Widen
Bauernfamilie ist für Einzonung, weil Schräghang schwierig nutzbar ist

Am 9. Februar kommt es zur Rebberg-Abstimmung in Widen. Die Landwirt- und Miteigentümerfamilie Ernst ist direkt betroffen, gehört ihr doch ein Drittel des Rebbergs.

Lukas Schumacher
Merken
Drucken
Teilen
Die zwei Generationen der Landwirtfamilie Ernst mit Franziska und Martin (links) sowie Maria und Heinrich (rechts). sl

Die zwei Generationen der Landwirtfamilie Ernst mit Franziska und Martin (links) sowie Maria und Heinrich (rechts). sl

Ins politische Tauziehen um die Einzonung von einer Hektare Land im Rebberggebiet ist die Landwirtefamilie Ernst direkt involviert. Ihr gehört rund ein Drittel des Rebberg-Hangs, um den sich die Wider Referendumsabstimmung vom 9. Februar dreht; je die Hälfte der restlichen Hangfläche ist im Besitz der Familie Leuenberger und der Erbengemeinschaft Studer und Neeser.

Der 32-jährige Martin Ernst und Ehefrau Franziska Ernst führen den mittelgrossen Landwirtschaftsbetrieb in der dritten Genaration, wobei sie von den Eltern Heinrich und Maria Ernst unterstützt werden. Als einzige Landwirtfamilie in Widen betreiben die Ernsts Milchwirtschaft mit 25 Kühen. Die Kühe und 20 Aufzuchtrinder bilden den Haupterwerbszweig des Betriebs.

«Landwirtschaftlich kaum nutzbar»

Einig ist sich die Familie in einem wichtigen Punkt: «Wir wären gegen eine Einzonung, wenn es sich um ebenes, wertvolles Landwirtschaftsland handelte, auf dem man auch Ackerbau betreiben könnte.» Der Schräghang sei aber landwirtschaftlich schwierig nutzbar. Mit dem Motormäher komme man kaum durch, und wenn die Kühe hier weideten, könnten sie sich wegen des abschüssigen Terrains nicht hinlegen, um zu verdauen.

Dass sich die Gegner der Einzonung auf den Natur- und Landschaftsschutz berufen, habe man zur Kenntnis genommen, sagt die Landwirtfamilie, und fügt hinzu: «Auch uns liegt der Natur- und Landschaftsschutz sehr am Herzen, er gehört bei uns zur täglichen Arbeit.» Seit Beginn mache man bei IP-Suisse mit, produziere tiergerecht und umweltschonend. Auch um die Biodiversität, dem Schaffen von Lebensräumen für viele Tiere und Pflanzen, bemühe man sich stark, genau wie zahlreiche andere Landwirte.

«Weit abseits gelegen?»

Wenig anfangen kann die Landwirtfamilie mit dem Argument von Gegnern, der Hang sei weit abseits gelegen, die Wege zum Einkaufen, in die Schule und zur Kirche seien zu lang. «Es gibt in Widen Wohngebiete, die weiter entfernt vom Schuss sind als das Rebberggebiet.» Zudem sei das Gebiet für den Autoverkehr gut erschlossen und die neue Bahnhaltestelle Heinrüti könne man zu Fuss in ungefähr fünf Minuten erreichen.

Falls Widen am 9. Februar Ja zur Einzonung sagen sollte, würde der Landwert stark steigen. Der heutige Preis fürs Landwirtschaftsland am Hang liegt bei rund 8 bis 10 Franken je m. Der Baulandpreis an diesem Südhang mit prächtiger Aussicht dürfte über 1000 Franken pro m2 betragen. «Selbstverständlich würden wir dann einiges Geld verdienen», räumt die Landwirtfamilie ein. Abzüglich Mehrwertabgabe an die Gemeinde und Grundstückgewinnsteuer bliebe ein schöner Batzen, der grösstenteils in den eigenen Betrieb gesteckt würde. «Im Fokus stünden dann Ersatzinvestitionen zur Sicherstellung der betrieblichen Zukunft», teilt der junge Landwirt Martin Ernst mit, «wir könnten einen Unterhalt unserer Gebäude und einen Kauf von gutem, ebenen Landwirtschaftsland in einer Nachbargemeinde ins Auge fassen.»