Oberwil-Lieli

Andreas Glarner im Schlagabtausch zur Umzonung – und jetzt kommt eine Schlange ins Spiel

Diese Parzelle im Juchächer ist der Stein des Anstosses.

Diese Parzelle im Juchächer ist der Stein des Anstosses.

Der Widerstand geht weiter: Im Abstimmungskampf um die Landhauszone in Oberwil-Lieli engagiert sich auch Andreas Glarner – und Pro Natura hat neue Argumente.

Eine Landparzelle mit rund 12'700 Quadratmetern Grösse erhitzt in Oberwil-Lieli die Gemüter. Die Wogen gehen so hoch, dass es die Gemeinde diesen Monat sogar in fetten Schlagzeilen auf die Titelseite des «Blick» geschafft hat: «Bauzonen-Streit in Oberwil-Lieli, 8 Villen statt 80 Wohnungen». Es geht um die umstrittene Umzonung einer Parzelle im Juch­ächer von Landwirtschaftsland in eine Landhauszone. Diese ist Teil der neuen Bau- und Nutzungsplanung (BNO), über die Oberwil-Lieli diesen Sonntag abstimmt.

Die Gemeinde möchte diesen Acker von der aktuellen Besitzerin, einer Zürcher Immobilienfirma, kaufen und teures Bauland daraus machen. Entstehen sollen acht Einfamilienhäuser, die entsprechend gute Steuerzahler anziehen. Im Gegenzug soll Bauland an einem anderen Ort im Dorf, das bereits der Gemeinde gehört, wieder in Landwirtschaftszone umgezont werden. Der Gemeinderat streicht vor allem die finanziellen Vorteile für Oberwil-Lieli her­aus. Der Umzonungs- und Verkaufsdeal soll je nach Quadratmeterpreis netto um die 15 Millionen Franken für die Gemeindekasse einbringen.

Glarner warnt in Flugblatt vor hohen Steuern

Gegen die Umzonung regt sich aber starker Widerstand. Zig Einsprachen sind im Vorfeld eingegangen. Seit Wochen tobt der Abstimmungskampf. Zwei Komitees liefern sich mit Leserbriefen in der Gemeindezeitung «Wochenfalter» und mit Flugblättern einen Schlagabtausch. In diesen hat sich jüngst auch der landesweit prominenteste Einwohner Oberwil-Lielis eingebracht: SVP-Nationalrat Andreas Glarner. In einem Flugblatt erklärt er: «Der Versuch der Gegner, dem Gemeinderat nun noch mittels Boulevardzeitung eine einseitig auf gute Steuerzahler ausgerichtete Politik zu unterstellen, ist schlicht unfair.» Glarner warnt davor, was passieren könnte, wenn man guten Steuerzahlern nicht Sorge trägt. Gemäss dem «Blick» erklärt er im Flugblatt: «Rechnen Sie bitte selbst: Wer auch nur zwei Kinder in unsere Primarschule schickt, müsste rund 26'000 Franken Steuern bezahlen. Gehen die Kinder an die Kreisschule, wären es sogar über 52'000 Franken.» Generell operieren die Gegner und Befürworter der revidierten Bau- und Nutzungsordnung in ihrer Argumentation mit vielen Zahlen und stellen Berechnungen an.

Seltene Schlingnatter im Juchächer entdeckt

Auf einer anderen Ebene setzt sich Pro Natura Aargau ein, die zu den Einsprechern gehörte. In einem Communiqué erklärte die Organisation vor wenigen Tagen, dass ihr glaubhafte Belege für die Anwesenheit von Schlingnattern im Juchächer zugespielt worden seien. Die Schweizer Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz Karch habe die Artzugehörigkeit bestätigt.

Pro-Natura-Aargau-Geschäftsführer Johannes Jenny sagt: «Das hätte ich hier nicht erwartet. Aber der Beleg, ein junges, leider totes Exemplar, ist eindeutig: Das ist eine Schlingnatter.» Dies zeige, dass sich die harmlose, seltene Schlange dort vermehre. «Junge Schlingnattern fallen häufig Katzen zum Opfer. Ein Villenquartier mit gewöhnlich hoher Katzendichte würde dem seltenen Tier sicher schaden», hält Pro Natura Aargau fest. Die geplante Einzonung des Juchächers könne den Fortbestand der Schlangenart in jenem Gebiet gefährden.

Wessen Argumente die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Oberwil-Lieli überzeugen, wird sich zeigen. Wird die BNO abgelehnt, muss der Gemeinderat nochmals über die Bücher. Nebst der neuen BNO fallen an der Urne auch Entscheide zum Beitritt Oberwil-Lielis zur ZSO Freiamt, zum 2,8-Millionen-Kredit für eine Strassensanierung und einer neuen Lösung betreffend Mittagstisch und Randstundenbetreuung.

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