Der Chappelehof in Wohlen platzt förmlich aus den Nähten. Viele Erwachsene, Jugendliche und Kinder warten gespannt auf die Hauptperson. Diese ist aber noch beschäftigt: Der wichtigste Job des heiligen Nikolauses ist derzeit schliesslich, den Versli der Kinder zu lauschen und kleine Gaben zu verteilen. Also ist er nach der Chlausmesse noch ein wenig auf dem Kirchplatz beschäftigt. Plötzlich weilt der gütige Mann aber im Saal, in Begleitung des Wohler Chlausvaters Röfe Wüst.

Paul Huwiler, Präsident der Kulturkommission, nutzt das Erscheinen der beiden und ergreift das Wort: «Der Brauchtum St. Nikolaus ist aus Wohlen nicht wegzudenken. Deswegen geht der Kulturpreis in diesem Jahr an das Brauchtum des heiligen Nikolaus.» Wichtig sei ihm, darauf hinzuweisen, dass der Wohler Samichlaus in einem Bischofsgewand gekleidet ist. «Unser heiliger Mann trägt nicht dieses amerikanische Mantelzeug», betont er.

Das Brauchtum um den heiligen Nikolaus hat in Wohlen bald 80 Jahre einen festen Platz. Seit 1941 besucht der Samichlaus mit seinen Schmutzlis Familien in Wohlen und Anglikon. Damals in der Zeit der Kriegswirren brachte Pfarrhelfer Andreas Hofer mit den Traditionen des heiligen Nikolauses etwas Licht in eine dunkle Zeit. Bis heute hat es sich bewahren können. An drei Abenden sind insgesamt zehn Chlausgruppen zu rund 200 Familien unterwegs. Der Höhepunkt der Vorweihnachtszeit ist dann der grosse Chlausauszug am Nachmittag des zweiten Adventssonntags aus der Wohler Pfarrkirche. Seit kurzer Zeit gebe es den Verein «Freunde des St. Nikolaus Wohlen», so solle das Brauchtum auf lange Sicht bewahrt werden.

Chlausvater ist immer im Einsatz

Derjenige bei dem alle Fäden zusammen laufen, der immer den Überblick behält, sei nach wie vor Chlausvater Wüst. «Chlausübervater wäre vielleicht noch passender», merkt der Huwiler lachend an. Sehr passend, denn Röfe Wüst hat seinen besonderen Posten seit 40 Jahren inne. Dazu folgt als i-Tüpfelchen der Kulturpreis der Gemeinde Wohlen. Die Laudatio hält Daniel Güntert, der am vor zwei Jahren erschienen Samichlaus-Buch tatkräftig mitwirkte. Güntert würdigt den Einsatz, den das Brauchtum für den Ort leistet. Dabei vergisst er nicht, die tatkräftige Unterstützung der Jugendlichen von der Jungwacht. So viel Leidenschaft, Herzblut und Einsatzbereitschaft sei phänomenal. «Röfe Wüst ist dabei der Fels in der Brandung», stellt der Laudator fest.

Selbst im Augenblick der Preisvergabe ist Wüst im Einsatz, sein Mobil-Phone läutet hartnäckig. Aber als Chlausvater müsse man zurzeit nun mal immer erreichbar sein. Sichtlich gerührt nehmen Samichlaus und Chlausvater den Preis nach der kleinen Unterbrechung entgegen. Für Wüst gibt es eigens eine Chlausglocke. «Ich bin total happy», erklärt er, «vielen Dank an Kommission und Gemeinderat. Und vielen Dank allen, die unser Brauchtum unterstützen. Der Preis gebührt dem ganzen Team, das super Arbeit leistet.»