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Bez-Entscheid im Seetal: «Einfach absolut unverständlich – ausgerechnet die grösste Schule soll schliessen»

Der Regierungsrat hat im Schulknatsch im Seetal ein Machtwort gesprochen: Ab 2022 müssen die Bezler aus sieben Gemeinden andernorts in die Schule. Der Entscheid sorgt in Sarmenstorf für Unverständnis, in Fahrwangen ist man überrascht und enttäuscht. Seengen und Seon sieht man sich gewappnet.

«Eine Region kämpft für ihre Bezirksschule» war der Titel eines Briefes, der von der Verantwortlichen der Kreisschule Oberes Seetal Anfang Jahr in alle Haushalte der vier Verbandsgemeinden Bettwil, Fahrwangen, Meisterschwanden und Sarmenstorf verschickt worden ist.

Der Kampf ging verloren. Die Bezirksschule Fahrwangen wird spätestens am Ende des Schuljahres 2021/22 geschlossen. Die Schulkreise im oberen Seetal werden dannzumal neu definiert – was zu teilweise erklärungsbedürftigen Lösungen führt (siehe Grafik unten).

Danach werden die Bezirksschülerinnen und Bezirksschüler aus den vier Dörfern, die bisher in Fahrwangen unterrichtet wurden, in Seengen unterrichtet. 

Insbesondere für die Kinder aus Bettwil (dem höchstgelegenen Dorf im Aargau) wird der Schulwege markant länger.

Die Schüler aus Boniswil, Hallwil und Egliswil gehen künftig in die Bez Seon (bisher nur Seon und Dürrenäsch). Die Leutwiler aber weiterhin ins weiter weg gelegene Seengen. Der Grund: Sie haben dorthin eine direkte Postautoverbindung.

Die Bezirksschule Fahrwangen wird spätestens im Sommer 2022 geschlossen. Dann werden die Schulkreise neu definiert.

Die Bezirksschule Fahrwangen wird spätestens im Sommer 2022 geschlossen. Dann werden die Schulkreise neu definiert.

«Einfach absolut unverständlich»

Was heisst das für Sarmenstorf, jene Gemeinde aus dem Bezirk Bremgarten, die seit Jahrzehnten einen ansehnlichen Teil der Schüler an der Bez Fahrwangen stellt: «Ich kann und mag den Entscheid zurzeit nicht kommentieren. Vorerst müssen alle Fakten bekannt sein, dann wird der Gemeinderat Sarmenstorf eine Stellungnahme abgeben», erklärt der sehr enttäuschter Gemeindeammann Bruno Winkler.

Er verweist auf Patrick Fischer, der als Gemeindeammann der Standortgemeinde Fahrwangen und Präsident des Kreisschulvorstandes gegenüber den Medien für alle Kreisschulgemeinden Stellung nehmen werde. Es sei vieles noch nicht klar, sagte Winkler, etwa die detaillierten Gründe, die zum Entscheid geführt hätten, oder das Transportproblem für die Schüler aus Sarmenstorf und vor allem auch aus Bettwil, der höchstgelegenen Aargauer Gemeinde: «Es ist einfach ein absolut unverständlicher Entscheid. Ausgerechnet die grösste der drei Bezirksschulen im Seetal soll schliessen.»

«Der Verlust der Schule schmerzt»

Die Verantwortlichen wussten seit 2014, dass der Kanton eine der drei Bezirksschulen im oberen Seetal schliessen will. Und auch, dass dabei die Bez Fahrwangen nicht die besten Karten hatte. Weil sich die Seetaler Gemeinden selber nicht entscheiden konnten, welche Schule dichtgemacht werden soll, hat das jetzt der Regierungsrat für sie getan.

Die Schulkreise im oberen Seetal werden spätestens 2022 neu definiert. Die Schüler aus Boniswil, Hallwil und Egliswil gehen künftig in die Bez Seon, die bisher nur von Schülern aus Seon und Dürrenäsch besucht wird. Leutwiler Schüler gehen wie bisher nach Seengen, weil sie dorthin eine direkte Postautoverbindung haben. Alle Schüler, die bisher in Fahrwangen unterrichtet wurden, müssen neu nach Seengen.

