Muri
Beratungsstelle: Konflikte in Familien und Beziehungen nehmen stark zu

Die Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Bezirks Muri sieht sich mit mehr mittel- und langfristigen Fällen konfrontiert. Erziehungsprobleme, aber auch Streitigkeiten in Beziehungen und Familien sind die Gründe.

Eddy Schambron
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Familiäre Konflikte und Beziehungsprobleme haben zugenommen. Darunter fällt auch häusliche Gewalt. (Symbolbild)

Familiäre Konflikte und Beziehungsprobleme haben zugenommen. Darunter fällt auch häusliche Gewalt. (Symbolbild)

Gewalt.niz

Der Beratungsaufwand bei der Jugend-, Ehe- und Familienberatung des Bezirks Muri steigt und steigt. Im letzten Jahr waren es gut zehn Prozent. Grund dafür ist die zunehmende Komplexität der Lebenslagen vor allem von Jugendlichen und jungen und alleinerziehenden Müttern, wie Stellenleiter Peter Wiederkehr im Jahresbericht 2013 festhält.

Die kurzfristigen Fälle haben stark ab-, die mittel- und langfristigen hingegen zugenommen. 2013 wurden 460 (Vorjahr: 480) Dossiers behandelt. In den Beratungsprozess waren 1340 (1337) Personen miteinbezogen. Der Beratungsaufwand stieg von 2052 Stunden im Vorjahr auf 2265 Stunden.

Probleme in der Familie

Stark zugenommen haben familiäre Konflikte, Beziehungs- und Erziehungsprobleme. «Grundsätzlich widerspiegelt die Zunahme der Fälle nicht nur die qualitative und quantitative Bevölkerungszunahme, sondern auch die höhere Beratungsnachfrage von Eltern, die durch die Individualisierung und Pluralisierung und den damit einhergehenden Krisen (zum Beispiel Scheidung, aber auch Wohnorts- und Arbeitsstellenwechsel) ausgelöst werden», hält Wiederkehr fest.

Auch die Ansprüche an die Erziehungskompetenz der Eltern an sich selber, an die Förderung der Kinder durch Schule und Gesellschaft seien markant gestiegen und würden teilweise mit Gefühlen des Versagens, des Unvermögens und des Nichtgenügens einhergehen, die wiederum neuen Stress verursachen können.

Beratungsstelle: Mehr Stellenprozente notwendig

Die Inkraftsetzung des Kindes- und Erwachsenenschutzrechts (KESR) hat einen wesentlichen Einfluss auf die Beratungstätigkeit der Jugend-, Ehe- und Familienberatungsstelle. Vor einem Jahr nahm der Vorstand für die zu erwartende Mehrbelastung 20 zusätzliche Stellenprozente ins Budget. Trotz bewusster Zurückhaltung und wirtschaftlicher Überlegungen sehe sich das Familiengericht aber gezwungen, vermehrt Sozialabklärungen in Auftrag zu geben.

«Da sich die Jugend-, Ehe- und Familienberatungsstelle für solche Arbeiten empfiehlt, die regionalen Verhältnisse kennt und schliesslich kostengünstiger als Privatanbieter arbeitet, wurden im vergangenen Jahr 22 Gutachten verfasst, was 50 Stellenprozente beanspruchte», hält Cornelia Kuster Kaufmann, Präsidentin des Vereins Familienberatung Bezirk Muri, fest. Nicht selten ordne das Gericht aufgrund der Sozialabklärungen und Verhandlungen Erziehungsbeistandschaften an, die ebenfalls von der JEFB übernommen würden. Aus diesem Grund sei es unausweichlich, dass der Vorstand auf das Budget 2015 eine Zunahme von 50 auf 300 Stellenprozente beantragen müsse. Das KESR sei in Kraft, das Familiengericht installiert, die Situation irreversibel. «Die Folgekosten, deren Höhe im Vorfeld nur geahnt, aber nicht exakt beziffert werden konnten, sind vom Gemeinwesen zu tragen.» (ES)

Widersprüchliche Tendenzen gibt es in den Bereichen Vermittlung von Sachhilfen, Finanzen, Probleme in Schule und Lehre (wahrscheinlich beeinflusst vom Ausbau der Schulsozialarbeit), Sucht, häusliche Gewalt sowie eine Abnahme bei den Pflegeplatzvermittlungen.

Die Zahl der Geburten im Bezirk Muri war mit 345 (–4,4 Prozent) seit 2008 erstmals wieder rückläufig. Mit 275 Eltern konnten die Mütter- und Väterberaterinnen einen Erstbesuch vereinbaren. «Vier von fünf Neugeborenen werden somit wenige Tage nach der Geburt daheim besucht und die Eltern erhalten fachliche Unterstützung und Sicherheit bei der manchmal turbulenten Phase der Familiengründung oder -erweiterung», halten Brigitte Hurst, Priska Kaufmann, Manuela Meyer und Doris Streit fest.

Dass viele Eltern froh und dankbar für diese unkomplizierte Art der Begleitung sind, würden die hohen Benutzerfrequenzen der Telefonberatung (1742) und Beratung in den ambulanten Beratungsstellen in den Gemeinden oder im Familienzentrum in Muri (2352) zeigen. «Es ist unbestritten, dass durch die Unterstützung und Förderung der eigenen Bestrebungen der Familien, physisch und psychisch gesund zu bleiben, präventive und nachhaltige Arbeit geleistet wird.»

Vermittlung in Tagesfamilien

Der Statistik der Tagesfamilienvermittlung ist zu entnehmen, dass im letzten Jahr 24 (22) konkrete Anfragen eintrafen, 39 (35) Beratungen und 6 (7) Vermittlungen von abgebenden Eltern stattfanden. 13 (15) Tagesfamilien erklärten ihre Bereitschaft zur Übernahme, zudem erfolgten 37 (29) Beratungen, wie Tagesfamilienvermittlerin Heidi Baumgartner festhält.

Die Generalversammlung des Vereins Familienberatung Bezirk Muri findet am 7. Mai, 20.15 Uhr, im Hotel Ochsen in Muri statt. Gleichzeitig wird die Abgeordnetenversammlung des Gemeindeverbandes Kindes- und Erwachsenenschutzdienst Bezirk Muri abgehalten.

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