Wie lebt es sich wohl hinter diesen dicken Vorhängen? Wie sieht es hinter den Hecken im Park aus? Diese Fragen werden sich Generationen von Menschen gestellt haben, die in Muri an der Anfang des letzten Jahrhunderts erbauten Villa Wild vorbeigekommen sind.

Nun ermöglichen drei Künstlerinnen durch ihre Ausstellung «Behind the Curtain» einen Einblick. Einen mehrfachen sogar, denn Michaela Allemann, 54, Muri, Inés Hubacher, 63, Greppen, und Carmela von Arx, 48, Emmenbrücke, beziehen die Villa und ihren darin noch spürbaren Zeitgeist wie auch den Park mit seinen Blumen und Bäumen in ihre Kunstinstallationen mit ein. «Wir veranstalten nicht nur eine Ausstellung, sondern bringen unsere Kunstwerke in Dialog mit Bestehendem aus der Villa. So erzählen wir neue Geschichten», erklären die drei Kunstschaffenden, die seit 16 Jahren in Emmenbrücke, zusammen mit zwei weiteren Frauen, ein Atelier führen.

Villa muss wohl bald einer Überbauung weichen

Die Ausstellung «Behind the Curtain» soll eine Hommage sein an die Villa, die wohl bald einer neuen Überbauung weichen muss, wie auch an den Park, dessen Bäume gefällt werden. So werden im Park der Teich und der danebenstehende Kastanienbaum verspiegelt. Inés Hubacher hat im ersten Stock auf die Wandplättli des Badezimmers Drucke geklebt, welche sie mithilfe von Duschkappen erstellt hat. Einige Zusammenhänge haben sich aber auch unvorhergesehen ergeben: Michaela Allemann plante Arbeiten mit Tulpenblättern und stiess beim Einrichten in einem Geschirrschrank auf einen Terrinendeckel mit einem Griff in Tulpenform. Zudem lag im ehemaligen Chefzimmer im obersten Stock ein Plastiktulpenstrauss. Beide fügte Michaela Allemann in ihre Arbeiten ein.

Die Installationen im Park und im Parterre der Villa widmen sich vor allem dem Thema Natur. Inés Hubacher hat von den Stämmen der alten Bäume, die nicht mehr lange stehen werden, Papierabdrucke erstellt, Carmela von Arx zeigt Aufnahmen von Pflanzen. Diese kombiniert sie mit Frauengesichtern, verschleiert oder in einem Käfig gefangen, und leitet damit zum Thema im ersten Stock weiter, der Stellung der Frau. Hier zeigt Inés Hubacher zum Beispiel ein Hochzeitskleid aus Verpackungsband, das nicht nur den «schönsten Tag im Leben einer Frau» symbolisiert, sondern auch den starren Panzer, der sich daraus ergeben kann. Welche Träume und Wünsche hatte wohl Emilie Wild, die Witwe des Fabrikanten Otto Wild, die bis vor wenigen Jahren noch zusammen mit ihrer Haushälterin in der Villa gewohnt hat? Michaela Allemann, die seit 34 Jahren in Muri wohnt, hat im Schlafzimmer über dem Bett Zettel mit Gedankenfetzen aufgehängt. Diese wehen zum Fenster hinaus, Richtung Bahnhof und in die Welt hinaus.

Publikumsbeitrag kommt in eine Zeitkapsel

Im obersten Stock der Villa befindet sich das Chefzimmer. Immer noch mit Pult und Tresor ausgestattet. Dort haben die Künstlerinnen Schreibmaschinen aufgestellt, damit die Besucherinnen und Besucher ihre Gedanken festhalten können. Denn bei der Ausstellung sollen die Gäste mitwirken.

So können sie sich selbst in einem Bilderrahmen im Garten in Szene setzten. Als Erinnerung gibt es ein Polaroidfoto, das entweder mit nach Hause genommen oder zusammen mit den auf der Schreibmaschine geschriebenen Gedanken in eine Zeitkapsel eingeschlossen werden kann. Diese wird am 1. September dem Gemeinderat übergeben und soll bei der Grundsteinlegung in die neue Überbauung eingemauert werden. Verschiedene Veranstaltungen ergänzen die Ausstellung. Am 24. August findet ein Gespräch mit zwei Philosophinnen aus Zürich und am 31. August ein Familienpicknick mit Kunstparcours statt.