«Das habe ich so nicht erwartet. Ich bin enttäuscht», erklärt Patrik Fischer. Der Kreisschulverband Oberes Seetal, den der Gemeindeammann von Fahrwangen präsidiert, betreibt neben der Bezirksschule in Fahrwangen auch die Sekundar- und Realschule in Sarmenstorf und Meisterschwanden. Fischer betont in seiner Funktion als Kreisschulpräsident: «Wir müssen jetzt erst einmal den Entscheid genau analysieren.»

Wird es künftig in Fahrwangen leerstehende Schulräume geben? Das ist noch unklar. Denkbar ist, dass innerhalb der Kreisschule die verbleibenden Oberstufen-Klassen neu verteilt werden. Fischer sagt ganz allgemein: «Man wird in der Region über die Bücher gehen.»

«Zusätzliche Radwege nötig»

Den Behörden der vier Gemeinden ist der regierungsrätliche Entscheid erst seit Dienstag bekannt. In ihrem Kampf um die Bez hatte der Kreisschulverband verschiedene Argumente in die Waagschale geworfen.

Die Kernaussagen im eingangs erwähnten Brief: «Die Bedeutung unserer Kreisschule ist für die Region nicht hoch genug einzuschätzen.»

Und: «Wird der Standort Fahrwangen aufgehoben, müssten zusätzliche Radwege zwischen den Standorten der Kreisschule und Seengen gebaut werden.»

Und: Das Einzugsgebiet der Bez Fahrwangen ist mit 8201 Einwohnern grösser als jenes von Seengen (8155) und Seon (6293).

Gesamtbeurteilung vorgenommen

Im März 2015 haben die die elf betroffenen Gemeinden die interkommunale Arbeitsgruppe «Bezirksschulstandorte Oberes Seetal» gegründet. Der Versuch, eine einvernehmliche Lösung zu erzielen, scheiterte. Ende 2016 übergaben die Seetaler das heisse Dossier an den Regierungsrat.

Dieser hat nun auf der Basis einer Gesamtbeurteilung, die durch das von Alex Hürzeler geleitete Bildungsdepartement vorgenommen wurde, entschieden, wie es in der Medienmitteilung heisst, die am Mittwoch verbreitet wurde.

Laut diesem Schreiben ist dank der Aufgabe von Fahrwangen und der Neudefinition der Schulkreise sichergestellt, «dass Seengen und Seon bei ähnlich bleibenden Voraussetzungen die rechtlichen Grundlagen langfristig erfüllen und als Standorte Bestand haben werden.»

Die Gesamtzahl der geführten Abteilungen bleibe unverändert, es müssten also keine Klassenlehrer entlassen werden. Aber es dürfte Synergieeffekte im Bereich der Nebenfächer geben, was zu Pensenreduktionen führen werde, schreibt das dafür zuständige Bildungsdepartement.

Genug Platz in Seengen und Seon

In Seengen und Seon herrscht Befriedigung über den Entscheid des Regierungsrates. Dort freut man sich, die Bezirksschule behalten zu können. Der Seenger Gemeindeammann Jörg Bruder ist zudem froh, dass die Blockade jetzt aufgelöst ist: «Damit können wir weiterplanen.»

Die Arbeitgruppe, die bisher von Bruder geleitet worden ist, wird ihre Tätigkeit wieder aufnehmen. Allerdings nicht gerade sofort: Denn Ende Jahr wird es in verschiedenen Gemeinderäten zu Wechseln kommen und die neuen Mitglieder müssen sich erst einarbeiten. Wird Seengen seine Bez jetzt ausbauen müssen? Gemeindeammann Bruder verneint: «Die Ressourcen für weitere Klassen sind vorhanden.»

Auch in Seon ist genügend Platz da. «Der Entscheid des Regierungsrates ist für uns sehr erfreulich», erklärt Gemeindeammann Heinz Bürki. «Wir können nachvollziehen, dass Fahrwangen darüber nicht glücklich ist. Es hätte auch uns treffen können.» Es sei jetzt wichtig, dass die Arbeitsgruppe reaktiviert werde und man den Beschluss gemeinsam umsetze – so, dass es keine Verlierer gebe.

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