Wohlen
Aus der Putzfrau wird die Bundeskanzlerin

Kantischüler schrieben und produzierten ihr eigenes Werk.

Ladina Buess (Text und Fotos)
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Wagenknecht
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Bundeskanzlerin
Theater der Kantonsschule Wohlen
Politiker
Politikeraktiv

Wagenknecht

Ladina Buess

Im Rondell der Kantonsschule Wohlen begrüssten gelbe Buchstaben die eintretenden Zuschauer. «Die Bundeskanzlerin» heisst das neue Theater der Kantonsschüler, am vergangenen Wochenende wurde es dreimal in der Aula aufgeführt. Die Organisatoren, Techniker sowie Schauspieler sind alles Wohler Kanti-Schüler. Da es für Kantonsschüler nur alle drei Jahre die Möglichkeit gibt, das Freifach Theater zu wählen, haben sich einige Theaterbegeisterte letzten August ganz einfach selbst organisiert, um schon dieses Jahr wieder ein Stück aufführen zu können.

Der Anstoss dafür kam von Schüler Pascal Bernhard. Er besucht die vierte Klasse und hat bereits in verschiedenen Theatern mitgespielt, unter anderem in einer Theatergruppe in Zürich. Auch die Schauspieler haben teilweise schon Theatererfahrung. Zusammengekommen ist die Gruppe Anfang des Schuljahres 2016/17 – da haben die ersten Planungen und Überlegungen stattgefunden. Drei Schülerinnen übernahmen das Bühnenbild, jemand die Technik und Bernhard die Regie. Die restlichen neun standen als Schauspieler
bereit. Einmal in der Woche kam die Gruppe zusammen, um das Stück
einzuüben.

Vergangenes Wochenende war es nun so weit, die drei Aufführungen standen vor der Tür. Doch von Nervosität war während des Theaters nichts zu spüren. Mit starken Stimmen und überzeugenden Rollenspielen brachten die Schauspieler das Publikum zum Lachen und oft auch zum Nachdenken.

Von der Putzfrau zur Politikerin

Das ganze Stück dreht sich um die Putzfrau Wagner, die durch einen Unfall ins Koma fällt. Als sie im Spital nach einer Woche wieder aufwacht, glaubt sie von sich selbst, sie sei die Bundeskanzlerin. Das Pflegepersonal des Spitals lässt sich irgendwann auf das Spiel ein und spricht die Patientin auch noch als Bundeskanzlerin an. Noch bizarrer wir es, als die Arbeitskollegen von Angela Wagner, ebenfalls Putzpersonal, zu den Politikern Steinbrück, Wagenknecht und Petri werden, die sich lauthals über das Krankenbett der Bundeskanzlerin über politische Themen auslassen. Die Handlung spitzt sich zu und Diskussionen über Deutschlands Rolle in der EU, den Flüchtlingszustrom und die Arbeitslosigkeit rücken in den Mittelpunkt.

Das Stück bekommt eine überraschende Wende, als die Moral, ganz in Schwarz gekleidet, als Figur auftritt. In einem eindrücklichen Monolog spricht sie zum Publikum. Kurz darauf wird
sie jedoch vom Geist des Populismus, dargestellt in Weiss, vertrieben und
getötet.

Inspiration aus dem Internet

Mit viel politisch zeitgenössischem Witz unterhielt das Theater von Anfang bis zum Schluss. Bei der Frage, was der junge Regisseur Bernhard den Zuschauern gerne vermitteln will, schmunzelt er erst, wird danach jedoch ernst. «Es geht mir eigentlich darum, dass der Populismus immer als Fremdkörper wahrgenommen wird, anstatt dass man sein Erscheinen auf sich selber bezieht.» Bernhard hat die Inspiration für sein Stück im Internet gefunden, und daraus ein völlig eigenes Drehbuch geschrieben.

Sich selber besser kennen lernen

Der Drang zu schauspielern ist in der Gruppe stark zu spüren. Es sei abwechslungsreich, in eine andere Rolle zu schlüpfen und jemand anderen zu verkörpern, so Johannes Lienhard, der mit Angela Wagner die Hauptrolle gespielt hat. Andere bekräftigen diesen Gedanken. Sie geniessen es, auf der Bühne und im Theater Dinge machen zu können, die man sonst nicht macht. So etwa vertreibt der Geist des Populismus die Moral mit einem durchdringenden Schrei mitten auf der Bühne. Die Schauspieler sind davon überzeugt, dass man sich selber besser kennen lernt, indem man andere Figuren spielt und sich damit auseinandersetzt. «Die Bundeskanzlerin» ist den Schülerinnen und Schülern schauspielerisch wie thematisch wirklich gelungen. Man kann sich nur darüber freuen, dass man nicht drei Jahre auf das nächste Stück der Kanti Wohlen hatte warten müssen.

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