Das Haupttraktandum im Einwohnerrat am Montag war das Schlössli: Die Umbaukosten für das historische Gebäude sollen 900 000 Franken betragen. Nach dem Betriebskonzept sollen im Schlössli dereinst Kunstausstellungen, kulturelle Herbstveranstaltungen, Schul- und Privatanlässe oder Sitzungen der Gemeindeverwaltung und der Ortsbürgergremien stattfinden. Als Partner stünden die Kulturbeiz im Chappelehof, der Wohler Verein Begegnung der Kulturen oder der Verein Kultur im Sternensaal zur Verfügung.

Der Finanzbedarf war bereits vor der Einwohnerratssitzung zu 70 Prozent gesichert. Die Ortsbürgergemeinde sprach einen Beitrag über 400 000 Franken an die Sanierung des ältesten Wohler Steinhauses. Auch der Aargauer Heimatschutz beteiligt sich mit 10 000 Franken und die Ernst-Göhner-Stiftung mit 50 000 Franken, hinzu kommen weitere Sponsoren und Gönner.

Mit 21 Ja- zu 16 Nein-Stimmen bei einer Enthaltung hat der Einwohnerrat nun beschlossen, sich ebenfalls mit 100 000 Franken zu beteiligen. Im März wird der Regierungsrat über einen Zustupf von weiteren 100 000 Franken aus dem Swisslos-Fonds entscheiden.

Einigkeit über gute Arbeit

Durch alle Fraktionen war man sich einig, dass die Renovation des Schlösslis ein gutes Projekt sei, die Arbeit des privaten Vereins «Schlössli» wurde mehrfach gelobt. Trotzdem sah es nach einer knappen Abstimmung aus, zumal die Geschäftsprüfungskommission (GPK) den Antrag mit vier zu drei Stimmen zur Ablehnung empfahl. «Klar fehlt im Moment noch Geld, aber das vorgelegte Budget zur Renovation bietet Sparpotenzial, allein bei der Planung findet man mit Sicherheit einen Idealisten, der auf einen Teil seines Honorars verzichten wird», sagte Urs Stäger im Namen der GPK. Von der SVP kam mehrmals der Vorschlag, Handwerker könnten in freiwilliger Arbeit einen Beitrag leisten.

Zudem würden sich bereits 150 Schlossdamen und Herren finanziell beteiligen, die Renovation komme so oder so zustande. Roland Büchi (SVP) wies darauf hin, dass es sich um einen privaten Verein handle. «Ein privater Verein hat entweder genug Geld in der Kasse oder er sucht nach Sponsoren. Die Einwohnergemeinde ist mit ihren leeren Kassen der falsche Ansprechpartner für Sponsoring. Es kommt auf jeden Franken an, den wir sparen können.» Seine Fraktion sprach sich denn auch fast einstimmig gegen den Beitrag aus.

Fast machte es den Eindruck, als könnte der Verein «Schlössli Wohlen» sich mit seiner guten Arbeit einen Bärendienst erweisen, nach dem Motto: Die schaffen das bestimmt auch ohne Beitrag der Einwohnergemeinde. Fabian Furter vom Verein «Schlössli Wohlen» stellte klar, dass die Renovation keinesfalls gesichert sei: «Wir haben 70 Prozent gedeckt. Das ist zwar sehr erfreulich, renoviert wird aber nur, wenn wir 100 Prozent haben.»

Die FDP stimmte gespalten. Angesichts der Finanzlage sprach sich eine knappe Mehrheit gegen das Geschäft aus, Samuel Keller und Armin Geissmann hielten aber emotionale Voten für den Erhalt des historischen Bauwerks.

Gemeinderat Ruedi Donat (CVP) argumentierte, das Schlössli werde, würde man es nicht renovieren, zum «Mahnmal von einer von Angst geprägter Investitionspolitik». «Wenn wir Wohlen gemeinsam weiterbringen wollen, gehört dieser Schritt dazu. Es ist ein geschichtsträchtiges Haus.» Ein Grossteil der CVP-Fraktion folgte «ihrem» Gemeinderat.

«Erhaltung von Kulturobjekt»

Die Grünen stimmten «einstimmig und mit grosser Überzeugung» für den Beitrag, wie Magdalena Küng begründete: «Es handelt sich um ein einzigartiges Kulturobjekt. Wir haben einst zugestimmt, dass das Haus unter Schutz gestellt wird, da wäre es inkonsequent, wenn wir uns nicht an der Instandhaltung beteiligen würden.»

Die Befürworter argumentierten auch damit, dass durch die Renovation öffentlicher Raum entstehe. Es sei ein «Projekt für alle», sagte etwa Julia Frischknecht (GLP). «Die Einwohnergemeinde hat schon viele Versäumnisse gemacht, erhalten wir die historische Bausubstanz», redete Cyrille Meier (SP) seinen Ratskollegen ins Gewissen – offenbar mit Erfolg.