Boswil
Beerpong – mehr als ein Trinkfest für Trinkfeste

Im «Chillout» in Boswil fand zum ersten Mal ein Beer-Pong-Turnier statt. Beerpong ist ein Trink- und Geschicklichkeitsspiel, bei welchem Ping-Pong-Bälle in Becher geworfen werden müssen.

Patrick Züst
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Natalie (links) und Elena haben vor rund zwei Jahren zum ersten Mal Beer Ponggespielt. Patrick Züst

Natalie (links) und Elena haben vor rund zwei Jahren zum ersten Mal Beer Ponggespielt. Patrick Züst

Patrick Züst

Mit einer fast schon apathischen Ruhe wirft Elena den Tischtennisball. Im Visier hat sie den letzten verbleibenden Plastikbecher ihrer Gegner. Zusammen mit Teamkollegin Natalie verfolgt sie die Flugbahn des Balls: wie er sich langsam senkt, wie er auf den Tisch aufprallt, wie er schliesslich im roten Plastikbecher landet. Die beiden Wohlerinnen fallen sich jubelnd in die Arme.

Mit diesem Treffer sichern sie sich ihren zweiten Sieg. Darauf stossen sie an. Zwei Liter Bier haben sie gemeinsam zu diesem Zeitpunkt schon getrunken, acht weitere Liter würden noch folgen, falls sie ihr Ziel vom Finaleinzug erreichten.

Natürlich trinken das die jungen Frauen nicht alles – könnten sie wohl auch gar nicht. Trotz dem Training. Beer Pong wird in ihrem Freundeskreis nämlich regelmässig gespielt. Am vergangenen Samstag nahmen sie zum ersten Mal gemeinsam an einem Turnier teil. Dabei stand nicht der Alkohol, sondern das Spiel selbst im Vordergrund.

Seit Jahren ist Beer Pong eines der beliebtesten Partyspiele. Zwei Teams à zwei Spieler treten gegeneinander an, jedes Team mit zehn Plastikbechern und einem Liter Bier pro Runde. Ziel ist es, einen Tischtennisball von der eigenen Seite in einen Becher des gegnerischen Teams zu werfen. Wenn ein Becher getroffen wird, wird dieser ausgetrunken und aus dem Spiel entfernt. Wer keine Becher mehr hat, verliert.

Freiämter Beer Pong Hype

Das ursprünglich aus den USA stammende Trinkspiel durchlief in der Schweiz eine erstaunliche Entwicklung. Die SSOBP (Swiss Series of Beer Pong) organisierte vor fünf Jahren zum ersten Mal eine Beer-Pong-Schweizer-Meisterschaft.

Unterdessen findet in der Nordwestschweiz fast jedes Wochenende ein Wettkampf statt – am vergangenen Samstag zum ersten Mal im «Chillout» Boswil. Mit 128 Teilnehmern gehörte der Anlass zu den grössten Turnieren der Schweiz.

«Die Freiämter sind begeisterte Beer-Pong-Spieler», sagt Organisator Roman Loosli. In den vergangenen Monaten habe sich ein richtiger Hype um das Spiel entwickelt. Gemäss OK könne man bei Beer Pong von einem Sport sprechen: «Es geht auf jeden Fall in diese Richtung. Gefragt sind Geschicklichkeit, Konzentration und mentale Stärke. Der Alkohol steht dabei nicht im Zentrum, spielen kann man auch mit Wasser», sagt Loosli.

Sportlerinnen seien sie sicher noch nicht, finden Elena und Natalie. Als Team «Öl, eller?» geht es ihnen beim Beer Pong vor allem um den Spass und um das gemütliche Zusammensein. Und natürlich um das Bier. Ganz andere Ambitionen haben ihre nächsten Gegner. Sie sind amtierende Schweizer Meister und wollen sich mit einem Sieg im «Chillout» eine Teilnahme an der Beer-Pong-Europameisterschaft in München sichern. Gegen die beiden Wohler Amateurspielerinnen setzen sie sich problemlos durch. Für Elena und Natalie ist das jedoch kein Grund zur Resignation. Viel eher wollen sie jetzt noch härter trainieren. Im September steht ihr Heimturnier im Wohler Chappelehof an. Und dort wollen sie ganz vorne mitspielen. Als Sportlerinnen.