Wohlen
Bratwurst und Zuckerwatte sprengen am Herbstmarkt das Budget

Am Herbstmarkt hat sich die az auf eine Shoppingtour der speziellen Art begeben und dabei viel entdeckt.

nora güdemann
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Treffpunkt Herbstmarkt in Wohlen: Angebotsvielfalt an den Ständen entlang der Bünzstrasse, wo die Marktfahrer mit ihrer Ware beim Publikum auf grosses Interesse stossen. Fotos: Walter Christen

Treffpunkt Herbstmarkt in Wohlen: Angebotsvielfalt an den Ständen entlang der Bünzstrasse, wo die Marktfahrer mit ihrer Ware beim Publikum auf grosses Interesse stossen. Fotos: Walter Christen

Bis vor das az-Büro in der Zentralstrasse weht der charakteristische Marktgeruch, ein Gemisch aus Magenbrot, Marroni und Bratwürsten, und lockt uns vor die Tür, hinunter zur Bünzstrasse – mitten ins bunte Markttreiben: Lauter Stände säumen die Strasse, die Händler bieten allerlei Feinkost, Kleidung, Accessoires und Spielzeug an. Geld ausgeben kann man zur Genüge. Wir jedoch haben eine etwas speziellere Aufgabe gestellt bekommen: «Erkundet den Markt und gebt maximal 20 Franken aus.» Einfacher gesagt als getan.

Heilende Steine und eine Zither

Wir verschaffen uns zuerst einen groben Überblick über das Geschehen. Am diesjährigen Herbstmarkt fällt vor allem eines auf: Neben den zahlreichen Ständen, an denen normale Alltagskost und -gegenstände verkauft werden, gibt es auch viele mit alternativer Medizin, «Superfood» wie Quinoa oder speziellem Heil-Honig aus Neuseeland.

Ueli Worni, Marktfahrer aus Brunnadern, betreibt einen Stand mit Edelsteinen, von denen er einigen heilende Kräfte zuschreibt. So auch dem grünlichen Aventurin-Quarz. Dieser soll laut Worni hohen Blutdruck senken und dazu anregen, die eigenen Träume zu verwirklichen. Hört sich gut an. Drei Franken übergebe ich dem Verkäufer für den kleinen Anhänger. Er dankt mir lächelnd: «Die Leute haben Angst an die Stände zu kommen und zu schauen, weil sie denken man müsse sofort etwas kaufen. Aber für uns Marktfahrer geht es nicht nur ums Verkaufen, sondern auch darum, Gespräche zu führen und Kontakte zu knüpfen.» Das gefällt auch Ueli Schär am meisten auf dem Markt. Der 70-Jährige hat einen Stand der speziellen Art: Unter einem runden, durchsichtigem Plastikzelt sitzt er vor seiner Akkordzither und zupft an den Saiten. Schär erzählt seinem Publikum entweder Geschichten oder bietet Zitherlektionen an. Und das gratis. Passt ins schmale Budget. So schlecht würde ich mich gar nicht anstellen, sagt Schär und schmunzelt.

Manchmal spielt er vor Kindergartenklassen und erzählt ihnen, wie sehr ihm das Markttreiben gefällt. «Die Jungen müssen wieder mehr auf den Markt gehen!», ruft er. Weiter gehts zu einem Stand mit bunten, selbst gemachten Pop-up- Karten, wäre das nicht ein hübsches Geschenk? Gekauft für 10 Franken. Mit dem restlichen Geld gönnen wir uns eine typische Marktmahlzeit: Heisse Marroni. Bratwurst und Zuckerwatte zum Abschluss bezahle ich aus dem eigenen Sack. Dafür haben die 20 Schtutz vom Chef dann doch nicht gereicht.