Boswil/Wissenbach
Der Wissenbach holt sich sein Tobel zurück – und die Gemeinde lässt ihn gewähren

Zwischen Boswil und dem Weiler Wissenbach gab es im Januar noch eine Verbindungsstrasse dem Bach entlang. Sie hatte ein schlechtes Jahr. Denn erst wurde sie durch umgestürzte Bäume unpassierbar gemacht und danach sogar komplett weggeschwemmt. Der Gemeindeammann verrät, was nun mit ihr passieren soll.

Andrea Weibel
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Die Strasse im Wissenbacher Tobel in Boswil wird nicht mehr instand gesetzt, nachdem sie wegen des Hochwassers verschüttet wurde. Spazieren gehen kann man hier aber schon bald wieder.

Die Strasse im Wissenbacher Tobel in Boswil wird nicht mehr instand gesetzt, nachdem sie wegen des Hochwassers verschüttet wurde. Spazieren gehen kann man hier aber schon bald wieder.

zvg/Michael Weber

Die Verbindungsstrasse dem Wissenbach entlang gibt es nicht mehr. Zumindest rund 200 Meter davon. Wer den kleinen, fröhlich plätschernden Bach betrachtet, kann sich kaum vorstellen, dass er den gesamten Strassenabschnitt mit sich gerissen haben soll. Doch die starken Regenfälle im Juli/August liessen das Bächlein zum reissenden Strom anschwellen.

Dass die Strasse weggeschwemmt wurde, stellte die Gemeinde nicht nur vor ein Problem, sondern löste auch eines. Denn eigentlich hätten die Forstarbeiter der Gemeinde ebendiesen Strassenabschnitt in den nächsten Monaten von unzähligen umgestürzten Bäumen befreien müssen. Sie lagen dort, seit die enormen Schneemassen im Februar sie entwurzelt und den steilen Abhang hinuntergedrückt hatten. Ausserdem hatte ein massiver Erdrutsch im vorderen Teil des Tobels das Bachbett zugeschüttet, sodass sich der Wissenbach auf mehrere Meter rückgestaut hatte.

Zusammen mit Vertretern des Kantons und des Forstbetriebs Region Muri nahmen Gemeinderat und Werkhof einen Augenschein vor Ort. Doch die Gefahr fürs Dorf war gering. Ausserdem besteht auf der Waldstrasse, die Boswil mit dem Weiler Wissenbach verbindet, sowieso ein Fahrverbot, ausgenommen für den Forstbetrieb. Also beschlossen die Involvierten, dass die Aufräumarbeiten nicht so sehr drängten, wie sie es an anderen Stellen im Wald taten. Das stellte sich im Nachhinein als clevere Entscheidung heraus.

Bachverbauungen wären zu massiv und zu teuer

Denn im Juli und August sorgten die starken Regenfälle dafür, dass es gar keine Strasse mehr gab, die hätte geräumt werden müssen. Gemeindeammann Michael Weber erinnert sich: «Im selben Schadensgebiet gab es einen noch grösseren Erdrutsch. Verbunden mit Hochwasser suchte sich der Wissenbach einen neuen Weg Richtung Tal und spülte den Waldweg auf einer Länge von rund 200 Metern komplett weg.»

Unzählige Bäume versperren den Weg – doch der ist teilweise gar nicht mehr vorhanden.

Unzählige Bäume versperren den Weg – doch der ist teilweise gar nicht mehr vorhanden.

zvg/Michael Weber

Weber hält fest, dass der Waldweg hauptsächlich von Fussgängern, Bikern, Jägern und Fischereipächtern benützt wird. Darum sowie aus Umweltschutzgründen hat der Gemeinderat entschieden, dieses Teilstück der Natur zu überlassen und auf ein Ausbaggern des Wissenbaches mit anschliessenden Bachverbauungen und massiven Hangsicherungsmassnahmen sowie der Wiederherstellung des Waldweges zu verzichten.

«Die Strasse wiederherzustellen, wäre eine grosse, aufwendige Arbeit mit einschneidenden Hangverbauungen. Auch finanziell wäre es ein Abenteuer», bestätigt Weber und betont:

«Stattdessen werden zwei parallel führende Waldwege so verbunden, dass Fussgänger das Wissenbacher Tobel bald wieder in seiner schönsten Pracht begehen und bestaunen können.»

Letzteres sollte wieder möglich sein, sobald die gröbsten Aufräumarbeiten durch den Forstbetrieb geschafft sind. Mitte Oktober soll damit begonnen werden. Weber hält fest: «In den kommenden Jahren wird ein forstbaulicher Massnahmeplan die gefährdeten Stellen aufzeigen. Dann wird der Forstbetrieb präventiv die rutschgefährdeten Hanglagen von zu grossen und schweren Bäumen entlasten.» Immer in Absprache mit der kantonalen Abteilung Wald und Wasserbau, betont er.

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