Podium Murikultur

Arzt Urs Pilgrim: «Wissenschaft und Glaube ist eine grosse Schnittmenge»

Hans Widmer, Olivia Röllin, Christian Meyer und Urs Pilgrim (v.l.) diskutierten ausführlich über Glaube und Medizin.

Hans Widmer, Olivia Röllin, Christian Meyer und Urs Pilgrim (v.l.) diskutierten ausführlich über Glaube und Medizin.

Im Dachsaal der Pflegi Muri diskutierte der Autor Urs Pilgrim mit seinen Gästen über die Themen Medizin und Religion. Obwohl alle drei Gäste eine ganz eigene Art von Glauben praktizieren, waren sie sich einig, dass Religion und Spiritualität neben der Medizin tatsächlich der körperlichen Gesundheit zuträglich ist.

Obwohl Urs Pilgrim 2016 sein Amt als Präsident nach elf Jahren abgelegt hat, ist die Stiftung Murikultur für ihn noch immer eine Herzensangelegenheit. Zu ihrem 50. Geburtstag, den sie im vergangnen Jahr feierte, schenkte er der Stiftung ein Buch. In «Was hilft?» wagt Pilgrim als Arzt eine neue Sicht auf das Kloster und auf die Religion in Verbindung mit der Medizin. «Urs Pilgrim hat sehr viel dazu beigetragen, dass die Stiftung so weit gekommen ist. Eine Frucht davon ist sein Buch», eröffnete Heidi Holdener, Geschäftsführerin von Murikultur kürzlich die Podiumsdiskussion.

Ein Physiker, ein Arzt und ein Abt diskutieren über den Glauben

Neben dem pensionierten Arzt und Autor Urs Pilgrim sassen der Physiker, Philanthrop und Autor Hans Widmer und der Abt des Benediktinerklosters Engelberg, Christian Meyer, auf dem Podium. Geleitet wurde das Gespräch von Olivia Röllin, bekannt aus der Sonntagssendung «Sternstunde Religion» des Schweizer Fernsehens.

Religion half seinen Patienten

Während der Diskussion wurde der Titel von Pilgrims Buch «Was hilft?», immer wieder Thema. Obwohl alle drei Gäste eine ganz eigene Art von Glauben praktizieren, waren sie sich einig, dass Religion und Spiritualität neben der Medizin tatsächlich der körperlichen Gesundheit zuträglich ist. «Wissenschaft und Glaube ist eine grosse Schnittmenge», erklärte Urs Pilgrim. Als Arzt habe er ständig erlebt, wie Religion seinen Patienten geholfen habe. «Gott ist in die Wissenschaft nicht einzuschliessen, aus dem praktischen Alltag aber nicht auszuschliessen», betonte er.

Der Glaubensinhalt sei dabei gar nicht so wichtig, so Pilgrim. «Ich selbst suche den Himmel in den Menschen. Aber wenn sie ihn da oben suchen und es ihnen hilft, um Himmelswillen, bleiben sie dabei.» Dem konnte auch Abt Christian Meyer zustimmen: «Für mich gehört da auch nicht ein hochtheologisches Gedankengebäude dazu, sondern das eigene Fundament, die ganz persönliche Beziehung zu Gott.»

Bei der nächsten Diskussion gibt es Pizza und Bier

Physiker Hans Widmer findet diese spirituelle Hilfe im Yoga, das er regelmässig praktiziert und deren Wirkung er mit Wissenschaft zu erklären weiss: «Wir sind während der Evolution durch unendliche viele Versuche und Irrtümer gegangen und was wir heute erben, ist das Funktionierende. In dir drin ist alles angelegt, um zu funktionieren. Das Fundament ist Wissenschaft. Es ist hier und ich spüre es.»

Grinsend fragt er Meyer: «Verstehst du das?» Dieser antwortete keck: «Das ist mir Wurst. Es tönt schön, aber für mich stimmt der Glaube, den ich immer gelebt habe.» Mit seinem Humor sorgte Christian Meyer mehr als einmal für Lacher. So änderte er kurzerhand ein Zitat eines berühmten Reformators ab: «Die Angstmacherei in der Kirche ist ein grosses Defizit. Das ist wirklich ein Problem, denn wie schon Martin Luther sagte: Aus einem verklemmten Arsch kann kein gelöster Furz kommen.»

Die Gäste hätten noch lange weiter diskutieren und das Publikum viele Fragen stellen können, sodass Heidi Holdener sich eine Fortführung der Diskussion durchaus vorstellen konnte. «Das nächste Mal gebt ihr uns einen Tisch mit Pizza und Bier», schlug Christian Meyer lachend vor.

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