Oberlunkhofen

Damit das Ende ein guter Neubeginn wird: Diese Freiämterin arbeitet als «Personal Pastor»

Beerdigungen sind ihre Leidenschaft: Die 38-jährige Cindy Studer aus Oberlunkhofen ist Personal Pastor.

Beerdigungen sind ihre Leidenschaft: Die 38-jährige Cindy Studer aus Oberlunkhofen ist Personal Pastor.

Pfarrerin Cindy Studer aus Oberlunkhofen arbeitet nebenamtlich als freie Ritualbegleiterin und «Personal Pastor». Dies, weil sich immer wieder Menschen auf dem Pfarramt meldeten, die sich trotzt Kirchenaustritt eine Abdankung wünschten.

Es war im Büro des Berufsberaters, wo Cindy Studer die Idee hatte, Theologie zu studieren. Hinter der jungen Frau lagen ein abgebrochenes Psychologie- und Philosophiestudium. «Mich beschäftigen die grossen Fragen», erzählt sie. Das sei denn auch der Grund gewesen, dass sie es nach der KV-Lehre und der anschliessenden Maturität mit den beiden Studienrichtungen versuchte.

Doch beides erwies sich als nicht passend. Der Berufsberater kam aber nicht auf Theologie. «Er empfahl mir das Medizinstudium», erzählt sie. Damit liebäugelte die junge Frau auch. Aber die hohen Anforderungen an angehende Mediziner schreckten sie ab. «Als ich vorschlug, Theologie zu studieren, winkte der Berufsberater ab. Er fand, dass ich da überhaupt nicht reinpassen würde», erzählt sie lachend. Ihr Ehrgeiz war geweckt und Cindy Studer schrieb sich für Theologie ein. Einen Entscheid, den sie nicht bereuen sollte.

Bereits nach wenigen Wochen lernte sie im Studium ihren künftigen Ehemann kennen. Die beiden ergänzten sich nicht nur an der Uni auf ideale Weise, sie tun es heute noch. Seit fünf Jahren arbeiten sie als Paar im reformierten Pfarramt Kelleramt. Dabei war ein Pfarramt nie das angestrebte Ziel der beiden. Doch während der Ausbildung arbeitete die junge Frau in einer Kirchgemeinde und war vom ersten Moment an begeistert. «Man kann in diesem Beruf wahnsinnig kreativ sein und ist nah bei den Menschen», schwärmt sie.

Beerdigungen sind ihre grosse Leidenschaft

Seit drei Jahren bietet die Mutter einer anderthalbjährigen Tochter im Nebenamt die Dienstleistung eines «Personal Pastor» an. Dies, weil sich immer wieder Menschen auf dem Pfarramt meldeten, die sich trotzt Kirchenaustritt eine Abdankung wünschten. Diese Bitte musste sie als Pfarrerin ausschlagen. «Ich blieb hilflos zurück», kommentiert sie.

So entstand die Idee, als freie Ritualbegleiterin zu arbeiten. Anfangs gestaltete die 38-Jährige auch Hochzeiten und Taufen. Aber bald erkannte sie, dass Beerdigungen ihre grosse Leidenschaft sind. «Wenn ich solide Arbeit leiste, ist der erste Schritt zu einer guten Trauerarbeit geleistet», ist sie überzeugt. Sie schätzt es als ein Privileg, an den Lebensgeschichten der Menschen teilzunehmen, «das berührt mich immer wieder ganz tief».

Eine Abdankung nach den Vorstellungen der Hinterbliebenen zu gestalten, das sei nicht einfach. «Es ist immer ein Kompromiss.» Wichtig sei, dass es ihr gelinge, das Wesen eines Verstorbenen in seiner ganzen Bandbreite zu erfassen und dies in der Trauerrede wiederzugeben. Dazu gehört für sie ein ausführliches Gespräch mit den Hinterbliebenen, das in der Regel drei Stunden dauert.

Abdankungen unter freiem Himmel sind schwierig

Die meisten Abdankungen finden in einer Kirche oder Abdankungshalle statt. «Oft wird gewünscht, dass man die Abdankung unter freiem Himmel durchführt. Dieses Vorhaben scheitert aber meistens. Der Platz muss auch für gehbehinderte und ältere Menschen gut erreichbar sein.» Eine bis zwei Abdankungen pro Woche führt Cindy Studer durch. Und das bei einem 60-Prozent-Pensum. «Diese Arbeit ist zugleich mein Hobby», kommentiert sie glücklich.

Ihre berufliche Zukunft sieht sie auch in diesem Bereich. Bereits haben Gespräche mit der Aargauischen Landeskirche stattgefunden und erste Signale gehen in die Richtung, dass die Kellerämterin sich künftig in der Ausbildung der Ritualbegleiter engagieren könnte. Dass dies aber noch dauern kann, damit arrangiert sie sich: «Ich bin es gewohnt, dass ich der Zeit immer ein wenig voraus bin», sagt sie lachend.

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