Pandemie

Corona forderte die Freiämter Jugendarbeit: «Wir hatten Angst, dass die Jugendlichen uns entgleiten»

Jugendliche schätzen den direkten Austausch.

Jugendliche schätzen den direkten Austausch.

Corona brachte auch in der Jugendarbeit Schwierigkeiten mit sich. Überraschenderweise schätzen Jugendliche den direkten Austausch mehr als jenen im Netz.

Sie organisieren Freizeitaktionen, schaffen Lernfelder und sind Anlaufstelle für Beratungsgespräche. Jugendarbeiterinnen und Jugendarbeiter bieten vielen jungen Menschen eine wertvolle Unterstützung in einem Lebensabschnitt, der von schwierigen Entwicklungen geprägt ist.

Diese Unterstützung lebt hauptsächlich von sozialen Kontakten. Im vergangenen Jahr war das nur beschränkt möglich. Die Coronamassnahmen haben die Jugendarbeit erschwert und die Beziehungen zwischen den Mitarbeitenden und den Jugendlichen auf eine harte Probe gestellt. Gerade zu Beginn war die Befürchtung, dass dieser Kontakt verloren gehen könnte gross, wie einige Mitglieder des Vereins für Jugend und Freizeit (VJF) auf Anfrage bestätigten.

Jugendarbeit anfangs in die sozialen Medien verlagert

«Zu Beginn hatten wir Angst, dass die Jugendlichen uns entgleiten. Gerade in der Phase der Pubertät, in der sie teilweise etwas mehr Begleitung brauchen», erzählt Benedikt Schumacher von der Jugendarbeit Kelleramt. Während dieser Zeit suchten sie die Jugendlichen, wie auch die Jugendarbeit Wohlen, an ihren Treffpunkten auf. «Aber nicht um Polizei zu spielen, sondern um zu sensibilisieren», so Schumacher.

Zudem hätten sie sich stärker mit sozialen Medien wie Instagram auseinandergesetzt, erzählt auch Lena Hildenbrand von der Jugendarbeit Wohlen: «Wir haben Informationen und ein Quiz zur aktuellen Situation gepostet und selbstverständlich angeboten, dass sie uns bei Problemen kontaktieren dürfen.» Auch im Kelleramt wurde auf digitale Möglichkeiten gesetzt. «Wir haben mit den Jugendlichen Gruppentelefone geführt und online Montagsmaler gespielt, doch mit der Zeit ging die Nachfrage danach zurück», so Benedikt Schumacher.

Mehr Wertschätzung für persönlichen Kontakt

Da für Jugendliche im Alter zwischen 12 und 16 Jahren andere Schutzmassnahmen gelten und der VJF für gute Checklisten der aktuellen Massnahmen sorgte, konnten die Jugendtreffs nach etwa zwei Monaten wieder öffnen. Das wurde von den Jungen sehr geschätzt. «Unser Fazit ist, dass ihnen der persönliche Kontakt lieber ist, als der digitale. Die Dankbarkeit für dieses Angebot ist in dieser Zeit in den Vordergrund gerückt», so Hildenbrand.

«Mehr Beratungsarbeit in der Zukunft»

Momentan können die Jugendtreffs fast wie gewohnt stattfinden. «Wir sind froh um die Maskenpflicht, die bei uns auch für unter 12-Jährige gilt. So haben wir mehr Möglichkeiten, als nur Pingpong zu spielen», so Schumacher.

Jetzt gilt es für die Jugendarbeiten, sich mit den Auswirkungen zu beschäftigen, die der Lockdown längerfristig auf Jugendliche haben könnte. «Wir bereiten uns nun darauf vor, dass wir in Zukunft mehr Beratungsarbeit leisten müssen. Auch in Zusammenarbeit mit den Schulen und der KESB oder im Rahmen der Suizidprävention», erklärt Fabian Birrer, Mandatsleiter beim VJF und Vorstandsmitglied von der AGJA (Jugendarbeit Aargau).

Meistgesehen

Artboard 1