Berikon
Der Beriker Gürtel bleibt eng geschnallt

Die Gemeinde-Rechnung von Berikon ist trotz Sparmassnahmen im Minus – der Gemeinderat sieht sich aber dennoch auf Kurs. Klar ist: Berikon soll den Gürten noch immer eng geschnallt haben.

Erna Lang-Jonsdottir
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Eine Gemeindeversammlung mit tiefer Beteiligung: Lediglich 90 der 3132 Stimmberechtigten fanden den Weg ins Berikerhus. «Kann sein, dass der heutige Fussballmatch schuld daran ist», scherzte Gemeindeammann Stefan Bossard.

Die geringe Anzahl an Besuchern minderte die kritischen Fragen nicht. Und obwohl letztlich alle Anträge angenommen wurden, kamen Sorgen um die Finanzen der Gemeinde und Zweifel am Gemeinderat zum Ausdruck.

Investitionen sind hoch

«Der Gemeinderat hat den Ausgleich nicht geschafft. Der Aufwandüberschuss der laufenden Rechnung beträgt 568000 Franken. An der Herbstversammlung wurde ausdrücklich ein Sparkurs gewünscht», sagte Gregor Biffiger, Grossrat SVP, vorwurfsvoll.

Gleichzeitig riet er der Gmeind, Rechenschaftsbericht und Jahresrechnung abzulehnen. Bossard widersprach: «Die Spar-Botschaft ist angekommen. Es wurden viele Massnahmen ergriffen, die in der Jahresrechnung sichtbar sind. Wir jubeln noch nicht, doch die Stossrichtung stimmt. Wir sind auf Kurs.» Er gab zu bedenken, dass der Gemeinderat nur fünf Prozent des Budgets direkt beeinflussen könne.

Bossard erklärte: «Hohe Investitionsausgaben und eine nicht ausgeglichene laufende Rechnung haben zu einem Finanzierungsfehlbetrag von 5,5 Millionen geführt.» Das Eigenkapital werde deshalb innert kürzester Zeit abgebaut. «Von 2 Millionen Franken im Jahr 2009 sank es 2010 auf 1,4. Per 2011 rechnen wir mit 604000 Franken.» Die Leistungsfähigkeit der Gemeinde bedürfe einer weiteren, intensiven Auseinandersetzung. Kurz: Der Gürtel soll eng geschnallt bleiben.

Gründe für die hohen Ausgaben sind unter anderem die Sanierung der Oberdorfstrasse und die Gestaltung der Bahnhof- und Oberwilerstrasse. Eine Belastung des Eigenkapitals stellen auch die Investitionen bei den Technischen Werken dar. Bossard zeigte die Ausgaben für Ingenieurleistungen mit einer sauberen Darstellung auf, die einigen dennoch fragwürdig erschien.

Cornel Egger, Präsident der Finanzkommission (Fiko), bestätigte die saubere Buchhaltung und riet mit einer Anmerkung zur Annahme der Jahresrechnung: «Die Fiko stellt fest, dass die Kosten im Sozialbereich stetig zunehmen. Sie empfiehlt, die Entwicklung der letzten fünf Jahre transparent zu machen und an der Herbstversammlung zu präsentieren.»

Vizeamtsfrau Rosmarie Groux informierte, dass der Kantonale Sozialdienst (KSD) alle Sozialfälle in Berikon überprüfe. Dem Gemeinderat sei vorgeworfen worden, die Ausgaben seinen zu hoch und die Betreuung ungenügend. «Wir warten die Bericht des KSD ab. Danach werden wir uns beraten», führte sie aus. Eine Sozialkommission sei eine Möglichkeit. Es gebe jedoch noch andere.

Zwei Varianten – vier Anträge

An der Junkholzstrasse müssen Papierbleikabel durch moderne Kunststoffkabel ersetzt werden. Der Gemeinderat legte der Gmeind erneut einen Antrag vor, dieses Mal mit zwei Varianten: Eine mit und eine ohne zusätzliche Strassensanierung. Die Gmeind war sich einig, dass der Strassenbelag nicht zu einem Flickwerk werden darf und verwarf die günstigere Variante A.

Variante B, für 880000 Franken, sorgte für lange Diskussionen und für ein kompliziertes Abstimmungsverfahren: CVP-Präsident Nick Wettstein schlug im Namen der Partei eine Reduktion des Kredites auf 850000 Franken vor. Der Kostenanteil für die Strassensanierung dürfe nicht mehr als einen Neuntel des Gesamtpreises ausmachen, betonte er. Biffiger ging noch tiefer und meinte, 800000 Franken müssten reichen.

Daraufhin zweifelten einige die Seriosität des Gemeinderats an. Andere wiederum appellierten an Vernunft der Stimmbürger und rieten, dem Antrag des Gemeinderats zuzustimmen. Dies geschah letztlich sogar mit 54 Ja- zu neun Nein-Stimmen.

Einen grossen Applaus erhielt der 18-jährige deutsche Leopold Weil. Eine grosse Mehrheit stimmte seinem Gesuch um Einbürgerung zu. Erfreut zeigte sich Bossard auch über die Rekrutierung von 31 Neumitgliedern in die Feuerwehr Mutschellen.

Bossard schloss die Generalversammlung um 22 Uhr und lud zum Apéro ein. Wer sich danach auf den Heimweg machte, verpasste nicht einmal das Tor von U21-Nationalspieler Admir Mehmedi.