«Wohlen, die viertgrösste Gemeinde im Kanton, leidet schon seit Jahrzehnten und in zunehmenden Masse unter dem Durchgangsverkehr», hat Grossrat Harry Lütolf (CVP) seine Interpellation begründet, mit der er im August bei der Aargauer Regierung Druck für die Realisierung der Wohler Südumfahrung machen wollte.

Diese 2,2 Kilometer lange Querverbindung vom Bremgarterwald über das Chüestellihau bis zur Bünztalstrasse im Gebiet Boll ist seit Jahrzehnten ein Thema. Das Trassee ist im kantonalen Richtplan ausgeschieden, konkret angepackt worden ist das Vorhaben bisher aber nicht.

65 Prozent ist Quellverkehr

Die Strassenbauer werden mit ihren Baggern und Belagseinbaumaschinen trotz Lütolfs Vorstoss auch nicht so rasch im Süden von Wohlen anrücken. Denn die Regierung zeigt in der Antwort auf seine Interpellation klar auf, was man in Wohlen eigentlich schon lange weiss: Der Verkehr im Dorf ist zu einem überwiegenden Teil hausgemacht.

Die Daten aus dem kantonalen Strassenbelastungsplan sind allerdings nicht ganz aktuell. Die letzte Erhebung des effektiven Durchgangsverkehrs stammt von 2006. Damals wurde mittels Nummernschilderhebung festgestellt, das der Durchgangsverkehr über alle Eingangsachsen lediglich bei 35% liegt, die restlichen 65% sind hausgemacht.

Die Regierung geht offenbar davon aus, dass sich diese Werte seither nicht grundlegend verändert haben. In ihrer Antwort hält sie fest: «Der Anteil Ziel- und Quellverkehr lässt sich nur sehr beschränkt über eine Umfahrung beeinflussen. Dem Binnenverkehr innerhalb der Gemeinde nützt eine Umfahrung nichts.»

Es gibt Handlungsbedarf

Das heisst nun aber nicht, dass die Regierung die zunehmende Verkehrsbelastung in Wohlen negiert. Der Schwellenwert von 15 000 Fahrzeugen beim DTV (Durchschnittlicher täglicher Verkehr) werde laut aktuellen Messungen verschiedenorts (Zentrum, Bünz- und Zentralstrasse sowie vor allem auf der Villmergerstrasse) überschritten.

Der Anteil des Schwerverkehrs halte sich dabei jedoch in Grenzen. Zusammenfassend lasse sich deshalb sagen, dass sich bezüglich des Verkehrsaufkommens im Zentrum von Wohlen sowie westlich davon ein Handlungsbedarf abzeichne. Dieser werde jedoch (noch) nicht als dringlich beurteilt.

Und deshalb, geht die Regierung auf eine weitere Frage von Lütolf ein, seien auch noch keine konkreten Schritte zur Realisierung einer Wohler Südumfahrung unternommen worden. Die strategische Ausrichtung der Strasseninfrastruktur im Bünztal sehe prioritär eine Stärkung der Bünztalstrasse mit leistungsfähiger Anbindung an den A1-Anschluss in Lenzburg vor, hält sie in ihrer Antwort fest.

Bedarf für Verkehrsmanagement

Für den Raum Wohlen zeichne sich jedoch der Bedarf für Massnahmen des Verkehrsmanagements ab. Diese sollen dazu führen, dass in den Hauptverkehrszeiten Überlastungen im Zentrum von Wohlen vermieden werden könnten und der öffentliche Verkehr auf der Strasse wo nötig bevorzugt werde. «Im Hinblick auf ein Konzept Verkehrsmanagement im Raum Wohlen ist zu klären, ob zum Beispiel eine Südumfahrung Wohlen zu berücksichtigen ist. Diese Abklärungen in Form einer Zweckmässigkeitsbeurteilung sind frühestens ab dem Jahr 2020 vorgesehen», hält der Regierungsrat fest.

Antworten gibt die Regierung auch auf Harry Lütolfs Fragen zu den aktuellen Verkehrserhebungen. Diese Zahlen, die man auch auf der Website des Departements Bau, Verkehr und Umwelt findet, sind tatsächlich eindrücklich. Auf der Dottikerstrasse verkehren täglich knapp 12 000 Fahrzeuge, das Wachstum pro Jahr liegt bei 3,9%.

Auf der Nutzenbachstrasse sind es knapp 9000 Fahrzeuge (6,2%). Auf der Villmergerstrasse ist die Frequenz mit knapp 18 000 Fahrzeugen pro Tag am höchsten. Hier ist die jährliche Zunahme mit 0,8 % jedoch eher tief. Die Erhebungen datieren aus den Jahren 2015 bis 2016 und sind somit vergleichsweise aktuell.