Boswil
«Ich will beides nicht missen» – Boswilerin ist auf der grossen Bühne und im Leichtathletik-Stadion zu Hause

Für Serena Raffi geht es wieder los. Nach der Coronapause stehen für die Flötistin und Dreisprung-Schweizer-Meisterin innerhalb von wenigen Stunden gleich zwei Grosseereignisse an: Ein Konzert in der Alten Kirche Boswil und die Leichtathletik-Schweizer-Meisterschaft.

Pascal Bruhin
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Serena Raffi tritt zum ersten Konzert nach der Pandemie in ihrem Heimatdorf auf.

Serena Raffi tritt zum ersten Konzert nach der Pandemie in ihrem Heimatdorf auf.

Pascal Bruhin

Sie ist ein Multitalent, keine Frage. Und das, obschon sich Serena Raffi wohl kaum selbst als ein solches betiteln würde. Die bescheidene Boswilerin ist in mindestens zwei Welten zu Hause, und das auf allerhöchstem Niveau.

Am Donnerstagabend stand sie noch an der Seite von Starflötist Maurice Steger anlässlich des Boswiler Sommers auf der Bühne der Alten Kirche Boswil. Nicht einmal 24 Stunden später kämpfte sie an den Schweizer Meisterschaften der Leichtathletik in Langenthal um die Goldmedaille in ihrer Paradedisziplin, dem Dreisprung.

Beide Leidenschaften begleiten sie seit der Kindheit

Musik und Sport, oder Sport und Musik. Es sind diese zwei grossen Themen, die im Leben der 28-jährige Flötistin und Leichtathletin, oder eben Leichtathletin und Flötistin, die Hauptrolle spielen. Dieses Zweigespann begleitete sie von Kindesbeinen an. «Mit etwa fünf Jahren habe ich im Kindergarten angefangen, Blockflöte zu spielen», erinnert sich die sympathische Boswiler Künstlerin, die heute in Niederlenz wohnt.

Die Blockflöte begleitete Serena Raffi – hier kurz vor der Generalprobe im Künstlerhaus Boswil – schon von Kindesbeinen an.

Die Blockflöte begleitete Serena Raffi – hier kurz vor der Generalprobe im Künstlerhaus Boswil – schon von Kindesbeinen an.

Pascal Bruhin

Ungefähr gleichzeitig trat sie dem Turnverein Boswil bei. Raffi blickt schmunzelnd zurück:

«Ich war schon als Kind immer sehr aktiv. Der Turnverein war das passende Ventil dazu.»

Erst Jugi, dann Meitliriege, nebenher noch Ballettunterricht; es war der Weg, den viele andere Mädchen auch gingen.

«Liebe auf den ersten Blick» mit dem Dreisprung

Doch dann kam der wegbereitende Augenblick: «An einem U16-Turnier habe ich zufällig die Disziplin Dreisprung entdeckt», sagt sie. «Und es war Liebe auf den ersten Blick.» Seither widmet sich Serena Raffi diesem Sport, wechselte dafür zum Turnverein Wohlen. 2019 setzte der Gewinn der Goldmedaille an der Schweizer Meisterschaft ihrer sportlichen Karriere die vorerst wertvollste Krone auf.

Serena Raffi (rechts) anlässlich des Tägi-Meetings in Wettingen 2013.

Serena Raffi (rechts) anlässlich des Tägi-Meetings in Wettingen 2013.

Christian Boss (2013)

Ganz so unähnlich, wie es auf den ersten Blick scheint, seien ihre beiden Steckenpferde nicht. Raffi sagt: «Eine gewisse Körperspannung braucht es bei beidem, beim Dreisprung und beim Blockflötespielen.» Ihre Beziehung zu den beiden Steckenpferden in Ihrem Leben resümiert Raffi so: «Musik ist mein Beruf, der Sport ein zeitintensives Hobby.»

Bis zu 12 Stunden pro Woche trainiert sie

Drei bis vier Mal pro Woche trainiert sie jeweils rund drei Stunden im Stadion Niedermatten in Wohlen. An den Wochenenden bestreitet sie Wettkämpfe oder steht mit der Blockflöte auf der Bühne. Viel Zeit für weitere Hobbys bleibt da nicht. «Es ist nicht immer einfach, das optimale Gleichgewicht zu finden», schildert sie und fügt an:

«Aber mir ist es wichtig, dass beides Platz hat. Ich will beides nicht missen.»

Leben könnte Raffi indes weder von den Konzertauftritten, noch von den Gewinnsummen aus den Wettbewerben. «Ich bin froh, dass ich eine meiner Leidenschaften in meinem Beruf ausleben kann», sagt die Boswilerin. Sie arbeitet als Musiklehrerin an der Musikschule in Brugg.

Beruflich ist Serena Raffi als Musiklehrerin in Brugg tätig.

Beruflich ist Serena Raffi als Musiklehrerin in Brugg tätig.

Pascal Bruhin

In der Coronakrise zeigte sich das als Vorteil: «Ich war froh, dass wenigstens an der Schule der Betrieb weitgehend normal weiter lief», erläutert sie. Denn seit Ausbruch der Pandemie hatte sie – bis auf ein paar wenige Gottesdienste – keine Auftritte und auch kaum Wettkämpfe mehr. Dass es nun mit beidem fast gleichzeitig wieder los geht, freut die Boswilerin immens. Sie fügt aber an: «Es ist fast ein bisschen krass, dass es gleich mit so einem grossen Konzert und den Schweizer Meisterschaften wieder losgeht.»

Zittrige Hände sind im Sport weniger schlimm

Ob die Nervosität vor dem Konzert in der alten Kirche grösser war als jene vor der Schweizer Meisterschaft tags darauf? «Das ist schwer zu sagen.» Sie fügt an:

«Ich würde sagen, die Nervosität ist die gleiche, aber die Auswirkungen sind vielleicht unterschiedlich.»

So seien etwa zittrige Hände beim Blockflötespielen weitaus unangenehmer als vor einem Dreisprung-Wettkampf.

Zittrige Hände brauchte Serena Raffi denn auch vor keinem der beiden Ereignisse zu haben: Das Konzert in der alten Kirche Boswil war ein voller Erfolg. Und tags darauf holte sich die 28-Jährige in Langenthal zwar nicht die Goldmedaille, aber mit 12,12 Meter die bronzene hinter Marlen Schmid (12,12 Meter, TV Länggasse Bern) und Siegerin und damit Schweizer Meisterin Alina Tobler (12,85 Meter, LC Brühl Leichtathletik).

Serena Raffi vor dem ersten Sprung an der Schweizer Meisterschaft der Leichtathletik in Langenthal.

Serena Raffi vor dem ersten Sprung an der Schweizer Meisterschaft der Leichtathletik in Langenthal.

Screenshot: Livestream ubs-athletics.fans
Serena Raffi vor dem dritten Sprung an den Schweizer Meisterschaften im Dreisprung in Langenthal. Mit 12,12 Meter bescherte dieser ihr die Bronzemedaille.

Serena Raffi vor dem dritten Sprung an den Schweizer Meisterschaften im Dreisprung in Langenthal. Mit 12,12 Meter bescherte dieser ihr die Bronzemedaille.

Screenshot: Livestream ubs-athletics.fans

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