Bremgarten
«Sie hat die Psychomotorik massgebend aufgebaut»: Therapie-Pionierin geht nach 35 Jahren in Pension

Sie war eine wichtige Bezugsperson für Kinder aus der ganzen Region. Nun geht Psychomotorik-Therapeutin Gaby Schelbert nach 35 Jahren in Pension. Seit sie ihre Stelle in der Stiftung St. Josef in Bremgarten antrat, hat sich einiges verändert – auch dank ihrem Engagement.

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35 Jahre lang war Gaby Schelbert Psychomotorik-Therapeutin in der Stiftung St. Josef in Bremgarten. Nun gibt sie den Ball an Nachfolger Thomas Holzer weiter.

35 Jahre lang war Gaby Schelbert Psychomotorik-Therapeutin in der Stiftung St. Josef in Bremgarten. Nun gibt sie den Ball an Nachfolger Thomas Holzer weiter.

zvg

Während 35 Jahren hat Gaby Schelbert in der Stiftung St. Josef eine Welt geschaffen, in der es keine Misserfolge gibt. Eine Welt, in der Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten, Aufmerksamkeitsstörungen oder psychischen und motorischen Schwierigkeiten sich austoben, basteln, in ihrem Tempo Entwicklungsschritte nachholen und Fähigkeiten ausbauen konnten.

Als Psychomotorik-Therapeutin war Schelbert in all den Jahren für unzählige Kinder der ganzen Region eine wichtige Bezugsperson. Und auch in Zukunft wird sie der Stiftung als Therapeutin einer Kleingruppe und als Begleiterin der Praktikantinnen und Praktikanten erhalten bleiben. Doch die meiste Zeit ihres Lebens wird sie von nun an mit persönlichen Projekten verbringen.

Denn am 31. Januar wird sie nach genau 35 Jahren, drei Monaten und zwei Wochen ihren letzten offiziellen Arbeitstag in der Stiftung verbringen. «Ich schaue mit grosser Dankbarkeit auf diese lange Zeit zurück», sagt Schelbert. Sie selbst hätte nie damit gerechnet, dass sie so lange am selben Ort arbeiten würde.

«Sie hat die Psychomotorik massgebend aufgebaut»

«Alle fünf Jahre überlegte ich mir jeweils, noch etwas anderes als Psychomotorik zu machen», erzählt sie. Mit einem Lächeln ergänzt sie: «Doch jedes Mal hat sich innerhalb der Stiftung wieder ein spannendes Lernfeld angeboten, das mich fasziniert und herausgefordert hat.»

So hat Schelbert zu Beginn des Schuljahres 2001/2002 die Bereichsleitung Psychomotorik übernommen und diese bis heute geführt. Zudem war sie Fachperson in der Heimerziehschule, der späteren Fachschule für sozialpädagogische Berufe, in der sie einen psychomotorischen Ansatz einbringen durfte.

Stiftungsleiter Thomas Bopp (links) hat Gaby Schelbert bereits im Dezember verabschiedet. Am 31. Januar übergibt sie die Leitung der Psychomotorik an Thomas Holzer.

Stiftungsleiter Thomas Bopp (links) hat Gaby Schelbert bereits im Dezember verabschiedet. Am 31. Januar übergibt sie die Leitung der Psychomotorik an Thomas Holzer.

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«Gaby Schelbert hat die Psychomotorik massgebend aufgebaut und weiterentwickelt», beschreibt Stiftungsleiter Thomas Bopp. Als Schelbert 1986 ihre Stelle in Bremgarten antrat, war sie eine von nur acht Therapeutinnen im ganzen Kanton Aargau – heute sind es rund 40.

Ordensschwester Pascal war ihr Vorbild

Zur Psychomotorik gekommen ist Schelbert durch Schwester Pascal. Die Ordensfrau war einst eine der einzigen Frauen der Deutschschweiz, die eine Ausbildung am Heilpädagogischen Seminar in Zürich abgeschlossen hat. Deren Psychomotorik-Angebot war zuerst nur für «Josefsheim-Kinder» gedacht. Doch bald erkannten die Verantwortlichen, dass auch Mädchen und Jungen aus der Regelschule von einer solchen Therapie profitieren konnten.

Gaby Schelbert war eine wichtige Bezugsperson unzähliger Kinder der Region. Hier während einer Therapiestunde um die Jahre 1997/98.

Gaby Schelbert war eine wichtige Bezugsperson unzähliger Kinder der Region. Hier während einer Therapiestunde um die Jahre 1997/98.

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Damals arbeitete die junge Gaby Schelbert als Kindergärtnerin im Kindergarten Fuchsäcker an der Promenade Bremgarten. Als sie ein bewegungsauffälliges Kind zur Therapie bei Schwester Pascal begleitete, fand sie gefallen an der Therapieform und beschloss, sich ebenfalls in diesem Bereich ausbilden zu lassen. Anschliessend hat sie gleich eine Anstellung in der St. Josef-Stiftung erhalten.

Seither hat Schelbert miterlebt, wie sich die Therapieform weiterentwickelt und etabliert hat. «Früher hatte ein Kind eine IV-Rente oder die Eltern mussten für die Therapiestunden aufkommen. Schelbert schrieb etliche Gesuche an Gemeinden oder Pro Juventute mit der Bitte um finanzielle Unterstützung», schreibt die Stiftung. Heute sei die Kostenübernahme durch den Kanton geregelt.

Unter der Leitung ihres Nachfolgers entsteht ein neuer Fachbereich

Mit der Entwicklungsthematik wird sich Schelbert auch weiterhin beschäftigen. «Ich werde verfolgen, was in der Therapielandschaft in den nächsten Jahren mit den Herausforderungen der Schule passieren wird», sagt sie. Heute übergibt sie die Leitung des Bereichs Psychomotorik an Thomas Holzer.

Er leitet seit vielen Jahren den Heilpädagogischen Dienst mit den beiden Abteilungen Früherziehung und Frühlogopädie. Zusammen mit der Psychomotorik werden diese Fachbereiche nun unter einem gemeinsamen Bereich mit dem Namen «Ambulante Kinderangebote» zusammengezogen. «Ich wünsche ihm und den Therapeutinnen Zuversicht und gutes psychomotorisches Gelingen», sagt Schelbert. (az)

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