Zufikon
Das erste legendäre Zürcher «Brocki-Land» hat jetzt auch hier eröffnet

In Zufikon eröffnete gestern das legendäre Zürcher «Brocki-Land» eine Filiale.

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Die Verkäuferin Ya-Oumie Küpfer und Melanie Morf (Chefin) vom neuen Brocki-Land in Zufikon.

Die Verkäuferin Ya-Oumie Küpfer und Melanie Morf (Chefin) vom neuen Brocki-Land in Zufikon.

AZ

Eigentlich war Zufikon nur als Plan B vorgesehen. Das grösste Brockenhaus des Kantons Zürich, die Brocki-Land Zürich AG, musste raus aus ihrer Stadtzürcher Filiale. Der Vermieter kündigte ihr. Die Suche nach einem neuen Standort in Zürich musste aufgegeben werden. Als zu teuer, zu klein oder zu unpraktisch erwiesen sich die möglichen Alternativen.

Mit der gestrigen Eröffnung in Zufikon betritt die Chefin Melanie Morf Neuland. Gleich zweifach. Erstens wagt sie den Schritt über die Kantonsgrenze und zweitens eröffnet sie zum ersten Mal selber eine Filiale. Ihr Vater, Mike Morf, hat vor 41 Jahren die Firma gegründet. Zu ihrem Höhepunkt beschäftigte die Firma über 100 Mitarbeiter.

Stühle, Besteck oder Kleider auf 700 Quadratmeter

Mike Morf sitzt seit ein paar Jahren im Rollstuhl. Seine Tochter wagt nun mitten in der Coronazeit eine Geschäftseröffnung. Die 44-Jährige läuft nervös im Laden herum und macht noch letzte Änderungen. In der ehemaligen Garage von Bruno Blaser stapeln sich auf etwa 700 Quadratmeter die Dinge des Lebens. Stühle, Besteck, Bilder, Krawatten. Die Kleider sind nach Farben sortiert.

Noch etwa 10 Minuten bis zur Ladeneröffnung. Morf trinkt noch kurz einen Kaffee und gibt Instruktionen durch. Vor dem Laden warten schon zwei Dutzend Kundinnen und Kunden. Die Abertausend Dinge im Laden stammen von Hausräumungen, also von verstorbenen Menschen. Trotzdem hakt das Geschäft. «Im November konnten wir wegen Corona fast keine Hausräumungen durchführen», sagt Morf. Andererseits berichtet sie von einem Bedürfnis innerhalb der Gesellschaft. Der Gang zum Brockenhaus habe grosse Teile der Bevölkerung erfasst. Die Menschen müssten sparen. Das betrifft mittlerweile auch den Mittelstand.

Vor dem Eingang versammeln sich immer mehr Menschen. Melanie Morf ruft noch kurz ihren Vater an. Der Patriarch will live zugucken, wenn die Brocki-Türen zum ersten Mal im Aargau aufgehen. «Herzlich willkommen», ruft die Chefin den Kundinnen und Kunden zu. Sie wird dabei fast umgestossen. «Es hat für alle etwas», ruft sie wieder, diesmal etwas lauter.

Es sind vorwiegend Händler und Profis, die zu den ersten Kunden zählen. Zielstrebig laufen sie zu den Gestellen. Aber auch Neugierige kommen. Körbe werden schnell gefüllt, die Waren kritisch inspiziert. Jagdfieber bricht aus, aber auch Enttäuschung. Alle Artikel sind mit dem Preis angeschrieben. Letzte Hoffnung ist dann Ya-Oumie Küpfer, die resolute Frau an der Kasse. Wer lieb ist mit ihr, kriegt Nachlass. (bf)

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