Villmergen
Der Bachteil ist nicht mehr wiederzuerkennen: Schöner Wohnen für Forellen

Laichplätze und Unterstände statt Betonwände auf Betongrund: Beim Fussballplatz werden derzeit 600 Meter Bach renaturiert.

Andrea Weibel
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Fischenzpächter Ruedi Jost (links) und die Mitarbeiter von Kanton, Planungs- und Ausführungsunternehmen freuen sich über den renaturierten Holzbach, der endlich wieder plätschert. Andrea Weibel

Fischenzpächter Ruedi Jost (links) und die Mitarbeiter von Kanton, Planungs- und Ausführungsunternehmen freuen sich über den renaturierten Holzbach, der endlich wieder plätschert. Andrea Weibel

Andrea Weibel

Fischenzpächter Ruedi Jost hat allen Grund zu lachen: Bereits jetzt ist der Bachteil beim Fussballplatz, wo Hinter- und Erusbach sich zum Holzbach vereinen, nicht mehr wiederzuerkennen. «Davor floss das Wasser hier eingefasst von Betonwänden über einen Betongrund. Es gab sehr wohl Fische, aber keine grossen, da ihnen die Unterstände fehlten, und es gab auch keine Laichmöglichkeiten auf dem Beton im nur etwa 20 Zentimeter tiefen Wasser», beschreibt er. Das Zauberwort war Renaturierung. Doch diese war bisher an dieser Stelle lediglich ein Traum, erklärt Landschaftsplaner Emil Hänni von der Naef Landschaftsarchitekten GmbH: «An beiden Seiten wird der Bach von Strassen eingedämmt. Vor allem zur Sicherheit der Kantonsstrasse wollte man die Uferböschung nicht antasten.» So wurde der Teil weiter bachabwärts Richtung Bünz, der nicht mehr an der Strasse liegt, auch schon 1999/2000 renaturiert.

Doch jetzt haben die Experten des Kantons die Lage genauer überprüft. «Es stellte sich heraus, dass die Strasse gar nicht gefährdet ist», so Jost. «Also konnte die Renaturierung endlich angepackt werden. Das hat mich unglaublich gefreut.» Nicht nur er, sondern auch die Spaziergänger und Schulklassen werden sich künftig an einem wieder lustig plätschernden Bach erfreuen können. Besonders aber dient die Renaturierung den Bewohnern des Bachs: den Fischen und Krebsen.

300 Forellen, 500 Groppen

Am 19. September konnten die Bauarbeiten für das 100 000 Franken teure Projekt beginnen. Bezahlt wird es zu einem Drittel von der Villmerger Natur- und Landschaftsschutzkommission, den Rest übernahmen Kanton, Bund sowie der Naturemade-Star-Fonds. Und auch die Ausführung war Teamarbeit: Neben Jost und Hänni wurden Experten des Kantons miteinbezogen.

Bevor der Bagger aber in den Bach gesetzt wurde, mussten die Fische mittels Elektroden abgefischt werden: Sie wurden betäubt, eingefangen, vermessen und in andere Bachteile umgesiedelt. «Auf 100 Metern haben wir etwa 300 Forellen, 500 Groppen und sogar zwei Edelkrebse gefunden», so Jost. «Das sind mehr als erwartet.» Er selbst hat vor zehn Jahren einheimische Edelkrebse ausgesetzt, danach aber keine mehr gesehen. «Wir haben uns sehr über die zwei gefreut. Das lässt hoffen, dass sie sich vermehrt ansiedeln, wenn ihr Lebensraum renaturiert ist.» Ihm ist aber nicht nur die Anzahl der Fische wichtig, sondern auch deren Grösse: «Wir haben Forellen von bis zu 28 Zentimetern gefunden, aber keine grösseren, weil sie sich nirgendwo verstecken können.» Das soll sich nun ändern, und die Fische dürfen sich auf Becken von bis zu 1,20 Meter Tiefe freuen.

Die Arbeiten verlaufen gut. «Hält das Wetter, sollten wir in zweieinhalb Wochen fertig sein», so Hänni. Das ist wichtig, weil Ende Oktober die Laich- und somit die Fischschonzeit beginnt.

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