Bremgarten
Anonyme Plakataktion in der Altstadt gegen «Marco Polo» – Betreiber reagieren mit offenem Brief auf Kritik

Am Wochenende sorgte eine Aktion mit Plakaten und einem Transparent gegen die Firma Marco Polo Business Apartments in Bremgarten für Aufsehen. Die Inhaber werden für ihr Geschäftsverhalten kritisiert. Das lässt Geschäftsführer René Holenweger nicht auf sich sitzen und nimmt öffentlich Stellung.

Marc Ribolla
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Plakat-und Transparentaktion gegen «Marco Polo» in der Bremgarter Altstadt beim ehemaligen Hotel Drei Könige.

Plakat-und Transparentaktion gegen «Marco Polo» in der Bremgarter Altstadt beim ehemaligen Hotel Drei Könige.

Bild: Dominic Kobelt

Er habe ziemlich stark gestaunt, als er am Karfreitag in die Bremgarter Altstadt reinspaziert sei, sagt René Holenweger zur AZ. Der Geschäftsführer der Marco Polo Business Apartments AG erklärt dazu: «An fast jedem Fenster und Laden hing ein Plakat. Sowie ein Transparent am Gerüst beim ehemaligen Hotel Drei Könige.»

Auf dem Plakat und dem Stoffbanner prangt gross der Slogan «Verdrängung by Marco MonoPolo». Grafisch ist das Plakat mit einer Häuserzeile illustriert, bei der alle Gebäude den Namenszug «Marco Polo» tragen. Im Text wird die Geschäftspolitik der Firma kritisiert. Unter anderem heisst es:

«Immobilien in der Bremgarter Altstadt werden aufgekauft, umgebaut und so das Stadtbild nach und nach verändert. Die Stadtmitte wird weniger divers und von einem reichen Investor dominiert.»

Dazu wird von den anonym bleibenden Aktivisten die vermeintliche Aufwertung der Stadt angeprangert, die durch steigende Mieten die lokale Bevölkerung und die Kulturschaffenden verdrängen würde.

Dieses Plakat wurde in der Bremgarter Altstadt zigfach aufgehängt.

Dieses Plakat wurde in der Bremgarter Altstadt zigfach aufgehängt.

Bild: zvg

Dazu werden auch gleich ein paar Beispiele von Immobilien in Bremgarten aufgeführt, die sich Marco Polo «unter den Nagel gerissen» habe. Nebst der ehemaligen «Sonne» an der Marktgasse 1 werden auch das Café Bremgarten (Marktgasse 20), der Städtlimärt (Marktgasse 12) und das Hotel Drei Könige (Marktgasse 2) erwähnt.

Von den eingebrachten Vorwürfen aus mutmasslich linken Kreisen distanziert sich Marco Polo. In einem zweiseitigen offenen Brief an die Bremgarter Bevölkerung legt René Holenweger seine Standpunkte dar. Er sagt:

«Wir sind offen für Kritik und nehmen diese auch ernst. Wir möchten aber auch festhalten, dass wir es schätzen, wenn Leute sich richtig informieren, bevor sie Kritik äussern.»

Das Hotel Drei Könige sei zum Beispiel nicht, wie kolportiert worden sei, im Besitz von Marco Polo. Ebenso wenig die Liegenschaft an der Marktgasse 12 mit dem Städtlimärt, der vergangenen Dezember renoviert und mit Fokus auf regionale, frische Produkte wiederbelebt worden ist. Holenweger sagt:

«Wir sind dort nur zur Miete. Das Lokal stand zuvor fast ein Jahr leer. Es hätte sich jeder andere auch dafür interessieren können.»

Das Gebäude an der Marktgasse 20 wurde von Marco Polo im Rahmen einer Zwangsversteigerung erworben und komplett saniert. Nun entstehen dort zwölf Mietwohnungen im Spektrum zwischen 1½- und 2½-Zimmern. «Die Nachfrage ist gross, gerade auch bei jüngeren Menschen. Mit Preisen um die 1000 Franken inklusive Nebenkosten sind sie vergleichsweise günstig», stellt Holenweger die Lage dar. Man zweckentfremde keinen Wohnraum für Geschäftsreisende, sondern schaffe erschwingliche Wohnungen.

Bezüglich Hotel Sonne macht Holenweger darauf aufmerksam, dass dieses 2019 gekauft und aufwendig aufgefrischt wurde. «Wir sind keine grossen Investoren, auch wenn wir als solche bezeichnet werden», hält er fest. Mit der baldigen Schliessung des Hotels Stadthof sei die «Sonne» noch das einzige grössere Hotel in Bremgarten. Und beim neusten lokalen Marco-Polo-Standbein, der Gastronomie im Freibad, sei die Initiative von der Stadt aus gekommen.

20 Arbeitsplätze geschaffen oder erhalten

Seit den Investitionen der Marco Polo Business Apartements AG sind im Reussstädtchen rund 20 Arbeitsplätze geschaffen worden oder erhalten geblieben. «Das ist doch positiv für jede Region, oder sehen wir das falsch?», stellt Holenweger im offenen Brief zudem eine Frage.

«Es war das erste Mal, dass wir mit einer solchen Plakataktion konfrontiert wurden. Ich denke, es handelt sich um eine Minderheit, die nicht ausreichend informiert gewesen ist. Die Reaktionen auf unseren offenen Brief sind jedenfalls durchwegs positiv», sagt der Marco-Polo-Geschäftsführer abschliessend.

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