Waltenschwil
Dank neuer Niere wird sie Vizeweltmeisterin

Die 32-Jährige Sandra Strebel aus Waltenschwil kann dank einer neuen Niere wieder Sport treiben. Trotz der Organtransplantation ist sie eine erfolgreiche Sportlerin.

Andrea Weibel
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Sandra Strebel ist bereit für die Europaspiele der Transplantierten.

Sandra Strebel ist bereit für die Europaspiele der Transplantierten.

Andrea Weibel

Sandra Strebel war erst sieben Jahre alt, als bei ihr ein hochaggressiver Krebs diagnostiziert wurde. Die erste Chemotherapie schlug nicht an. Die zweite wurde sehr viel höher dosiert. Nebenwirkungen: Gehör- und/oder Nierenschäden. Bei ihr wurde beides beschädigt. Die rechte Niere musste entfernt werden, 13 Jahre lang lebte die Sachbearbeiterin mit nur einer Niere.

Als diese ebenfalls zu versagen begann, brauchte Strebel eine Spenderniere. «Glücklicherweise stimmten bei meinem Vater sämtliche Werte überein, sodass er mir 2005 eine Niere spenden konnte», berichtet sie dankbar lächelnd.

Endlich wieder Sport

Seit der Operation gehören unzählige Tabletten zu ihrem Alltag. «Mein Immunsystem muss so heruntergefahren werden, dass es zwar Viren und Bakterien abwenden, aber nicht die neue Niere abstossen kann», erklärt sie. Bis der Medikamentenmix richtig eingestellt werden konnte, erlebte Strebel drei schlimme Jahre.

Doch jetzt geht es ihr viel besser. Sie arbeitet 80 Prozent, macht eine Ausbildung zur Sozialversicherungsfachfrau und kann endlich wieder Sport treiben. «Vor der Operation war ich Vorstandsmitglied der Damenriege, spielte Volleyball und war Junioren-Trainerin», erzählt sie. «Später war es für mich eine riesige Leistung, 100 Meter zu gehen. Aber dann konnte ich endlich wieder mit dem Trainieren beginnen.»

Drei Silbermedaillen

An Fachvorträgen traf sie Menschen, die ihr Schicksal teilen. «Sie machten mich darauf aufmerksam, dass es im Schweizerischen Transplantiertenverein auch eine Sportabteilung gibt.» Sie trat dem Verein bei und bekam schon bald die erste Einladung zu den Weltspielen im Sommer 2011 in Göteborg. Die Transplantierten – es gelten nur Organ- und Stammzellentransplantationen – haben ganz eigene Qualifikationsvorschriften: «Wir dürfen nur antreten, wenn die Ärzte es erlauben, darauf wird genau geachtet», so Strebel.

Sie war körperlich fit und schaffte es gleich im ersten Anlauf aufs Treppchen: Im Badminton-Doppel erhielt sie die Silbermedaille. An den Winter World Transplant Games 2012 in Anzère (Wallis) ergatterte sie dazu die Silbermedaille im Slalom und im Parallel-Slalom. Ihr nächstes Ziel sind die Europaspiele in Zagreb.

Ihr ist bewusst: «All das hat nur geklappt, weil ich eine Spenderniere erhalten habe. Heute bin ich wieder glücklich. Ich möchte die Menschen darauf aufmerksam machen, wie viel Glück und Lebensfreude ihre Organspende bewirken kann.»