg hauptsächlich für Erholungs- und Ruhebedürftige, Blutarme, Rekonvaleszenten und Nervenkranke. Einfache, jedoch saubere Zimmer stehen zur Verfügung, und es genügt in den meisten Fällen ein Aufenthalt von drei bis vier Wochen in dieser reinsten Alpenluft, um eine ganz ersichtliche Kräftigung des Nervensystems, von Lunge- und Magen zu erzielen.»

Verglichen mit heute waren die gesundheitsfördernden Hasenberg-Aufenthalte zu einem Spottpreis zu haben: Für Übernachtung und Vollpension mit vier Mahlzeiten verlangten die Kurhaus-Betreiber in den 30er-Jahren lediglich einen Fünfliber pro Tag.

Der Wohnturm auf dem Hasenberg ist laut Monns Dokumentation 1956 abgebrochen und drei Jahren später im Grundbuch gelöscht worden. Das Kurhaus überdauerte noch knapp die Jahrhundertwende. 2005 ist an seiner Stelle das heutige Hotel Restaurant Ryokan eröffnet worden.

Verwandtes Thema:

Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

Meistgesehen

Artboard 1