Forstwirtschaft

Der letzte Bremgarter Stadtoberförster ist pensioniert – und arbeitet noch etwas weiter

Anton Bürgi vor einer Lärche im Bremgarter Wald.

Anton Bürgi vor einer Lärche im Bremgarter Wald.

Forstingenieur Anton Bürgi ist eigentlich pensioniert. Dennoch arbeitet er im Teilpensum weiter. Er habe noch ein paar Projekte zu erledigen.

Für das Foto fahren wir an eine besondere Stelle in «seinem» Wald in Bremgarten. Anton Bürgi, der (halb) pensionierte bald 66-jährige Oberförster des Forstbetriebs Wagenrain, stellt sich neben eine rund 40 Meter hohe Lärche. Und erzählt die spannende Geschichte, warum seine Vorgänger vor rund 130 Jahren diesen und weitere solche Bäume gepflanzt haben. Seine Ausführungen fesseln und zeigen, wie stark er nach wie vor mit diesem Wald verbunden ist und wie viel er über dessen Entwicklung weiss.

Die Leitung des 1000 Hektaren grossen Forstbetriebs Wagenrain, der die Wälder von Bremgarten, Dottikon, Hägglingen, Waltenschwil und Wohlen umfasst, hat er vor einem Jahr an Revierförster Leonz Küng übergeben. Das Amt des Oberförsters, das in Bremgarten eine lange Tradition hatte, stets mit einem Forstingenieur besetzt war, gibt es nicht mehr. Kürzlich ist Bürgi auch von den Wohler Ortsbürgern offiziell verabschiedet worden. Seit der 1997 erfolgten Fusion zum Forstbetrieb BWW (Bremgarten, Wohlen, Waltenschwil) war er für die Pflege und Entwicklung derer Waldungen zuständig gewesen.

«Habe noch ein paar Projekte zu erledigen»

Vorderhand arbeitet Anton Bürgi in einem Teilpensum weiter: «Ich bin vor allem in beratender Funktion tätig und habe noch ein paar Projekte zu erledigen. Unter anderem erarbeite ich zurzeit den neuen Betriebsplan.» Angefangen hat der promovierte Doktor der Technischen Wissenschaften 1993 als Stadtoberförster in Bremgarten und dort gleich die erste grosse Forstbetriebszusammenlegung im Freiamt mit angepackt. In jener Zeit kein einfaches Unterfangen, denn beim Thema Wald sind die Emotionen damals bei den beteiligten Ortsbürgern noch höher gegangen als heute: «Wir waren in dieser Beziehung Pioniere und es war sicher gut, dass ich von aussen gekommen bin. Das hat die Sache etwas vereinfacht», erklärt er im Rückblick.

Hauptberuflich Mitarbeiter der Eidg. Forschungsanstalt

Tätig war Anton Bürgi als Oberförster im Teilpensum von rund 20 Prozent. Hauptberuflich hat er als wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) in Birmensdorf gearbeitet. Das WSL hat seit 1970 den jeweiligen Bremgarter Stadtoberförster gestellt, jetzt ist dieser Vertrag ausgelaufen.

«Mich hat es gereizt, die Ergebnisse unserer Forschung am WSL draussen in die Praxis umsetzen und anderseits auch praktische Erfahrungen in die Forschung mit einbringen zu können», erklärt Bürgi seine damalige Motivation, sich für die freie Stelle als Bremgarter Stadtoberförster zu bewerben. Es war ein guter Entscheid: «Ich hatte den besten Job überhaupt. Zum einen konnte ich im Forstbetrieb viele wissenschaftlichen Erkenntnisse praktisch umsetzen und zum andern die Sicht der Praktiker in den wissenschaftlichen Elfenbeinturm einbringen.» Diese Doppelrolle sei nicht immer ganz einfach gewesen: «Natürlich bin ich mit meinen Ideen und Lösungsansätzen da wie dort gelegentlich etwas angeeckt. Aber es hat sich immer im Rahmen gehalten», schmunzelt er.

Beim WSL ist er seit Ende Juli 2019 pensioniert, arbeitet aber auch dort als Gastwissenschaftler an verschiedenen Projekten noch etwas weiter. Dennoch bleibt ihm jetzt etwas mehr Zeit für seine Hobbys: Motorradfahren, Musik (aktiv und passiv) und ausgedehnte Reisen mit seiner Frau. Anton Bürgi hat schon viele Länder und Kontinente gesehen. In Bhutan hat er mit seiner Familie als waldbaulicher Berater und Leiter einer forstlichen Forschungsstation sogar mehrere Jahre gelebt und auch in der Ukraine über Jahre verschiedene Projekte des WSL betreut.

Die USA hat er noch vor sich: «Ich will dort drei Sachen tun», sagt er, «die riesigen Redwood Bäume in Kalifornien sehen, den Blues Club von Buddy Guy in Chicago besuchen und in New Orleans go Musig lose.»

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Autor

Toni Widmer

Toni Widmer

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