Bremgarten
Ausverkauf: Kultladen «Something Special» schliesst – Besitzer zieht es an die Ostsee

Michael Brewer und Remo Döhr schliessen ihren Laden «Something Special» in Bremgarten und ziehen ins «Himmelreich» – ein Boutique-Hotel auf Rügen.

Christian Breitschmid
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Michael Brewer (links) und Remo Döhr stehen mitten im Ausverkauf ihres «Something Special». , des Ladens, der seit 2015 Wohn- und Cafékultur in die Altstadt von Bremgarten zauberte.
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Der Laden zauberte seit 2015 Wohn- und Cafékultur in die Altstadt von Bremgarten.
Impressionen aus dem Laden.
Impressionen aus dem Laden.
Impressionen aus dem Laden.
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Impressionen aus dem Laden.
Something Special in Bremgarten
Impressionen aus dem Laden.

Michael Brewer (links) und Remo Döhr stehen mitten im Ausverkauf ihres «Something Special». , des Ladens, der seit 2015 Wohn- und Cafékultur in die Altstadt von Bremgarten zauberte.

Sandra Ardizzone

Auf der Suche nach dem ganz speziellen Mitbringsel zu einer Einladung oder der passenden Dekoration für die eigene Wohnung lohnte sich in Bremgarten der Gang ins «Something Special». An der Marktgasse 20 fanden Freunde des Vintage-Chics alles, was ihr Herz begehrte – und bekamen dazu noch eine Tasse Kaffee und hausgemachtes Gebäck serviert.

Doch das Schlaraffenland für Auge und Gaumen schliesst nun seine Pforten. «Das wollten wir zwar nicht», sagt Michael Brewer, der zusammen mit seinem Ehemann, Remo Döhr, vor vier Jahren dieses Wohnkultur-Café eröffnet hat, «aber das Haus wurde verkauft und man hat uns gekündigt.» Zuerst hätten sie in Bremgarten und Umgebung, dann in der ganzen Schweiz nach einem passenden Ort für ihr Geschäft gesucht, «doch die Preise sind in den letzten Jahren dermassen gestiegen, dass wir nichts bezahlen konnten, was unseren Vorstellungen entsprochen hätte.»

Über Google nach Rügen

In Thailand wurden sie dann fündig, und zwar auf Google: «Wir haben in den Ferien das Internet nach möglichen Orten durchsucht. Da entdeckten wir Rügen. Ich wollte unbedingt ans Meer, denn ich bin auf Long Island in New York aufgewachsen.» Und mit breitem Grinsen ergänzt Brewer: «Rügen hat mich sehr an meine alte Heimat erinnert – nur die Architektur ist anders, und es gibt da weniger Leute.»

Liebe auf den ersten Blick

Zwei Wochen später fuhren sie zum ersten Mal auf die Ostseeinsel. Obschon es mitten im Winter war und «so kalt, dass man nach zehn Sekunden am Strand durchgefroren war», wie sich Brewer erinnert, war es Liebe auf den ersten Blick. «Wir waren dann noch einige Male dort und haben uns entschieden, etwas im Landesinneren zu suchen», erzählt der 61-jährige Künstler und Geschäftsmann, der auch eine eigene Text-und-Bild-Agentur betreibt (www.wordandimage.ch). Zusammen mit seinem Mann hat er ein Geschäftsmodell auf der Basis von «Something Special» erarbeitet, mit genauen Vorstellungen davon, wie dieser Ort auszusehen hätte.

Anschliessend schrieben sie 60 Makler auf Rügen an, ob sie ein passendes Objekt zu verkaufen hätten. «Wir haben die 60 Mails verschickt, und eine Viertelstunde später rief uns jemand an, der sagte, er hätte genau, was wir suchten.» Der Mann am Telefon habe geweint, als er ihnen erklärte, dass seine Familie ihren Hotelbetrieb in Zirkow aufgeben wollte, weil es ihnen zu viel würde, erinnert sich Brewer an diesen ersten Kontakt. «Noch am Telefon hat er zu uns gesagt: ‹Ich heisse Tom.› Und dann hat er uns seinen Betrieb geschildert. Wir fuhren hin und waren total überwältigt. Ein wunderschönes Haus mit gewaltig viel Umschwung. Im vergangenen November haben wir den Vertrag unterzeichnet.»

Was man sieht, ist zu kaufen

Es scheint, als hätten Michael Brewer und Remo Döhr auf Rügen tatsächlich ihr «Himmelreich» gefunden. Unter diesem Namen (www.himmelreichruegen.com) eröffnen sie im April ihr Boutique-Hotel mit Restaurant, Wellnessbereich und natürlich einem Shop, der noch grösser und vielfältiger wird, als der in Bremgarten. «Wir haben da 400 Quadratmeter allein für den Laden», freut sich Brewer, «und im Hotel, Restaurant und Wellnessbereich gilt das Konzept ‹Shop in Room›. Wer also Möbel sieht, die ihm gefallen, oder Geschirr oder Dekogegenstände, kann die auch kaufen.»

Ja, Bremgarten werden sie vermissen, sagen die zwei vom «Something Special», vor allem die Menschen. «Wir hatten eine grosse Stammkundschaft. Viele kamen jeden Tag zu uns, um einen Kaffee zu trinken und etwas die Seele baumeln zu lassen», erzählt Brewer, und während er spricht, geht hinter ihm immer wieder die Ladentür und es kommen Kunden, um noch eine Erinnerung zu kaufen oder einfach, um Abschied von Michael, Remo und ihrer Jack-Russel-Hündin Lilly zu nehmen. Viele Schweizer Freunde des Paares haben sich bereits für einen Besuch im «Himmelreich» angemeldet, was den zwei Auswanderern den Trennungsschmerz etwas erleichtert.

«Für unsere Schweizer machen wir dann Raclette auf Rügen», lacht Brewer und zeichnet schon das entsprechende Plakat in die Luft. Das «Himmelreich» soll im durchweg deutschsprachigen Rügen auch ein Ort werden, wo sich Englisch sprechende Gäste willkommen fühlen. Es wird zudem ein offenes Haus sein für die ganze schwul-lesbische Gemeinschaft.

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