Bremgarten
Der «Kübeltourmann» räumt seit 40 Jahren das Städtchen auf – im Juli geht Beat Zeier in Pension

Am 1. Februar vor 40 Jahren wurde Beat Zeier beim Bauamt Bremgarten eingestellt. Jetzt feiert er noch sein grosses Jubiläum und geht im Juli im Alter von 64 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand. Er liebt sein Reussstädtchen wie fast kein Zweiter.

Toni Widmer
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Beat Zeier bei der Arbeit in Bremgarten. Im Sommer geht er in Pension.

Beat Zeier bei der Arbeit in Bremgarten. Im Sommer geht er in Pension.

Toni Widmer

Am 1. Februar 2022 ist es 40 Jahre her, seit Beat Zeier seine Stelle als Mitarbeiter des Bremgarter Bauamts angetreten hat. Und noch immer bezeichnet der 63-Jährige seine Arbeit als Traumjob: «Mein Vater hat früher im Werkhof gearbeitet und Schnee geräumt. Das hat mich als Bub so beeindruckt, dass ich mit einem selber gebastelten Pflug die Vorplätze der Nachbarn vom Schnee befreit habe. Mein Traum war es schon damals, dem Schnee einmal mit richtigem Gerät zu Leibe rücken zu können», schwärmt Zeier von längst vergangenen Zeiten.

Obwohl er noch täglich gerne zur Arbeit geht und im Werkhof morgens oft als Erster aufkreuzt – laut eigenem Bekunden ist er in den ganzen 40 Jahren nie zu spät gekommen –, ist jetzt das Ende in Sicht. Ende Juli geht der in der Reussgasse aufgewachsene Urbremgarter in Pension – zwei Jahre vor dem Erreichen des Rentenalters.

«Nach wie vor bin ich gerne im Städtchen unterwegs und sorge dafür, dass alles sauber ist. Und auch über die Stadt als Arbeitgeberin sowie das Arbeitsumfeld im Team des Bauamts gibt es nichts zu klagen. Doch ich habe viel vor für die Zeit nach meiner Pensionierung. Zudem spüre ich von Teilen der Bevölkerung immer weniger Wertschätzung gegenüber unseren Aufgaben», begründet er seinen vorzeitigen Abgang.

Littering hat seit Corona massiv zugenommen

Es gäbe zwar noch ab und zu ein Dankeschön von Bremgarterinnen und Bremgartern, die ein sauberes Städtchen zu schätzen wüssten. Doch das Littering, das gedankenlose oder sogar böswillige Liegenlassen von Abfall, habe insbesondere seit Corona massiv zugenommen, sagt Zeier: «Auf den Parkplätzen könnten wir mehrmals täglich Schutzmasken auflesen, die Leute vor dem Einsteigen ins Auto einfach auf den Boden werfen.»

Er scheint nicht zu altern: Beat Zeier 2017 auf der Güseltour an der Reuss.

Er scheint nicht zu altern: Beat Zeier 2017 auf der Güseltour an der Reuss.

Dominic Kobelt (9.2.2017)

Er fügt hinzu: «Und es gibt auch immer mehr Leute, die unbrauchbaren Grümpel an die Strasse stellen und mit einem Schild ‹Gratis zum Mitnehmen› versehen.» Er habe 40 Jahre den von sorglosen Mitmenschen hinterlassenen Dreck aufgeputzt, davon habe er jetzt genug. Obwohl: «Mein Beruf war und ist immer noch meine Leidenschaft.»

Beat Zeier war und ist der «Kübeltourmann». Weit über 100 Abfallkübel in Bremgarten und etwa halb so viele in Hermetschwil-Staffeln leert er regelmässig, daneben alle Robidogs. Weiter räumt er Sammelstellen auf, putzt den Pyramidenbrunnen und geht auf Fötzelitour.

Seine Tage seien abwechslungsreich und spannend, vor allem auch an den Markttagen:

«Die Märkte bringen Abwechslung in die Stadt, und das gefällt mir, obwohl es bei der Vorbereitung viel zu tun gibt und danach viel aufzuräumen.»

Einzig das Schneeräumen hat er in den letzten Jahren vermisst: «Der Winter war einst meine liebste Jahreszeit. Jetzt fällt immer weniger Schnee. Das ist für die Bevölkerung gut, aber für mich nicht», lacht er.

Ein Mann, dem es nie langweilig wird

Beat Zeier ist in seiner Freizeit passionierter Hobbyfotograf. Fotos macht er jedoch nicht nur selber, er sammelt sie auch, überwiegend in Form von alten Postkarten. Rund 15'000 hat er davon, meist historische Aufnahmen aus dem Freiamt.

Am West-Fest 2019 zum Jubiläum der Bremgarter Westumfahrung stellte Beat Zeier (rechts) zusammen mit Fritz Winterberger seine Fotos aus.

Am West-Fest 2019 zum Jubiläum der Bremgarter Westumfahrung stellte Beat Zeier (rechts) zusammen mit Fritz Winterberger seine Fotos aus.

Toni Widmer (14.8.2019)

Auch Modelle von Kutschen, Autos, Lastwagen, Traktoren, Baumaschinen, Helikoptern, Ambulanzen, Feuerwehr- und Polizeifahrzeugen aus verschiedenen Epochen faszinieren den 63-Jährigen. Wie seine Postkarten sieht er auch diese 8000 Exemplare starke Sammlung als ein Stück Zeitgeschichte.

Seine Postkarten verwandelte Beat Zeier fürs Jahr 2012 in einen Kalender.

Seine Postkarten verwandelte Beat Zeier fürs Jahr 2012 in einen Kalender.

Jörg Baumann (23.7.2011)

Seine Schätze will Beat Zeier nach der Pensionierung weiter ausbauen, noch besser sortieren und allenfalls der Öffentlichkeit präsentieren. Er sagt:

«Ein kleines Museum mit meinen Fotos und Modellen: Das wäre mein Traum.»

Modelle und Postkarten will er kombinieren: «Ich habe zu vielen Aufnahmen von historischen Baumaschinen oder Autos schon die passenden Modelle. In einem künftigen Museum möchte ich diese dann zusammen zeigen.»

2008 zeigte Beat Zeier seine Sammlungen im Bremgarter Sunnemärt.

2008 zeigte Beat Zeier seine Sammlungen im Bremgarter Sunnemärt.

Hans Rechsteiner (15.8.2008)

Auch seine Postkartensammlung will Beat Zeier noch vergrössern: «Schon viele Leute haben mir Karten gebracht, die sie bei Wohnungsauflösungen oder beim Aufräumen im Estrich gefunden haben. Dafür bin ich immer sehr dankbar.» Mit seinem typischen Grinsen fügt er hinzu: «Für mich sind das Zeitzeugen, an denen die Leute sicher auch dann noch Freude haben, wenn ich schon längst im Himmel Schnee räume oder Abfalleimer leere.»

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