Zwanzig Jahre danach

«Andys Tod war ein Schock» – Hugs Wegbegleiter erinnern sich an Kampfsport-Ikone

Hugs Wegbegleiter Heinz Muntwyler (l.) und Rocco Cipriano an der Hug-Gedenkstätte in Wohlen.

Hugs Wegbegleiter Heinz Muntwyler (l.) und Rocco Cipriano an der Hug-Gedenkstätte in Wohlen.

Vor zwanzig Jahren starb die Wohler Kampfsport-Legende Andy Hug mit erst 35 Jahren am 24. August 2000 an akuter Leukämie. Zwei Wegbegleiter erinnern sich an den Freiämter, der ein Weltstar war.

Akute Leukämie – eine Schockdiagnose. Für Kampfsportler Andy Hug bedeutete sie im August 2000 innert Tagen den Tod. Der berühmteste Wohler starb am 24. August vor zwanzig Jahren in einem Tokioter Spital, kurz vor seinem 36. Geburtstag. Die Sportwelt stand weltweit unter Schock.

Viel Zeit ist seither vergangen. Aus der Erinnerung ist Andy Hug bei vielen Menschen aber nie verschwunden. Zu ihnen gehören Heinz Muntwyler (64) und Rocco Cipriano (52), zwei frühere Wegbegleiter. Mit einem Hauch Melancholie sitzen die beiden im Schatten der Bäume auf einer Sitzbank und blicken auf die Gedenkstätte, die zu Ehren Andy Hugs 2004 beim Wohler Bünzmattschulhaus errichtet wurde.

Die Büste Hugs hat bessere Zeiten gesehen, glänzt nicht mehr weiss. «Der Respekt vor Andy und seinen Leistungen fehlt diesbezüglich», sagt Kickbox-Legende Cipriano, der in seiner Kickboxschule Anfang der 90er-Jahre mit Hug trainierte.

Während der Arbeit am Radio vom Tod erfahren

Die Tage rund um Hugs Tod sind bei Heinz Muntwyler noch sehr präsent. Der Präsident des Karateclubs Anglikon erinnert sich: «Ich telefonierte ein paar Tage vorher noch mit ihm in Japan. Er fühlte sich nicht sehr wohl. Und wenige Tage später erfuhr ich im Radio, als ich auf einer Baustelle war, von seinem Tod. Das war ein riesiger Schock.»

Muntwyler und Hug kannten sich seit 1977. Im Karatetraining trieben sie sich gegenseitig zu Höchstleistungen und waren auch privat enge Freunde. «Wir haben sehr voneinander profitiert. Ich habe selten einen Menschen mit soviel Disziplin erlebt wie ihn. In den Karatetrainings zitiere ich heute oft Andy und seine Philosophie. Sein Tod war ein Rückschlag für den Kampfsport», sagt Muntwyler.

Heinz Muntwyler und Rocco Cipriano beim Andy-Hug-Memorial in Wohlen.

Heinz Muntwyler und Rocco Cipriano beim Andy-Hug-Memorial in Wohlen.

Im Ausland wird er an Wettkämpfen vor allem in Osteuropa auf Hug angesprochen. «Wenn die Leute erfahren, dass ich mit ihm trainierte, werde ich richtig belagert und ausgefragt. Oft kommen sie mit Google Translator in Russisch, um zu übersetzen. Seine Bekanntheit ist unglaublich», erzählt Muntwyler.

Bei einer EM vor ein paar Jahren in Russland seien auf der Videoleinwand plötzlich Szenen von Hugs früheren Kämpfen gezeigt worden. «Da habe ich eine Art Flash gehabt», sagt Muntwyler. Im Karatedojo hängen Fotos von Hug und sein erstes Kampfdress soll bald eingerahmt werden.

Trotz Erfolgen immer bescheiden geblieben

Auch Rocco Cipriano wird oft auf Hug angesprochen. «Sein Name fällt in Gesprächen immer wieder», sagt er. Es komme ihm vor, wie wenn dessen Tod erst gestern geschehen sei. Er habe es damals kaum glauben können.

Cipriano findet für Hug nur lobende Worte. «Seine Motivation und Tatendrang steckten an. Es gab kein Training, in dem Andy nicht grossen Einsatzwillen zeigte. Selbst morgens um 6 Uhr.»

Andy Hug in Action bei einem K-1-Kampf im Hallenstadion gegen Mike Bernardo am 7.Juni 1997.

Andy Hug in Action bei einem K-1-Kampf im Hallenstadion gegen Mike Bernardo am 7.Juni 1997.

Als der Kickboxer auch dank seinen Triumphen im K1 in Japan zum Superstar aufsteigt und das Hallenstadion mit seinen Kämpfen füllt, bleibt er dennoch auf dem Teppich. «Er hat sich trotz aller Erfolge nie verändert. Es stieg ihm nie in den Kopf. Wenn er in Wohlen war, blieb er ganz einfach der Andy», sagt Muntwyler.

Er glaubt, dass Hug und sein sportliches Vermächtnis auch in zehn Jahren den Menschen noch präsent sein werden. Beim Blick auf die Gedenkstätte sagt er melancholisch: «Ich möchte einmal ans Grab nach Japan. Das fehlt mir.»

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